Julia unterwegs
Die weiße Stadt
Nach dem Brotbacken mit Liora war mein Samstag noch nicht vorbei, aber ich habe es abends nicht mehr geschafft, den zweiten Beitrag zu verfassen. Ich bin nämlich nachmittags nach Jaffa spaziert; der Weg führt am Meer entlang und dauert von meiner Wohnung aus eine Dreiviertelstunde.
Jaffa ist eine mehrheitlich arabische Stadt, mittlerweile mit Tel Aviv verwachsen und besteht aus zwei sehr unterschiedlichen Teilen. In der vergangenen Woche war ich bereits einmal kurz zum Falafel-Essen im neueren Viertel, das ein bisschen schmutzig und abgeranzt ist und mir durch die Horden von kleinen Jungs, die über die Straßen rennen, und große alte Autos, aus denen laute arabische Musik dröhnt, merkwürdigerweise das Gefühl vermittelt hat, mich mitten in Berlin-Neukölln zu befinden. Die Altstadt, in die ich mich dann gestern begeben habe, besteht schon seit mehr als 4.000 Jahren und gehört zu den ältesten Städten der Welt. Besonders der Hafen hat früher eine bedeutende Rolle gespielt, während er jetzt fast nur noch von heimischen Fischern und ein paar Ausflugsbooten genutzt wird.



So ziemlich alle Völker, die jemals an Eroberungen beteiligt waren und etwas auf sich hielten, haben früher oder später auch mal in Jaffa vorbeigeschaut: Jüdische Volksstämme, muslimische Volksstämme, Römer, Kreuzfahrer, Napoleon, das Osmanische Reich, und so weiter. Außerdem wurden an einigen Stellen archäologische Funde aus der Bronzezeit gemacht. Heute, wie gesagt, leben hauptsächlich israelische Araber hier, und an den Wochenenden ist die Altstadt ein Touristen-Magnet.
Ein Blick in die Stadt lohnt sich aber wirklich, es gibt dort ganz viele kleine Gässchen aus hellem Gestein (deshalb wird Jaffa auch als 'weiße Stadt' bezeichnet), die den Berg hinauf- oder hinunter führen, dazwischen kleine Goldschmiede- oder Malerateliers und viel versprechend duftende und vermutlich völlig überteuerte Restaurants und Cafés.





Das Wahrzeichen der Altstadt ist der Glockenturm, glaube ich. Er steht auf der Spitze Jaffas, und die dazugehörige Kirche sieht aus, als würde sie schon seit einigen Jahrhunderten den Ausblick aufs Mittelmeer genießen. Kurz darunter steht eine Moschee, von deren Turm pünktlich, als ich Jaffa wieder verlassen wollte, in der Abenddämmerung der Muezzin zu singen begann. Und weil ich finde, dass das Foto von Glockenturm und Minarett im Sonnenuntergang so schön friedlich aussieht, möchte ich es euch nicht vorenthalten

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hierunddort, Sonntag, 30. November 2008, 22:09
weiter so: ich freue mich immer mehr :)

juliaunterwegs, Mittwoch, 3. Dezember 2008, 22:03
Hi, finde es toll, dass ich beim Lesen deiner Berichte auf historischen Pfaden wandeln kann und die Orte so richtig lebendig werden. Das weckt allerdings die Sehnsucht, die Koffer zu
packen und ebenfalls nach Tel Aviv zu reisen. Zu doof, dass
man sich als Lehrer keinen Urlaub nehmen kann!!! Mein Chef
wird mir sicher keinen Sonderurlaub genehmigen. Schade, schade, schade!
a.d.