Julia unterwegs
Samstag, 21. Februar 2009
Autsch!
Am Mittwoch, glaube ich, bin ich von Flores nach Lanquin irgendwo in der Mitte von Guatemala gefahren. Im 10-Personen-Kleinbus wurden wir 8 1/2 Stunden ordentlich durchgeschuettelt, auf der Fahrt gabs eine Flussueberquerung auf einer "Faehre" Marke Eigenbau, von der wir fast ins Wasser gefalllen waeren, und die Strasse war ganz schoen kurvig. Dafuer war die Landschaft toll, das viele gruen. Und im Bus waren lauter nette Menschen, das hat die Fahrt ein bisschen kurzweiliger gemacht. In Lanquin angekommen war ich die einzige, die im von allen angesteuerten Hostel einen Platz bekommen hat, weil mir am Tag zuvor zwei Schweizerinnen, die ich aus dem Hostel in Flores kannte, ein Bett reserviert hatten. Da war der Neid erst mal gross, aber letztendlich war es gar nicht so toll. Das Hostel in Lanquin war zwar wunderschoen, es bestand aus vielen kleinen Huetten auf einem grossen, an einem Hang und an einem Fluss gelegegenen Gelaende, mit vielen Haengematten, einer Lagerfeuerstelle und sogar einer Sauna. Mir war das ganze aber mal wieder zu touristisch: Ueberfuellt mit Amerikanern und Kanadiern (und ein paar Israelis), die alle nur Party machen wollten, Motto-Buffets, Happy Hour, Lady's Night und so. Da hat mir die familiaere Atmosphaere in Flores mit Spiele ausleihen und Bio-Essen doch besser gefallen. Und dementsprechend habe ich auch keine wirklich netten Menschen kennen gelernt.

Aber ich wollte ja auch nicht lange im Hostel verweilen, sondern bin am naechsten Tag auf eine Tour in den benachbarten Naturpark Semuc Champey gegangen, die es in sich hatte. Zuerst mussten sich alle auf die Ladeflaeche eines Pickup-Trucks begeben, um die sechs Kilometer lange Strecke auf Schotter durch die Berge in 45 Minuten zu befahren. Da hab ich mir schon mal die erste Ladung blaue Flecken abgeholt. Wir sind an einen Fluss gefahren, an dessen Ufer eine Schaukel hing, auf die wir uns setzen konnten und wenn der Guide (der uebrigens Elvis hiess) "jump!" gebruellt hat, konnte man in den Fluss springen. Hat Spass gemacht, war aber ganz schoen hoch. Anschliessend hat jeder eine Kerze in die Hand gedrueckt bekommen, und wir haben uns aufgemacht in eine Hoehle, in der es Stalaktiten zu bewundern gab und, waeren wir spaeter dort gewesen, eine ganze Menge Fledermaeuse. Die Hoehle war dunkel, teilweise musste man schwimmen und rutschige Felsen hoch- und runterklettern (beides nicht so einfach mit ner Kerze in der Hand) und einmal durch einen Wasserfall steigen. Das ganze hat fast zwei Stunden gedauert und ich habe mir die naechste Ladung blauer Flecken und roter Kratzer abgeholt. Wieder am Tageslicht hat sich jeder einen Gummireifen geschnappt, wir sind drei Kilometer den Fluss entlang gewandert und haben uns, in den Reifen liegend, zurueck treiben lassen. Bis zu einer neun Meter hohen Bruecke, von der man runter springen konnte. Von unten sieht das gar nicht so tief aus (siehe Foto), und ich hatte mir fest vorgenommen, zu springen, aber als ich dann erst mal oben stand... Keine Chance!



Weiter gings dann zur eigentlichen Attraktion des Naturparks. Das sind natuerliche Pools zwischen den Bergen, die direkt von Quellwasser gespeist werden. Einige der Pools haben auch unterirdische, warme Quellen. Das Wasser ist total klar und kalt und man kann darin, gemeinsam mit winzigen Fischen, schwimmen. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnuegen: Vorher bin ich zu einem Aussichtspunkt gewandert, von dem man einen tollen Blick auf die Pools hatte, der aber leider - naturgemaess - ziemlich weit oben auf dem Berg lag. Das war echt anstregend, aber es war ein lustiges Gefuehl, im Bikini durch den Urwald zu klettern. Das Schwimmen im kalten Wasser tat dann auch echt gut, und als wir gegen sechs Uhr abends zurueck gekommen sind, war ich ziemlich fertig (vom Muskelkater gestern ganz zu schweigen).

Gestern bin ich dann vom Hostel in Lanquin aus nach Antigua gefahren, und kaum aus dem Bus ausgestiegen, liefen mir die beiden Schweizerinnen ueber den Weg, die mir immer einen Tag vorrausreisen. Hier bin ich wieder in einem netten Hostel untergekomen und habe zum ersten Mal das Gefuehl, wirklich in Guatemala zu sein. Bisher habe ich mich eigentlich nur in abgeschotteten Touri-Plaetzen aufgehalten und bin wie in einer Blase durchs Land gereist, und das ist hier in der Stadt, glaube ich, wieder anders. Hoffe ich zumindest, denn zum Pauschaltourismus bin ich ja nicht hergekommen.
Heute und morgen werde ich nun in und um Antigua verbringen und dann gehts wohl weiter zum Lago Atitlan, ein See, der inmitten von Volkanen liegt und sehr schoen sein soll. Jetzt ist aber erst mal Fruehstueck angesagt, und eine Dusche, denn gestern nachmittag bis in die Nacht hinein gabs in ganz Antigua kein Wasser...

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