Julia unterwegs
Donnerstag, 2. April 2009
Fazit
Jetzt bin ich schon fast eine Woche lang wieder in Deutschland, aber trotzdem möchte ich den Blog würdig beenden und ein kleines Fazit ziehen - zumindest bis zur nächsten Reise ;-)

Zwei Monate und vier Tage hören sich lang an, sind es aber nicht, wenn man bedenkt, was für eine Strecke ich zurück gelegt habe, was ich gesehen und erlebt habe und was ich noch machen wollte, dazu aber keine Zeit mehr hatte.

Ganz grob gemessen bin ich 5.577 km gereist, und das ist bloß die Strecke, die ich, hauptsächlich in wackeligen, unbequemen und nur bedingt verkehrstauglichen Bussen auf den Wegen von A nach B zurück gelegt habe. Tagesausflüge sind da noch nicht mit dabei.

Durchreist habe ich:
Mexiko (18 1/2 Tage)
Guatemala (13 Tage)
Honduras (8 Tage)
Nicaragua (19 Tage)
Costa Rica (1 1/2 Tage)

Natürlich ist es schwer, abschließend zu beurteilen, was mir am besten gefallen hat und wo ich es am schönsten fand, weil ich so viele unterschiedliche Dinge gesehen habe. Ein bisschen kann man es aber an den Tagen erkennen, die ich in den jeweiligen Ländern geblieben bin.

Nicaragua ist mein Favorit, dort hätte ich gerne noch mehr gesehen und wäre ohne Bedenken ein paar Wochen länger dort geblieben. Highlights in Nicaragua und auch der gesamten Reise waren die Vulkanbesteigung im Vollmond und die Stadt Leon, aber außer in Granada fand ich es überall schön und interessant, wo ich abgestiegen bin. Außerdem waren die Menschen in Nicaragua am freundlichsten und hilfreichsten, das Wetter war am durchgängig schönsten, und das Land noch am wenigsten touristisch erschlossen.

Anschließend folgt Mexiko, das zwar kein Reise-Highlight beinhaltet, aber so voller Kultur und Geschichte war und außerdem mindestens einen tollen Strand besitzt (Mazunte an der Pazifikküste), dass es mich total beeindruckt hat. Außerdem ist Mexiko-Stadt nicht zu verachten und sicherlich nochmal eine Reise wert, während die kleineren Städte, die ich besichtigt habe, vor allem San Cristobal de las Casas, echt charmant sind mit den bunten Häusern, den Bergen drumherum und auch den politischen Slogans überall an den Hauswänden.

Guatemala ist zwar Heimatort eines weiteren Reise-Highlights, nämlich Tikal, war mir aber insgesamt zu touristisch. Da ich erst spät aus der Touristen-Blase ausgestiegen bin, hatte ich lange das Gefühl, nicht wirklich im Land zu sein. Das hat sich erst in Antigua geändert, nach Leon in Nicaragua die schönste Stadt, die ich besichtigt habe. Die Landschaft war teilweise sehr schön, vor allem in den Bergen, in Semuc Champey, wo ich in den natürlichen Pools geschwommen und im Bikini durch den Urwald gelaufen bin. Insgesamt aber, wie gesagt, ein bisschen zu sehr touristisch erschlossen und nicht wirklich authentisch und damit ganz anders, als ich erwartet hatte.

Honduras hat mir nicht wirklich gut gefallen. Copán war zwar ein nettes kleines Städtchen, und Tela war so völlig normal, dass ich es dort ein paar Tage lang gut aushalten konnte, ohne mehr als zwei Touristen am Tag zu begegnen. Die Bay Islands haben mir aber leider nicht so gut gefallen, nicht zuletzt wegen des schlechten Wetters, und Tegucigalpa, die Hauptstadt Honduras', war der mieseste Ort, an dem ich mich auf dem gesamten Trip aufgehalten habe. Obwohl ich in Honduras die nettesten Taxi-Gespräche geführt habe, waren die Menschen insgesamt am wenigsten freundlich im Vergleich zu den anderen Ländern. Und seltsamerweise habe ich auch nur in Honduras keine Reisenden kennen gelernt, die mir wirklich sympathisch waren...

Über Costa Rica kann ich nicht wirklich viel sagen nach dem gut einen Tag, den ich in San José war. Die Hauptstadt selbst ist fast genauso hässlich wie Tegucigalpa, wenn auch etwas weniger furchteinflößend. Die Natur in Costa Rica ist sehr schön (zumindest das, was ich gesehen habe), allerdings springen wahnsinnig viele amerikanische Touristen dort herum, was den Reisespaß , wenn man länger dort ist, beeinträchtigen könnte. Insgesamt habe ich zu Costa Rica aber keine Meinung.

Toll war es, so viele neue Dinge zu sehen und zu erleben und auch zu lernen, mit den unterschiedlichsten Leuten aus den unterschiedlichsten Ländern und mit den unterschiedlichsten Hintergründen in Kontakt zu kommen und dabei ein buntes Sprachgewirr zu zaubern. Die Landschaft habe ich auch oft bewundert, ich bin wirklich an einigen sehr schönen Plätzen gewesen. Außerdem bin ich ein bisschen stolz, dass ich gut über die Runden gekommen und meistens dort gelandet bin, wo ich hinwollte, dass ich nicht ausgeraubt wurde und mich auch in den wenigen unschönen Situationen gut zurecht gefunden habe. Und das Wetter!!! Sonnig, trocken und heiß in den meisten Fällen!!!

Nicht toll war es, immer nur aus dem Rucksack zu leben, immer dreckigere Klamotten tragen zu müssen, manchmal schnarchenden Typen im Nebenbett zuhören zu müssen, Schlafmangel und einige Bus- und Schifffahrten, die meinen Magen auf die Probe gestellt haben. Nach einer Weile haben mich auch die Gespräche mit anderen Travellern genervt, die immer mit den gleichen Fragen begonnen haben (Wo kommst du her, wohin reist du, was hast du schon gesehen, wie lange hast du Zeit, warst du da und dort, was machst du zuhause...). Klar geht es nicht ohne, und irgendwie muss man anfangen zu reden, aber wenn du die gleichen Fragen mehrmals am Tag stellst und beantwortest, und das wochenlang, geht dir das irgendwann auf den Senkel.

Einerseits hatte ich mich schon ein bisschen auf Deutschland und vor allem Berlin gefreut, und darauf, wieder ein Zuhause zu haben. Aber ich habe jetzt schon Lust, nochmal so eine Reise zu machen, wenn auch weniger Länder in der gleichen Zeit oder mit mehr Zeit für die gleiche Entfernung. Ihr hattet sicherlich auch ein bisschen Spaß beim Lesen des Blogs und ich hoffe, ihr könnt euch nun ein bisschen besser vorstellen, wie alles war...

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Donnerstag, 26. März 2009
So 'ne Scheisse...
Keine 24 Stunden bleiben mir in Mittelamerika! Gestern Abend bin ich nach einem ganzen Tag Reise von San Juan in Nicaragua in San Jose in Costa Rica angekommen, von wo ich - wenn alles klappt - morgen frueh um 6:45 Uhr Ortszeit im Flieger sitzen und Richtung USA starten sollte. Warum ich erst gestern hier angekommen bin? Tjaaa, das gehoert zu den weniger erbaulichen Geschichten dieser Reise. Aber um euch ein authentisches Bild zu vermitteln, kann ich euch die natuerlich nicht vorenthalten ;-)

Am Montag Nachmittag sind mir nachmittags am Strand Andrea und Beatrice, die beiden Schweizerinnen, die ich drei Mal in Guatemala getroffen hatte, ueber den Weg gelaufen. Abends waren wir, gemeinsam mit einem Oesterreicher, den die beiden kennen gelernt hatten, und Thilo (dem Hilchenbacher, ich koennte mich immer noch wegschmeissen vor Lachen) schoen Cocktail trinken, und anschliessend fing das Desaster an: Durchfall. Da habe ich mich einfach schnell schlafen gelegt und gehofft, dass es am naechsten Morgen wieder ok sein wuerde. Tatsaechlich konnte ich auch Pancakes zum Fruehstueck essen, aber kurz vor dem geplanten Aufbruch in Richtung Costa Rica fingen dann so richtig die Bauchkraempfe und das aufs-Klo-Gerenne an, und ich habe mich entschieden, zu warten, bis es besser wird und nicht in dem Zustand eine Busreise und einen Grenzuebergang in Angriff zu nehmen. Kluge Entscheidung, denn: Es wurde nicht besser. Spaeter am Nachmittag kam dann sogar noch Brechreiz hinzu und als ich abends nur noch tot auf dem Bett lag hat mich Thilo heldenhaft gezwungen, zur Notaufnahme im Gesundheitszentrum zu gehen und dort um Rat zu fragen. Und so bin ich, fast am Ende meiner Reise, noch in den unvergleichlichen Genuss gekommen, auf einer von erstaunlich grossen Armmeisen umwanderten Pritsche in einem aus vier Raeumen bestehenden Krankenhaus zu liegen und drei Stunden lang diverse Infusionen eingefloesst zu bekommen (Mineralien, Salzloesung, Schmerzmittel). Es war natuerlich nicht so schlimm, wie es sich anhoert, denn der Arzt und die Schwester waren nett und wirkten kompetent, alle medizinischen Geraete waren sauber und die Behandlung war sogar kostenlos (was ich im Uebrigen nicht gut finde - meiner Meinung nach koennten Touristen schon ein paar Cordobas bezahlen). Anschliessend ging es mir tatsaechlich besser, ich habe noch von zu Hause mitgebrachte Tabletten eingenommen und am naechsten Morgen einen Grosseinkauf in der Apotheke gemacht, bevor ich mich dann tatsaechlich auf die Reise nach San Jose gewagt habe.

Das hat auch ganz gut geklappt: Eine Stunde Taxi, eineinhalb Stunden Grenzuebergang, eine Stunde Warten auf den Bus, sechs Stunden Busfahrt, eine halbe Stunde Taxi zum Hostel. Die Reise war trotzdem ziemlich anstrengend, weil ich noch voellig kaputt war. Gestern Abend habe ich mich dann essenstechnisch sogar schon an Reis und Huehnchen gewagt, bevor ich dann frueh schlafen gegangen bin. Um 4:00 wurde ich dann von einem Hotelmenschen geweckt, weil er mich faelschlicherweise schon heute fuer den Shuttle-Bus zum Flughafen eingetragen hatte. Nicht so schoen, aber immerhin weiss ich jetzt, dass ich geweckt werde, falls ich heute Nacht verschlafen sollte ;-)

Heute bin ich dann eineinhalb Stunden durch San Jose gelaufen, und ich muss sagen: Waehrend die Natur in Costa Rica auf der Busfahrt echt schoen aussah, ist San Jose eine der haesslichsten Staedte, die ich auf dieser Reise gesehen hab. Ausserdem hat meine Zimmergenossin erzaehlt, dass sie letzte Woche zwei Strassen vom Hostel entfernt ueberfallen wurde, als sie mit zwei anderen Maedels unterwegs war, und da das die erste Geschichte ist, die ich von einer betroffenen Person gehoert habe, macht das San Jose nicht unebdingt sympathischer. Aus diesem Grund kann ich jetzt auch keine BIlder hochladen, ich habe naemlich nur meine Einweg-Kamera in die Stadt mitgenommen. Ich bin aber sowieso immer noch ziemlich k. o. und werde den Rest des Tages in der Sonne am Pool liegend (ja, ihr habt richtig gehoert, das Hostel hat einen Pool!) verbringen. Muss mir ja noch ein bisschen Vorschuss-Braeune holen, bevor ich in ungefaehr 36 Stunden wieder in Deutschland aufschlage...

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Montag, 23. März 2009
Urlaub vom Urlaub
Sooo, schon wieder sind ein paar Tage ins Land gezogen und meine letzte Woche ist schon in vollem Gange. Am meinem letzten Abend in Granada habe ich mit Anna (die Deutsche aus meinem Hostel) und einem Kalifornier, dessen Namen ich gerade vergessen hab, von einem Kirchturm aus einen tollen Sonnenuntergang ueber der Stadt beobachtet, anschliessend sind wir in die Stadt gegangen, um den Saint Patrick's Day zu feiern (irgendeinen irischen Feirtag, an dem sich alle gruen anziehen muessen). War aber nichts besonderes los, und Granada hat anscheinend keine wirklich netten Kneipen. Und so bin ich am naechsten Morgen zeitig los zum Bus, um nach Ometepe zu fahren. Dort hat sich ein lustiger Zufall zugetragen, der dazu gefuehrt hat, dass ich in den letzten Tagen ein bisschen Urlaub vom Urlaub hatte, und das kam so: Nach der Ankunft der kleinen Faehre auf Ometepe haben sich so gut wie alle anderen Touristen, die nicht am Ankunftsort in Moyogalpa bleiben wollten, ein Taxi genommen, um an ihre Zielorte zu fahren. Ich nicht, weil die einen dort alle uebers Ohr hauen (Konkurrenzmangel). Im Bus sass auf dem Sitz vor mir nur noch ein anderer Tourist, und wie es so ist, man kommt ins Gespraech (Er: Where are you from? - Ich: Germany - Er: Ja, dann koennen wir ja auch Deutsch reden. Von wo genau kommst du her? - Ich: Ich studiere in Berlin, komme aber aus einem kleinen Dorf in Westdeutschland - Er: Wo denn? - Ich: Kennst du eh nicht, liegt ungefaehr zwischen Koeln und Frankfurt - Er: Naja, da komm ich auch ungefaehr her. Kennst du Siegen...?). Das war dann der Punkt, an dem ich erst die Augen aufgerissen und dann angefangen zu lachen hab, denn der Typ, Thilo, kommt aus Hilchenbach und kennt natuerlich auch Wilnsdorf. Koennt ihr auch vorstellen, wie absurd es ist, auf einer kleinen Vulkaninsel mitten in Nicaragua, in einem klappernden und schaukelnden Chicken-Bus, sich ueber Leute und Musik im Meyers zu unterhalten (sorry, Berliner Leser!) ??!! Da wir den gleichen Bestimmungsort auf Ometepe hatten, sind wir zusammen ausgestiegen und auch am naechsten Tag gemeinsam unterwegs gewesen, dann allerdings in Gesellschaft von Thilos spanischem derzeit in Managua lebenden Freund, der auf die Insel nachgekommen war. Das Kaff, das wir uns ausgesucht hatten, bestand im Prinzip aus drei Unterkuenften (ein Lusxus-, ein Mittelklasseschuppen und unser Hostel) und ein paar Huetten. Kein Supermarkt, kein Internet, und schon gar kein Museum etc.. So blieb nicht viel anderes zu tun als im Nicaragua-See zu schwimmen (spaeter meinte David, der Spanier, der Nicaragua-See sei der einzige Suesswasser-See der Welt, in dem kleine Haie leben...), ein bisschen ueber die Insel zu spazieren und zu essen. Auf einer Wanderung rund um eine Lagune haben wir ganz viele Affenfamilien und diesen Vogel mit der abstehenden Feder auf dem Kopf gesehen, der der Nationalvogel von Nicaragua und extrem selten ist:



Eigentlich wollte ich nach zwei Tagen weiter in ein anderes Dorf, um von dort aus einen der beiden Vulkane zu besteigen. Aber: Die beiden Jungs haben mich eingeladen mit nach San Juan del Sur zu kommen (da wollte ich eh anschliessend hin) und am naechsten Tag auf eine Party von einem befreundeten franzoesischen Paerchen und einer Nicaraguanerin an einem einsamen Strand (Playa de Coco) neben San Juan. Von diesem Strand hatte ich auch schon gehoert, und da David mit einem Auto unterwegs war, hat sich das natuerlich angeboten ;-) Also haben wir am naechsten Tag noch seine Freundin, Amparo, aufgesammelt und sind zu viert nach San Juan del Sur gefahren. Dort gibt es eigentlich nichts besonderes, ausser Surf-Shops und eisig (!!!!) kaltem Wasser, das angeblich so kalt ist, weil irgendwelche Winde vom Nicaragua-See dorthin ziehen. Die Surfer sind nur in Neopren-Anzuegen unterwegs und wenn man sich ins Wasser wagt, sollte man spaetestens nach fuenf Minuten wieder raus, weil sonst die Beine abfrieren. Wenn man es ueberhaupt so lange schafft.
Am naechsten Tag haben wir noch fuer die Party eingekauft und sind dann in einer Stunde die 20 Kilometer lange unbefestigte Strasse zum Playa de Coco gefahren. Dort hat sich uns das folgende Bild geboten:



Die Berge, die ihr ganz schwach im Hintergrund erkennen koennt, gehoeren uebrigens schon zu Costa Rica. Also, ein super Strand, an dem wir Beachball spielen, mal wieder einen tollen Sonnenuntergang anschauen konnten und an dem spaeter Lagerfeuer gemacht und Gitarre gespielt wurde.



Den Grund der Party haben weder Thilo noch ich so ganz verstanden, aber das hier habe ich aus den spanischen Erklaerungen und den Uebersetzungsversuchen ins Deutsche geschlussfolgert: Der weibliche Teil des franzoesischen Paerchens hat ein halbes Jahr lang Praktikum in Managua gemacht und ihr Lebensgefaehrte ist ein Lebenskuenstler oder so und ist mitgekommen. Und da naechste Woche der Rueckflug ansteht, haben sie ein Haus am Strand gemietet und ihre Abschiedsparty veranstaltet. Ausserdem hatte das Maedel Geburtstag, genau wie eine Nicaraguanerin, die ebenfalls eingeladen hatte. Die Gaeste waren: Nicaraguaner, Franzosen, ein Suedafrikaner, ein paar Amerikaner, ein Mexikaner (?) und wir Spanier und Deutschen. Eine ziemlich bunte Truppe, verwirrend und interessant. Es wurde lecker Fisch gegrillt, ich habe gelernt, wie man Krabben pult, es gab gute Salate und anschliessend ist ziemlich viel nicaraguanischer Rum geflossen. Da zu wenig Betten zur Verfuegung standen, diverse Couches und meine Haengematte, die ich vorsorglich noch im Hellen aufgehaengt hatte, belegt war, haben David und Amparo, die ein Bett erwischt hatten, Thilo und mir ihre Schlafsaecke geliehen, und wir haben es uns am Strand bequem gemacht. Naja, so bequem das eben ist, auf dem gehaertetem Sandboden und mit viel Wind, der einem die Sandkoerner ins Gesicht weht, so dass man morgens ziemlich braun und knirschend aufwacht... Aber der Sternenhimmel war toll und hat mich zumindest ein bisschen entschaedigt. Insgesamt ein paar unverhoffte, aber schoene Tage: Immerhin war ich mit netten und extrem gastfreundlichen Menschen zusammen, habe es an einen Strand geschafft, den man mit oeffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreicht, und habe einen Einblick in die nicarguanische Feierkultur bekommen, auch wenn das, was ich gesehen habe, sicherlich nicht dem landestypischen Standard entspricht - und natuerlich ohnehin ziemlich international war. Und auf jeden Fall mal eine Abwechselung zum bisherigen Backpacker-Reisen.

Eigentlich wollte ich haute wieder zurueck nach Ometepe und den Vulkan besteigen, aber mir ging es heute morgen nicht so gut und die Schifffahrt haette ich sicherlich nicht ueberstanden. So wurde ich in San Juan del Sur abgesetzt, wo ich heute noch ein bisschen entspannt habe und von wo ich morgen oder spaetestens uebermorgen weiter nach Costa Rica fahren werde. Wo dann meine Reise in nicht mehr fuenf Tagen enden wird...

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Dienstag, 17. März 2009
Alles tranquilo :-)
Hey, zur Abwechselung habe ich weder viel noch neues zu berichten. Trotzdem wollte ich mich nochmal melden, bevor ich morgen auf die Insel Ometepe im Nicargua-See fahre, wo das Internet ziemlich schlecht sein soll. Was hat sich getan in den letzten Tagen? Am besten chronologisch:

Samstag: Ausser ein bisschen Sightseeing und abends in einem Comedor (so heissen die lokalen Restaurants hier) nicht mehr viel nach der Reise. Granada ist anscheinend der am meisten von Touristen besichtigte Ort in Nicaragua, und so sieht es an vielen Stellen auch aus. Einige Gebaeude, vor allem die Kathedrale im Stadtzentrum, sind so doll renoviert und herausgeputzt worden, dass es schon kuenstlich aussieht (siehe Foto). Ausserdem gibt es, was ich in Mittelamerika bisher noch gar nicht gesehen habe, eine fuer Autos mehr oder weniger gesperrte Strasse mit ganz vielen Strassencafes. Im Stadtzentrum laufen fast nur Touristen rum, und alles wirkt ein bisschen unecht. Dementsprechend hoch sind natuerlich auch die Preise in den Geschaeften und Restaurants. Es ist nicht so schlimm, aber auch echt nicht so toll wie Leon, das noch ein bisschen anarchistischen Charme hatte.



Sonntag: Jordan hatte Magenprobleme, deswegen habe ich mir alleine ein Fahrrad gemietet (bei weitem das verkehrstuechtigste aller jemals gemieteten Raeder, und das ist keine Ironie!) und bin ans Seeufer gefahren. Ich dachte, dort gibt es vielleicht eine Promenade, an der man ein paar Stuendchen entlang fahren kann, aber erst mal gabs dort vor allem einen "Complejo Turistico", der voellig von einheimischen Familen uebervoelkert war, die dorthin ihren Sonntagsausflug gemacht haben, um im See zu schwimmen, zu picknicken und im Schatten zu schlafen. Anschliessend bin ich, auf der Suche nach mehr Uferweg durch die Waelder gekurvt, habe aber ausser ein paar Privatgrundstuecken und im Sumpf grasenden Rindern nichts mehr gefunden. Zurueck in der Stadt habe ich mir ein altes restauriertes Fort angeschaut, das von den Englaendern gebaut wurde, um die Stadt gegen Piraten zu schuetzen. Dann habe ich in der Haengematte geschlafen und abends bin ich mit Jordan, dem es wieder besser ging, in den gleichen Comedor wie am Abend zuvor spaziert.

Montag: Vorlaeufiger Abschied von Jordan, der nach Ometepe weitergereist ist, um dort ein paar Freunde zu treffen. Ich habe einen Ausflug an die Laguna Apoyo gemacht, einen eine halbe Stunde von Granada entfernten Kratersee gemacht, in dem man schwimmen und an dem man relaxen kann. Mehr kann ich darueber echt nicht sagen, da ich tatsechlich nichts anderes gemacht habe. Abends habe ich gemeinsam mit einer Deutschen gegessen und anschliessend bin ich frueh ins Bett gegangen, weil ich eigentlich frueh aufstehen wollte, um am naechsten Tag frueh in die Stadt Masaya auf einen Kunsthandwerk-Markt zu fahren und anschliessend noch nach Ometepe weiter zu duesen.

Dienstag: Das hat nicht geklappt, denn erst habe ich laenger geschlafen, als ich wollte, dann habe ich mal wieder eine geschlagene Stunde in der Bank verbracht, um meine letzten beiden Traveller Cheques einzuwechseln, dann musste ich noch meine Waesche zur Waescherei bringen und dann war es so spaet, dass ich entschieden habe, erst morgen weiter zu fahren. Masaya war nichts besonders, der Markt war ziemlich touristisch und es gab irgendwie ueberall die gleichen Sachen. Naja, immerhin hab ich was leckeres Typisches zum Essen gefunden. Gleich werde ich vielleicht noch einen Kirchturm erklettern, um mir den Sonnenuntergang anzuschauen, und dann wars das heute auch schon. Morgen gehts dann, aber wirklich, weiter an den Nicaragua-See.

So langsam werde ich ueberigens ein bisschen wehmuetig, weil die letzten Tage ziemlich cool waren und mir Nicaragua echt gut gefaellt, und weil ich nur noch eine gute Woche uebrig habe. Aber ich werde versuchen, so viel es geht daraus zu machen. Ausserdem muss ich ja eh nochmal zurueck kommen, da ich wahrscheinlich nichts von Costa Rica sehen werde...

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Sonntag, 15. März 2009
Freitag, der 13.
Die Ueberschrift laesst euch bestimmt schon Schlimmes ahnen. Tja, da liegt ihr gar nicht so falsch. Mein Freitag, der 13., war weitestgehend uebel. Begonnen hat er nachts in einer ziemlichen scheusslichen Disco, immerhin keine Touri-Disco, aber die Musik war grauenhaft, das Publikum irgendwie auch, die teure Rum-Cola, die irgendwer bestellt hatte (und die ich natuerlich auch bezahlen musste), hat nach Wasser geschmeckt und so ist ein vorher guter Abend (mit der Truppe vom Strand und zwei weiteren Kanadiern) ein bisschen seltsam geendet. Mit nur drei Stunden Schlaf in den Knochen musste ich morgens um halb sieben aufstehen, warum, ist eine langweilige komplizierte Geschichte, die ich euch an dieser Stelle nicht zumuten moechte (kurz: ich wurde von einem Reisebuero verarscht). Morgens war ich dann ja noch im Internet, und mittags ging das Drama dann so richtig los. Ich sag nur: Volcano Boarding, oder: "Wie man sich am besten fuer viel Geld schnell und effektiv schmerzhafte und haessliche Verletzungen zufuegen kann". Auf einem Pickup-Truck sind wir eine halbe Stunde lang zum Vulkan gekarrt worden, und als ich absteigen musste, machte es einmal "ratsch" und das Schicksal der Hose meiner Mama (keine Rueckreise nach Deutschland) war besiegelt: Ein riesiger Riss zog sich von der Innenseite des Beines von der Mitte der Wade bis zum Reissverschluss. Der 45 Minuten lange Aufstieg auf den Vullkan Cerro Negro, der juengste Nicaraguas, war damit eine ziemlich unkomfortable Angelegenheit, da ich, den Rucksack auf dem Ruecken, das Board in den Haenden in Windboeen ueber Steine balancieren musste und gleichzeitig so gut wie moeglich den Riesen-Riss verdecken musste. Oben angekommen ist mir fast das Herz stehen geblieben, weil die Piste wirklich verdammt steil aussah und unser Guide erzaehlt hat, dass der schnellste Volcano-Boarder fuer den Weg nach unten 18 Sekunden gebraucht hat und ueber 80 Stundenkilometer schnell war. Und dass ein anderer das mit seinem Mountainbike versucht hat und anschliessend acht Monate im Krankenhaus verbringen durfte. Alles klar? Nur kurz sur Erklaerung: Das Board ist ein Holzbrett mit einer metallenen Flaeche auf der Unterseite (siehe Foto), die, je nachdem wie man drauf sitzt, fuer die Geschwindigkeit zustaendig ist. Auf der Oberseite sind drei Holzsprossen befestigt, zwischen die man sich setzt, und eine Kordel, die man festhalten muss, falls man stuerzt, damit das Board sich nciht selbststaendig macht. Der Untergrund, auf dem es runter ging, war recht feines Vulkangestein, ein bisschen groeber als Strassenschotter, also nicht etwa Sand. Oben auf dem Vulkan haben wir lustige Anzuege und Chemiebrillen bekommen, gegen Schmutz, Staub und etwagige Verletzungen. Auf dem Foto koennt ihr mich auf der Vulkanspitze sehen, lachend mit dem Mut der Verzweiflung.



Nach einer Viertelstunde Anweisungen, wie man lenken, bremsen und beschleunigen (ha!) kann, haben sich die ersten auf den Weg gemacht. Es sind immer zwei Leute gleichzeitig losgefahren, auf ein paar Meter voneinander entfernt liegenden Pisten. Unten standen dann zwei Typen, die die Geschwindigkeit der Ankommenden gemessen haben. Die ganzen Anweisungen habe ich versucht, zu beachten, aber es hat nichts geholfen: Ich bin drei Mal vom Board gefallen, und einmal bin ich so uebel gestuerzt, dass ich kopfueber den Berg herunter gekullert bin, Steine im Mund hatte, das Board abwechselnd ueber und unter mir und nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Hoert sich lustig an, war es aber nicht. Kurz vor der Zeitmessung bin ich dann nochmal gestuerzt und habe es dann letztendlich nur auf 25 anstatt der geplanten 50 Stundenkilometer geschafft. Bei meiner Ankunft waren alle still und ein paar Menschen haben mich gefragt ob ich ok sei. Ich musste mich erst mal setzen und da mich alle ganz mitleidig angeschaut haben und mich beinahe jeder nach meinem Befinden gefragt hat, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen weil ich dachte, ich muss echt schlimm aussehen. Mehrere Leute meinten, bis zur Haelfte habe ich echt gut ausgesehen und eine ziemliche Geschwindigkeit drauf gehabt (hat sich gar nicht so angefuehlt) und der Sturz habe richtig uebel ausgesehen. Naja, das Ergebnis ist jedenfalls, trotz Schutzanzug, ein linker Arm mit vielen Schuerfwunden, zwei leicht zerkratzte Haende, Schuerfwunden am Bein und am Kinn und eine Druckstelle von den Brillen an der Nase. Autsch.



Zurueck im Hostel gabs immerhin kostenlose Mojitos fuer alle, und nach einer Dusche, die hoellisch gebrennt hat an den Wunden haben wir weitergetrunken und den anderen Menschen, die nicht dabei gewesen waren, Heldengeschichten erzaehlt. Ich konnte immerhin sagen, dass ich den Preis fuer den besten Stunt bekommen haette, denn natuerlich war ich die einzige, die so richtig fies gestuerzt ist. Der Rest des Freitags war dann ganz ok: Geselliges Beisammensein und spaeter nochmal weggehen. Auch das war nicht unkompliziert, aber das ist eine andere Geschichte.

Heute morgen war es dann ganz schoen schwer, aufzustehen, aber Jordan (der New Yorker mit dem gleichen Weg) und ich haben uns aber trotzdem tapfer auf den Weg gemacht. Im Pickup-Truck zur Bushhaltestelle, mit dem Bus nach Managua, in meinen Gedanken die Horror-Stadt schlechthin. Und was war? Ich habe im Bus geschlafen und nichts mitbekommen, und irgenwann hat mich Jordan geweckt, weil der Busfahrer gesagt hat, um den Bus nach Granada zu erreichen, muessten wir aussteogen. Das haben wir getan und uns an einer grossen unuebersichtlichen Busstation wiedergefunden, die (hier ueblich) gleichzeitig ein Markt war. Aber nicht dunkel, dreckig, duester und gefaehrlich, sondern sonnig, mit Musik, und, ok, dreckig war es schon. Wir haben uns etwa eine halbe Stunde lang zum Bus durchgefragt, viele Leute haben uns unterschiedliche Dinge erzaehlt und die Taxifahrer wollten uns natuerlich abzocken, aber: Alle waren super freundlich, haben und lang und breit erklaert, wo wir hinmuessen, haben uns die Preis genannt, damit wir nicht von irgendwelchen Busfahrern uebers Ohr gehauen werden, und haben sich eingemischt, wenn sie der Meinung waren, dass jemand uns etwas falsches erzaehlt hatte. Lustig war, als ich mich in einem stehenden Bus nach dem Weg erkundigt habe, waehrend Jordan hinter mir Leute an der Strasse gefragt hat. Als ich mich umgedreht habe, sah ich ihn umgeben von fuenf alten Maennern, die alle wild in die gleiche Richtung zeigten (die gleiche Richtung, die mir der Busfahrer gesagt hatte), und da sind wir dann auch hingegangen. Ein Anblick fuer die Goetter. Die Fahrt nach Granada hat dann nochmal eine Stunde gedauert, wir haben Betten in unserem Wunschhostel gefunden, in dem es den ganzen Tag gratis Kaffee gibt (juchu!) und alles war super. Cool, ich bin geradezu auf einer Euphoriewelle geschwebt, weil die Menschen so freundlich und hilfsbereit waren und alles so gut geklappt hat. Bin bis jetzt wirklich restlos begeistert von Nicaragua. Obwohl mir Granada auf den ersten Blick nicht so gut gefaellt wie Leon, aber ich habe auch noch nciht so viel gesehen. Jetzt gehts gleich erst mal in die Dusche und dann mal schaun, ob heute Abend noch etwas los ist. Und essen muss ich auch... Bis demnaechst!

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Freitag, 13. März 2009
Kampf mit den Naturgewalten
So, nach drei oder vier wundervollen Tagen ist es wieder mal an der Zeit, dass ich mich melde. Ich bin irgendwie in Leon haengen geblieben, habe aber die feste Absicht, morgen nach Granada weiter zu fahren. Und das kam so: Anfang der Woche habe ich meinen Plan, an den Strand zu fahren, erst mal ueber den Haufen geworfen, weil ich irgendwie so unmotiviert war. Statt dessen habe ich nachmittags an einer "History and Revolution"-Stadtfuehrung teilgenommen, bei der ein ausgewanderter Hollaender mich und zwei Maedels aus Norwegen drei Stunden lang in einem halb auseinder fallenden Jeep in und um Leon herum gefahren und uns allerlei Dinge ueber die Geschichte der Stadt erzaehlt. War interessant, vor allem weil ich irgendwann ein Aha-Erlebnis hatte und mich an einige Dinge erinnern konnte, die ich schon mal in einem Seminar ueber Nicaragua vor ein paar Jahren aufgeschnappt hatte. Ausserdem habe ich mich entschieden, nicht die 1 1/2-Tageswanderung zu machen, sondern am "Full Moon Hike" Teilzunehmen, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch statt finden sollte. Am naechsten Tag (Dienstag) bin ich dann aber wirklich zum Strand gefahren, allerdings nur fuer einen Tag. Nach einer guten Stunde Fahrt im Chicken-Bus auf einer 20 km langen Schotterpiste, die gerade rundum erneuert wurde, habe ich mich ein bisschen geaergert, dass ich nicht schon am Montag aufgerafft hatte, denn, tadaaa: Ich habe meinen Traumstrand gefunden! Der Strand besteht aus richtigem Sand, ist sowohl breit als auch sehr lang, sauber, und vor allem fast menschenleer. Einziges Manko: Die Wellen, denn die sind, da am Pazifik gelegen, so gewaltig, dass es mir mehrmals fast die Bikini-Hose vom Koerper gerissen hat und ich einmal von einer Welle so hart auf den Strand geschleudert wurde, dass ich nun eine Schuerfwunde am Popo habe. Autsch! Leider kann ich euch keine Fotos zeigen, da ich meine Einweg-Kamera dabei hatte ;-)
Am spaeten Nachmittag bin ich zurueck nach Leon, denn ich musste noch ein paar Dinge vorbereiten fuer die Vulkanbesteigung im Vollmond. Organisiert wurde die Tour von einem Reisebuero, das als 100 prozentige Non-Profit-Organization funktioniert: Die Guides sind Freiwillige aus aller Welt, die Ausruestung besteht aus Spenden und die Erloese gehen an Strassenkinder in Nicaragua. Um 22 Uhr haben sich die ueber 30 Wanderwilligen im Buero von Quetzaltrekkers, so heisst die Organisation, versammelt, um Essen zu verteilen. Jeder musste 4 1/2 Liter Wasser einpacken, plus Zutaten fuer das Fruehstueck, das auf dem Berg zubereitet werden sollte und kleinerer Snacks fuer zwischendurch. Nach einem Abendessen wurden wir dann zum Fuss des Berges gefahren, und gegen 23:30 ging die Wanderung los. Die meiste Zeit sind wir auf Feldern oder vertrocknetem Gras gegangen, und der Vollmond war so hell, dass man keine Taschenlampe brauchte. Nur wenn wir durchs Gebuesch mussten, war ich froh, dass ich mir den Weg leuchten konnte. Steine und Wurzeln auf dem Weg sind dann doch mal stoerend, vor allem, wenn man ohnehin muede ist und ein bisschen vor sich hin stolpert. Gegen 4:30 Uhr morgens hatten wir dann den Fuss des Kraters erreicht. Der Blick auf den vom Mond beschienenen rauchenden Krater, mit dem Mond darueber, gehoert definitiv zu den Highlights dieser Reise. Die Fotos sind leider nichts geworden, zu dunkel. Vom Fuss des Kraters war es noch einmal eine halbe Stunde Kraxeln uebers Vulkangestein bis zum Kraterrand. Wir konnten, auf den Steinen liegend, ueber den Rand in den Krater hinein gucken, wo man allerdings keine Lava, sondern bloss den Rauch sehen (und riechen!) konnte. Hoert sich gefaehrlich an, ist es aber nicht, denn der Vulkan erodiert nur alle fuenf oder sechs Jahre und die Kraterwand ist senkrecht und nicht etwa gebogen, so dass der Rand nicht abbrechen kann, wenn man drauf liegt. Und das ganze sah dann so aus:



Beim Hochklettern mussten wir uns ganz schoen beeilen, denn wir wollten natuerlich den Sonnenaufgang ueber den anderen Vulkanen beobachten. Anschliessend gab es Fruehstueck (mit Kaffee vom Lagerfeuer, so ein Glueck!), waehrend dem wir den von der aufgehenden Sonne beschienenen Vulkan im Blick hatten. Schoen!



Spaeter haben wir uns dann wieder auf den Abstieg begeben; das war der Zeitpunkt, an dem ich angefangen habe, die Kletterei zu verfluchen. Sobald die Sonne aufgegangen ist wird es hier naemlich verdammt heiss, und der Abstieg ist nicht unbedingt leichter als der Aufstieg. Man ist muede, schwitzt tierisch, und hinzu kommt der extrem staubige Boden und der Wind, der einem den aufgewirbelten Staub des Vordermanns oder der Vorderfrau so richtig fies in Augen (trotz ueberdimensionaler Sonnenbrille), Ohren, Nase und zwischen die Zaehne weht. Zum Schluss sahen wir alle aus, als waeren wir von einer dreitaegigen Expedition ins Innere von irgendwelchen Bergen zurueckgekehrt. Gegen 12 waren wir dann in einem kleinen Dorf, wo wir zu Mittag gegessen haben, anschliessend sind wir mit dem Chicken-Bus zurueck nach Leon, wo ich im Hostel die beste Dusche meines Lebens genossen habe. Puh! Am Rest des Tages hab ich nicht mehr viel gemacht, ausser mich auszuruhen, und um lag ich im Bett - fuer die naechsten zwoelf Stunden.
Da ich heute zum Vulcano-Boarding gehen werde (davon im naechsten Bericht mehr) hatte ich gestern (Donnerstag) einen freien Tag zu fuellen, und habe mich entschlossen, nochmal zum Strand zu fahren. Die Hin- und Rueckfahrt kostet zusammen einen Euro, da kann man sich das schon mal erlauben. Diesmal war ich nicht die Einzige, und so haben sich Jordan (New York), Jeff, James und xyz (Namen vergessen, alle aus Vancouver, Kanada) und Laura und Anna (Daenemark) an mich dran gehaengt. Das war eine nette Truppe, amusiert hat mich, dass vorher vor allem die Jungs ein bisschen ueber mich gelacht haben, als ich von den heftigen Wellen erzaehlt habe, und Jeff sich ein Surfboard mieten wollte, aber als wir dann am Strand standen haben ploetzlich alle ganz still in die Wellen gestarrt und von Surfen war keine Rede mehr. Hihi. Wir haben ein bisschen geplanscht, ein Bier getrunken, was gegessen und in der Sonne gebrutzelt, und am Abend sind wir wieder zurueck - da wir in einer grossen Gruppe unterwegs waren, war das kein Problem. Heute sind, glaube ich, alle von der Truppe beim Volcano-Boarding dabei, das wird bestimmt lustig. Und morgen fahre ich dann mit Jordan weiter nach Granada. Wir muessen zwar in Managua umsteigen, und nach meinen Tegucigalpa-Erfahrungen und allem, was ich ueber Managua gehoert habe, finde ich das gar nicht lustig, aber einen Typen dabei zu haben (wenn auch einen ziemlich schmaechtigen) ist auf jeden Fall besser, als alleine unterwegs zu sein. Also, wuenscht mir Glueck, heute und morgen! Fortsetzung folgt...

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Montag, 9. März 2009
Wieder gut
So, das Loch scheint ueberwunden. Ich befinde mich einer echt netten Stadt, in einem Luxus-Hostel (kostet zwar 6 Dollar pro Nacht, ist aber ziemlich sauber (vor allem die Kueche), mit vielen Sitz- und Liegemoeglichkeiten in Schaukelstuehlen und Haengematte, einem winzogen Pool, der angeblich seit drei Tagen gefuelllt wird inklusive einer daneben im Gebuesch wohnenden Schildkroete und die einzigen Mankos sind, dass ein paar zu viele Deutsche hier herumspringen und dass in meinem Zimmer nur Freaks wohnen, die auch gerne Mal Liegestuetzen machen, wenn man den Raum betritt (ein Israeli) oder im Zimmer Fussball spielen (drei Englaender), und dass der Billardtisch und der Fernseher ein bisschen zu viel Gedoens sind). Und natuerlich habe ich hier eine mir eher unsympathische Schweizerin und Zohar, die Israelin, von Utila wieder getroffen... Das Hostel ist ziemlich auf Oeko gemacht, von meinem Geld geht ein Teil an irgendein Baum-Projekt und ueber den Waschbecken haengt ein Schild, das sagt, dass, waehrend das Wasser fliesst, ein Mangobaum bewaessert wird. Ob die Fruechte dann wohl nach Zahnpasta schmecken?!
Ich habe heute erst mal geschlafen wie ein Baby (ungefaehr von 10 bis 8, das tat gut), mir dann Fruehstueck gemacht und bin schon dabei so in Schweiss geraten, dass ich direkt wieder haette duschen koennen. Nach eim bisschen Ausruhen habe ich mir Leon angeschaut, die Stadt mit den meisten barocken Kirchen in Nicaragua und waehrend der Revolution in den 70ern Ort heftiger Gefechte. Die Kathedrale im Zentrum der Stadt ist ziemlich beeindruckend, angeblich wurde sie von einem guatemalischen Architekten fuer Lima geplant, und dann wurden aus Versehen die Plaene vertauscht und die Kathedrale steht nun, ein bisschen ueberdimensional, in Leon.



Die Stadt ist sehr nett, mit vielen bunten Haeusern, aber etwas verfallener und schmutziger als vergleichbare Staedte in Mexiko oder Guatemala. Und auch die Stromleitungen sehen irgendwie anders aus:



Da heute Sonntag war, war es insgesamt sehr ruhig, die meisten Laeden und Cafes waren geschlossen, was uebrigens bisher in allen anderen Laendern anders war. Was mich ein bisschen an Oaxaca und San Cristobal erinnert, sind die vielen politischen Sprueche und Graffitis, die man auf Plakaten und Waenden sieht. Interessant. Ich fuehle mich bisher nicht unsicherer als in Guatemala und etwas sicherer als in Honduras. Es gab bloss einen Zwischenfall: Als ich weitgehend alleine eine Strasse entlang gegangen bin, kam mir ein etwa zwoelfjaehriger Junge entgegen, der, als er mich gesehen hat, anfing zu taumeln und mit Blick auf die Wasserflasche in meiner Hand meinte, "ich will Wasser" oder so, und gleichzeitig versuchte, mit der anderen Hand meine Tasche zu schnappen. Er hat sich aber echt doof angestellt und vor allem konnte ich ihm schon zehn Meter vorher ansehen, dass er was voratte, und so bin ich ihm einfach ausgewichen und habe ganz laut irgendetwas (auf Englisch?!) zu ihm gesagt. Wir beide sind dann, in entgegengesetzte Richtungen, weitergegangen und als ich zurueck geblickt hab, konnte ich sehen, wie der Typ von einem Wachmann, der ein paar Haeuser weiter vor einer Bank gestanden hatte, ausgeschimpft wurde. Hihi.
Obwol es mir hier ganz gut gefaellt, werde ich morgen wahrscheinlich fuer zwei Tage an die Pazifik-Kueste fahren, und dann am Mittwoch Nachmittag zurueck kommen, um am Donnerstag frueh morgens auf eine 1 1/2-taegige Wandertour zu einem Vulkan zu gehen. Und dann kann ich mir Freitags nachmittags Leon nochmal mit offenen Geschaeften anschauen. Da ich mich mittlerweile damit abgefunden habe, dass ich fuer (das ohnehin extrem teure) Costa Rica wahrscheinlich gar keine Zeit mehr uebrig haben werde, kann ich nun alles ein bisschen ruhiger angehen lassen. Fortsetzung folgt...

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Samstag, 7. März 2009
Von wegen Banana-Republic
Oh Man, ich bin ein bisschen durch die Hoelle gegangen in den letzten Tagen. Naja, das ist etwas uebertrieben. Aber von Anfang an: In Tela hat es mir ganz gut gefallen, und so bin ich noch einen Tag laenger und nicht nur zum Umsteigen geblieben. Die Stadt hat nichts besonderes, aber gerade deshalb fand ich es ganz gut. Es waren angenehm wenig Touristen unterwegs, und ich vermute, das war einfach mal ein Stueck richtiges Honduras. Zwar war dasWetter (ungewoehnlich fuer diese Jahreszeit, wie mir versichert wurde) immer noch schlecht, und der Sturm, den wir auf Utila hatten und der die Wasserversorgung des Hostelsin Tela lahmgelegt hat, war wohl ein Hurricane. Aber im Hostel hab ich mich ganz wohl gefuehlt, war auch nicht so teuer, und in der Stadt hab ich ein Buero aufgetrieben, das Touren veranstaltet. Und so habe ich mich am naechsten Tag mit einem kanadischen Paerchen und unserem Guide in einen Nationalpark zum Kayak fahren in den Mangrovenwaeldern aufgemacht, und zum Voegel, Krokodile und Affen gucken. Das war zumindest der Plan, wegen des schlechten Wetters - zwischendruch hat es sogar ein bisschen geregnet - haben wir nur Voegel und Schmetterlinge zu Gesicht bekommen.



Nach der Kayak-Tour haben wir ein Garifuna-Dorf angeschaut. In diesen Doerfern leben hauptsaechlich Abkoemmlinge von frueher geflohenen Sklaven, und traditionell leben die meisten Leute dort von der Fischerei. Anschliessend haben wir uns an einem einsamen und ziemlich sauberen (!)Strand lang gemacht, und puenktlich zum Sonnen baden kam dann die Sonne raus. Ich habe ein bisschen im Meer geplanscht (schwimmen war wegen der Wellen kaum moeglich) und mir einen Sonnenbrand geholt und spaeter bekam Mark, der Guide (auf dem Foto hinter mir), einen Anruf, dass seine Frau gerade einen Sohn bekommen hat. Schoen. Wieder zurueck in Tela bin ich beim Herumspazieren auf Strassen-Schmuck-Verkaeufer gestossen, denen ich bloss eine Frage stellen wollte und mit denen ich mich dann lange unterhalten hab. Und dann hab ich mir noch den Sonenuntergang angeschaut:



Eine Anekdote kann ich noch zum besten geben: Ich bin an meinem ersten Tela-Tag zum Busterminal gefahren, um mir eine Karte zu reservieren, die ich dann ja nicht in Anspruchgenommen habe. Also musste ich am naechsten Tag nochmal los, und lustigerweise kam da gerade der gleiche Taxifahrer vorbei, der mich am Tag zuvor zum Terminal gebracht hatte und mit dem ich mich nett unterhalten hatte. Und so haben wir verabredet, dass er mich am naechsten Tag ebenfalls abholen und zum Bus bringen sollte. Man trifftalso nicht nur immer die gleichen Reisenden wieder, sondern auch Einheimische :-)

Mit der Reise am naechsten Tag fing dan aber auch das Unglueck an. Als ich frueh morgens in den Bus nach Tegucigalpa gestiegen bin, gatte ich noch die vage Hoffnung, in derHauptstadt doch nur umsteigen zu koennen und ein bisschen weiter Richtung Grenze fahren zu koennen. Da der Bus aber Verspaetung hatte, war das nicht mehr moeglich. Bei der Einfahrt nach Tegucigalpa sind wie ewig lang durchSlums gefahren, schlimmer als in Mexico-Stadt, und zum ersten Mal hab ich mir andere Touristen herbei gewuenscht (im Bus waren zwar zwei Maedels aus den USA, zwei Bibellehrerinnen, die aber bei Freunden in einem Zeugen-Jehovas-Center unterkommen wollten. Und so verzweifelt war ich zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht...). Am Busbahnhof hab ich einen Wachman gefragt, ob die Taxis sicher seien, und er meinte, "dieses Taxi dort nicht", und ich solle warten, er werde mir ein sicheres besorgen. Anscheinend hat er mich zu seinem Kumpel verschleppt, denn dessen Taxi sah genauso aus wie alle anderen, mit Nummer und so. Der Fahrer hat mich gefragt, wo es hingehen soll, ich hab ihm das HOstel genannt, und er musste sich erst mal bei seinen Kollegen erkundigen, wie er dorthin kommt. Ok, ich dachte mir, wenn er sich erkundigt, heisst das wenisgtens,dass er die Absicht hat, mich wirklich dorthin zu fahren. Im Taxi war noch ein anderer Typ, lustigerweise der, neben dem ich im Bus gesessen hatte, den mussten wir erst mal am anderen Ende der Stadt abliefern. Und dann ging mein Martyrium los. Wir sind eine weitere Stunde durch die Stadt gefahren, weil der Mensch einfach nicht das Hostel (direkt neben einer grossen Kirche!) gefunden hat. Und gefahren heisst: Wahlweise gerast, geruckelt und geschlichen, und gerne auch mal in der falschen Richtung in Einbahnstrassen rein. Irgendwann hatte ich das Gefuehl, ich wusste anhand meines Stadtplans besser als er, wo wir waren, und habe ihn versucht, zu dirigeiren. Das fand er aber nicht so lustig und hat mich ignoriert. Ueberhaupot war er extrem unfreundlich,hat auf meine Fragen kaum geantwortet und sich nicht bemueht, langsam zu sprechen. Als ich dann verlangt hab, auszusteigen, hat es weitere fuenf ;Minuten gedauert, bis er tatsaechlich angehalten hat, und hierfuer musste ich auch echt boese werden. Als er dann angeboten hat, mich am naechsten Tag zum Bus zu bringen, hab ich nicht mal mehr ein muedes Laecheln uebrig gehabt. Ich bin dan ins naechstbeste HOstel gestolpert, das war auch ok, und dort mussteich erst mal runterkommen. Hoert sich alles nicht so schlimm an, aber Tegucigalpa hat auf mich keinen freundlicheeren Eindruck gemacht als Guatemala-City, durch das ich ja nur durchgefahren bin, und es war echt kein schoenes Gefuehl, dort verloren zu sein mit einem unfreundlichen Menschen, der keine Ahnung hat, wo er sich befindet. Da ich mich nicht besonders wohl gefuehlthabe, bin ich nur in der Einkaufszone bis zum Parque Central gelaufen, und abends habe ich in einer Bar mit Livemusik (50er-Jahre-Rock'nRoll, ganz witzig) etwas gegessen, wo ich wieder die einnzige Touristin war.Das war ok.

Am naechsten Tag bin ich dann sehr frueh weiter zum Bus. HIer haben in der Regel alle Busgesellschaften eigene Busterminals in den unterschiedlichsten Teilen der Stadt, deswegen ist das Umsteigen auch so kompliziert. Bin dann letztwendlich mit einer anderen Gesellschaft gefahren, als ich wollte, ging aber schneller. Einmal musste ich umsteigen (da wurdeich einen hoffnungslos ueberladenen Minibus gepfercht, das war lustig), und an der Grenze hat mich was erwartet, das hab eich so krass noch nie erlebt, nicht mal in Indien: Als der Minibusin die Grenzzone gefahren kam, haben saemtliche Geldwechsler und Menschern, die ihre HIlfe fuer das Migration-Prozedere angeboten haben, mich als einzige Touristin ausgemacht und noch waehrend der Fahrt durchs offene Fenster an meinem Arm gezerrt und mich bedraengt. Kaum stand der Bus,ist ein Typ aufs Dach geklettert und hat sich meinen Rucksack geschnappt und auf sein Fahrrad verfrachtet, und da bin ich ploetzlich, trotz Muedigkeit, ganz schnell geworden. Da ich gelesen hatte, man soll ruhig dort Geld wechseln und sich bei den Formalitaeten helfen lassen, habe ich mich vermutlich gleich zwei Mal uebers Ohr hauen lassen. Einmal beim Geldwechseln, wo ich, wie ich im Nachhinein bemerkt habe, eine andere Rate bekommern habe als der Typ mir vorher gesagt hat, und dann beim helfen:Da haben mich zwei Typen auf nem Rad zur Migration gekarrt, und von dort etwa 300 Meter ueber eine Bruecke, und von dort noch mal 200 Meter zum Bus. Habe wohlweioslich vorher gefragt, wieviel das kosten sollte (150 Cordobas, etwa 7 Euro), und als wir beim Bus waren wollten sie ploietzlich 400 bzw. 25 Dollar haben. Warum auch immer, ich hatrte keine Zeit zu diskutieren, weil der BUs schon im Fahren inbegriffen war, und habeihnen die 25 Dollar in die Hand gedrueckt, da ich die wenigen eingetauschten Cordobas noch fuer die Weiterfahrt brauchte. Mann, hab ich mich geaergert. Mit Honudras hab ich echt abgeschlossen, ich hatte wirklich den Eindruck (und bin nicht die einzige, wie ich festgestellt habe), dass die Menschen dort - mit einigen Ausnahmen - viel weniger hilfsbereitund freundlich sind als in Guatemala. Den Eindruck der Bananen-Rebublik kann ich zumindest nicht bestaetigen...

Nach weiteren drei bis vier Stunden Fahrt (Hitze und Staub) und noch zwei Mal umsteigen bin ich jetzt in der extremen Hitze in Leon in Nicargua gelandet. Ich kann noch nicht einschaetzen, wie lange ich hier bleiben werde, drei Naechte werden es aber bestimmt. Ich hatte direkt den Eindruck, dass die Leute hier besser gelaunt und hilfsbereiter sind als in Honduras, aber mal abwarten, ob sich das bestaetigt. Das Hostel, in dem ich schlafe, hat auch eine Kueche, und ein paar Strassen weiter gibt es einen riesigen Supermarkt, den ich jetzt erst mal aufsuchen und werde. Und dann goenne ich mir irgendwo einen Frucht-Milchshake...

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Donnerstag, 5. März 2009
Fluch der Karibik
Puh, da bin ich wieder. Irgendwie bin ich jetzt doch ein bisschen in der dritten Welt gelandet. Der Grenzuebergang von Guatemala nach Honduras ist problemlos verlaufen, die Fahrt war auch ok, da ausser mir nur zwei Amerikanerinnen (bzw. eine davon urspruenglich aus Ungarn) im Minibus waren und so jede eine Bank fuer sich hatte. Zehn Minuten hinter der Grenze war auch schon Copan, ein erstaunlich nettes (und entspanntes, wie ihr auf dem Foto sehen koennt) Staedtchen, dessen wichtigste (und einzige) Attraktion die nahe gelegenen Maya-Ruinen sind, die den suedlichsten Punkt des Maya-Reichs markieren.



Die habe ich mir allerdings nicht angeschaut, um Geld zu sparen und da ich der Meinung bin, dass Tikal sowieso nicht getoppt werden kann. Mit meinen beiden Mitfahrerinnen bin ich in einem netten Hostel gelandet, und waehrend die beiden am naechsten Tag zu den Ruinen gegangen sind, habe ich ein interaktives Maya-Museum fuer Kinder besucht und eine weitere Kaffee-Tour unternommen. Das Museum war guenstig und toll, ich kann jetzt zum Beispiel auf Maya die Zahlen bis 19 und meinen Geburtstag schreiben und einige Goetter erkennen ;-) Die Kaffee-Tour war auch gut (wenn auch saftig im Preis), ich bin mit vier Seniorinnen und Senioren aus England und Kanada und einem hoechst seltsamen Guide ("I wanted to tell you something important, but I don`t remember...") durch den Urwald gestiefelt und konnte diesmal auch ein traditionelles Essen mit anschliessendem Kaffee-Tasting geniessen und sehen, wie die Bohnen gewaschen, sortiert und vor allem geroestet werden. Schade, dass man den Duft nicht auf dem Foto festhalten kann... Auf dem Foto seht ihr micuf noch ungeroesteten Kaffee-Bohnen, die zum Trocknen in der Sonne liegen.



Und dann fing das Chaos an. Nach meiner zweiten Nacht in Copan bin ich frueh morgens um 5:30 (so viel zum Thema Urlaub) zum Bus gestiefelt. Das Ticket hatte ich, mit Schwierigkeiten, am Tag zuvor erstanden. Ich wollte nicht mit dem 1.-Klasse-Bus fahren, der drei Mal so teuer und auch nicht viel schneller ist als die immer noch recht komfortable 2. Klasse. Als ich in das Buero der Busgesellschaft kam, standen dort zwei Japaner verloren herum, der Ticketverkaeufer sass an einem Tisch und schrieb ziemlich unkonzentriert die Daten auf die Bustickets, neben ihm stand eine alte Frau die im Zeitlupentempo das Geld einsammelte und das Wechselgeld falsch herausgab, weil sie nicht verstanden hatte, wofuer man bezahlen wollte. Hatte man Fragen, hat ein noch aelterer Mann, der auf einer Couch in der Ecke sass, laut seine Meinung kund getan und mit dem Ticketverkaeufer ueber Fahrplaene und Buslinien diskutiert. Als dann noch ein amerikanisches Paerchen reinkam, die nur eine Frage hatten und den Ticketverkaeufer dabei unterbrachen, mir meine Fahrkarte auszustellen, war das Chaos perfekt. Der Plan lautete schliesslich so: Abfahrt in Copan um sechs, Umsteigen in San Pedro Sula um neun, Ankunft in La Ceiba an der Kueste gegen eins, genug Zeit, um die Faehre nach Utila um vier zu erwischen. Klar, die Plaene hier kann man eh nicht ernst nehmen, und so hatte der Bus in San Pedro eine halbe Stunde Verspaetung (ok, es gab eine Passkontrolle vom Militaer zwischendruch, das war seltsam: Alle Maenner mussten aussteigen und die Frauen und Kinder sollten im Bus bleiben. Gut, dass ich meinen Ausweis nicht im grossen Rucksack hatte, als der finster drein blickende Militaermann den Bus durchsucht hat), dort eine Stunde Aufenthalt, Ankunft in La Ceiba war dann um kurz nach drei, am Busbahnhof habe ich dann eine Israelin kennen gelernt, die auch nach Utila wollte, wir mussten ein Taxi zum Bootanleger nehmen und haben dort zum Glueck noch Tickets bekommen. Bei der Ankunft auf Utila nach eineinhalb Stunden unruhiger Bootsfahrt wurden wir von lauter Hostel- und Tauchschulen-Abgesandten umschaermt und da wir beide voellig k.o. waren nach beinahe 12 Stunden Reise haben wir vom Plan abgesehen, ein Hostel abseits des Dorfs anzuschauen und das erstbeste Hostel genommen, das uns angeboten wurde. Das war: billig, schmutzig und die bisher ekligste Unterkunft, die ich hatte. Der Name "Tropical Hostel" oder so hat voll gepasst. Willkommen in der Karibik!
Und damit ihr euch keine falschen Vorstellungen macht: Karibik, das heisst in diesem Fall: Keine weissen Straende, kein tuerkisblaues Wasser, Palmen, ok, aber vor allem: Schlechtes Wetter! Es war ziemlich kalt, windig und ein bisschen feucht, und in der Nacht gab es einen ueblen Sturm und richtig viel Regen. Und auch in den naechten Tagen hat die Sonne nur fuer wenige Minuten hinter der dichten Wolkendecke hervorgelugt. Morgens haben wir erstmal erfahren, dass die Faehre nicht mehr faehrt (ich habe gedacht, wegen des schlechten Wetters). So sassen alle auf der Insel fest und natuerlich konnten auch keine neuen Touristen auf die Insel kommen. Wegen des schlechten Wetters sind wir dann auch nicht tauchen (Zohar) oder schnorcheln (ich) gegangen, sondern auf die andere Seite der Insel gewandert, um den hoechsten Punkt der Insel, den Pumpkin Hill - ganze 74 Meter hoch - zu erklimmen. War keine ganz schlaue Idee, weil der Weg zum groessten Teil aus Pfuetzen bestand und Zohar bloss Flip Flops anhatte. Auf der Suche nach dem Weg auf den Berg haben wir ausserdem ein Privatgrundstueck mit zwei klaeffenden Hunden inlkusive Stacheldrahtzaun ueberquert, was auch eher unangenehm war. Lustig war allerdings der Moment, als ich die Spitze erreichte: Im gleichen Moment kam von der anderen Seite ein ein Rad schiebender Israeli auf die Spitze (der hatte offenbar den richtigen Weg gefunden), den ich schon mal in Guatemala getroffen hatte. Mitten in der Einoede, das hatte schon was. Es war aber verdammt windig und kalt und so haben wir drei den Ausblick ueber Utila nur kurz genossen und sind dann wieder runter zum Nord"strand" der Insel - oder sollte ich lieber Muellkippe sagen...



Abends wurde uns gesagt, dass die Faehre tatsaechlich nicht mehr faehrt, weil sie kaputt ist und repariert werden muss, was etwa drei bis vier Tage dauern sollte. Deswegen habe ich mich entschieden, trotz des ekligen Hostels noch eine Nacht laenger zu bleiben und am naechsten Tag mit den Tauchern aufs Boot zu gehen und zu schnorcheln. Das habe ich auch gemacht, es war allerdings nicht so beeindruckend wie erwartet. Utila ist halt eher ein Tauch- und kein Schnorchel-Paradies, und so habe ich zwar endlich das ersehnte tuerkisfarbene Wasser und einige bunte Fische gesehen, aber laengst nicht so viele wie damals in Malaysia. Ausserdem war es eisig kalt, im Wasser fast noch waemer als im Boot, wenn man sich richtig viel bewegt hat, was man beim Schnorcheln ja eher nicht tut. Die Sonne ist nur einen kurzen Augenblickherausgekommen:



Mein Pacaya-Schnupfen war gerade abgeklungen, jetzt habe ich einen Schnorchel-Schnupfen. Als wir durchgefroren wieder an Land waren, war die Geruechtekueche in vollem Gange. Angeblich gebe es ein langsames Lebensmittel-Boot, das ausnahmsweise Leute von der Insel aufs Festland mitnehmen wuerde, ausserdem wuerde sich am naechsten tag eine spanische Reisegruppe ein eigenes Boot mieten, um rechtzeitig den Flieger zu erwischen, und dort gebe es noch ein paar freie Plaetze, und und und. Eine Info lautete aber auch, am naechsten Morgen solle eine Ersatzfaehre bereit gestellt werden, oder eher: Ein Ersatzboot. Das hat mir Hoffnung gemacht (wenn auch nicht viel).
Etwas lustiges ist aber auch passiert: An unserem zweiten Abend sassen Zohar und ichbeim Abendessen, als ploetzlich eine Kanadierin an unseren Tisch kam, die Zohar im Restaurant gesehen hatte, die sie von Copan her kannte. Ich kannte die Kanadierin (und ihren belgischen Freund) allerdings ebenfalls, und zwar vom Hostel in Semuc Champey in Guatemala. Interessante Dreiecksgeschichte, und so sind wir am naechsten Abend mit den beiden essen gegangen - und mit einer ganzen Menge anderer bunt durchmischter englisch sprechender Menschen aus dem Hostel des Paerchens. In einer Gruppe von elf Leuten in einem Restaurant namens "Munche's" - hoert sich schrecklich an, war es aber nicht.
Heute frueh bin ich dann mit meinen Siebensachen hoffnungsvoll zum Dock gestiefelt, und siehe da: Die Ersatzfaehre kam tatsaechlich. So konnte ich die Insel verlassen, wenn auch nicht um 6:20 in eineinhalb Stunden, sondern eine Stunde spaeter in drei Stunden. Es hat so stark geschwankt, dass ich tatsaechlich glaube, dass die Faehre bloss ein Flussboot war, und zum ersten Mal auf der ganzen Reise ist mir zum Kotzen schlecht geworden. Mit der Verspaetung ist auch mein Plan gestorben, noch heute in die Hauptstadt Tegucigalpa weiter zu fahren, um morgen nach Nicaragua durchzustarten. Erst wollte ich in La Ceiba bleiben, aber dort war es gar nicht schoen und das vom Reisefuehrer empfohlene Hostel hat sich als verfallenes Loch herausgestellt. Freundlicherweise hat mich der Taxifahrer kostenlos zur Busstation zurueck gefahren, wo ich mich dann ploetlich in einem Chicken Bus (ihr erinnert euch, die gelben Schulbusse) mit lauter Musik, ausschliesslich Einheimischen und Maiskolbenverkaeuferinnen (mhmmm, lecker) nach Tela fand, einer zwei Stunden entfernten Kuestenstadt, die schon ein bisschen in Richtung Tegucigalpa liegt. Von hier wollte ich eigentlich morgen frueh nach Tegu weiterfahren, aber nach einem Blick in die Gegend werde ich vielleicht noch einen Tag laenger bleiben, auch wenn ich auch hier wieder abenteuerlich (aber wenigstens sauber) untergekommen bin: Wegen des Sturms vor zwei Tagen funktioniert kein Licht im Hostel und das Wasser laeuft nur im Waschbecken und im Garten, nicht aber in Klo und Dusche. Darf mich beim Duschen also mit einem Eimer uebergiessen... Naja, bald kann mich nichts mehr schocken und so langsam freu ich mich wieder auf Deutschland :-)

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Freitag, 27. Februar 2009
Unverhofft kommt oft
Da bin ich gestern wieder in Antigua gelandet, und morgen Mittag geht es weiter nach Copan in Honduras. War echt nett, wieder hierher zu kommen, an einen Ort, der mal nicht ganz fremd ist. Es ist echt schoen hier, wenn es auch heute furchtbar heiss und ich ein bisschen neben der Spur war, wegen dem Dauerschnupfen (mittlerweile denke ich, es ist Heuschnupfen?) und weil ich gestern Abend mit einem Oesterreicher unterwegs war, erst den Film "Der Drachenlaeufer" auf arabisch mit spanischem und englischem Untertitel gucken (!) und dann noch was trinken in einer winzigen, aber grandiosen Bar mit dem Namen "Cafe no se" (Cafe ich weiss nicht), auf dessen Getraenkekarten so lustige Hinweise wie "We don't serve fucking Mojitos" standen und Schilder mit "No smoking (sad but true)" an den Waenden. Hat Spass gemacht. Zurueck im Hostel habe ich wahrscheinlich den Hass aller Zimmerkameraden auf mich gezogen, als ich in der Dunkelheit (natuerlich im Bemuehen, leise zu sein) erst gegen einen Rucksack geknallt bin, anschliessend irrtuemlich zwei Mal irgendwelche fremden Fuesse in der Hand hatte, weil ich dachte, ich sei schon an meinem Bett angekommen, und schliesslich ziemlich lange mit der Taschenlampe herumgeleuchtet hab, weil ich nachmittags meinen Rucksack auf der Suche nach irgendetwas auf meinem Bett ausgeleert hatte und den ganzen Kram erst mal runter raeumen musste. Aber naja, das passiert, und ich musste auch schon einige ruecksichtslose "Beischlaefer" ertragen...

Vor der Fahrt zurueck nach Antigua bin ich gestern Morgen auf die besagte Kaffeetour gegangen. Die war anders als erwartet. Ich war der einzige Gast und hatte somit einen persoenlichen Guide, Jose, der mich durch die Berge oberhalb von San Pedro gefuehrt und mir erklaert hat, wann die Kaffeepflanzen geerntet werden koennen (wenn sie rot sind, wie auf dem Bild).



Ich durfte selbst eine Beere pfluecken und reinbeissen um die beiden Bohnen freizulegen, und der schwierige Part war, die Schale um die Bohne ebenfalls zu entfernen. Denn der gute Kaffee, der nach Europa und in die USA geht, ist der ohne Schale. Das sieht dann so aus:



Inhaltlich war das aber auch schon mehr oder weniger das Ende der Tour. Ich hatt erwartet, dass wir auch eine Finca besuchen und sehen, wie der Kaffee geroestet wird, inklusive einer Verkostung natuerlich, aber das stand offensichtlich nicht auf dem Programm. Ich habe noch etwas darueber erfahren, wie lange die Kaffeepflanzen brauchen, um gross zu werden, welcher Kaffee in welcher Lage wie schmeckt und dass auf den Plantagen nicht nur Kaffeepflanzen, sondern auch Avocado-Baeume stehen, damit keine Monokultur mit negativen Folgen fuer die Umwelt entsteht. Naja, ein bisschen enttaeuscht war ich schon, aber andererseits war es nett, durch die Berge zu wandern (laut Jose auf einem Pfad, auf dem schon Che Guevara gewandelt ist...) und nicht in einer Gruppe mit einem Auto irgendwo hingefahren zu werden. Aussderdem sollte die Tour urspruenglich auf Englisch sein, war dann aber fast komplett auf Spanisch (stolz), und als Jose nichts mehr ueber den Kaffee zu erzaehlen wusste haben wir uns ueber alles andere moegliche unterhalten. Das verbuche ich unter "in die Kultur hineingeschnuppert", und das war wesentlich angenehmer, als mein Zusammenstoss mit der lateinamerikanischen (wohl eher nicht guatemalischen Kultur) von vorgestern:
Da bin ich, auf der verzweifelten Suche nach einem Kaffee, in eine Kneipe gestolpert, in der lateinamerikanische Musik lief und in der ausser dem Barmann - niemand war. Man hat sich, wie das hier oft ueblich ist, gegenseitig vorgestellt (wie heisst du, wo kommst du her...), ich habe meinen Kaffee geordert und dann meinte der gute Mensch, er muesse mir Salsa beibringen. Eine solche unheimliche Begebenheit hat sich schon mal zugetragen, als ich im Hostel in Mexiko-Stadt abends nach dem Essen ploetzlich von einem Typen, den ich noch nie vorher und nie wieder nachher gesehen habe, und der mindestens eineinhalb Koepfe kleiner war als ich, auf die tanzflaeche gezerrt und so doll herumgewirbelt wurde (eine bestimmte Schrittfolge konnte ich nicht ausmachen), dass mir - wie gesagt, nach dem Essen - schlecht geworden ist. Ich will natuerlich nicht den distanzierten Touristen geben, der nur Fotos schiesst und sich nicht wirklich fuer das Land und seine Leute interessiert, und so habe ich auch diesmal wieder gute Miene zum boesen Spiel gemacht und wieder einmal gemerkt, dass ich kein Talent zum Tanzen und erst recht kein Rythmus-Gefuehl besitze. Zum Glueck ist mir mein Capuccino eingefallen, der einsam auf der Theke vor sich hin abkuehlte, und so konnte ich mich der privaten Salsa-Stunde ohne groesseren Schaden entziehen. Puh!

Heute habe ich im Grossen und ganzen einen ruhigen Tag geschoben, Waesche waschen lassen, Internet, ein bisschen gelesen, das Projekt Selbstverpflegung weiter fortgesetzt, und, ihr ahnt es vielleicht schon: Esmeralda und Julietta, die beiden Argentinierinnen, die ich in Tikal aus den Augen verloren hatte, wieder getroffen. Zu guter Letzt schlafen wir heute nochmal im gleichen Schlafsaal, das ist wirklich lustig. Und jetzt gehe ich erst mal ins Bett, ich bin todmuede und kann mittlerweile auch bei Licht und Trubel um mich herum auch schon im neun Uhr abends schlafen. In diesem Sinne: Gute Nacht!

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