Die Reise nach Jerusalem
am Samstag, 13. Dezember 2008, 00:59 im Topic 'Israel'
Die Uli ist (leider) wieder weg und ich habe eine Menge zu erzählen. Zum Beispiel von unserer Reise nach Jerusalem. Dort sind wir am Freitag Abend mit einer Mitfahrgelegenheit, die gleichzeitig auch unsere erste Schlafgelegenheit war, nach Jerusalem gefahren. Elad, so hieß der nette Mensch, hat uns noch ein bisschen durch die Vorstadt kutschiert und uns die Präsidentenresidenz in seiner unmittelbaren Nachbarschaft gezeigt, aber da es schon dunkel und Uli um halb fünf morgens aufgestanden war, haben wir das Sightseeing für diesen Tag beendet, uns statt dessen bekochen lassen und einen gemütlichen Abend mit Elad und einem befreundeten Pärchen verbracht.
Am nächsten Tag haben wir uns dann aber nicht mehr geschont. Im Gegenteil. Es war zwar Shabbat, aber wegen der vielen Touristen und da große Teile der Altstadt arabisch oder auch christlich sind, war in Jerusalem die Hölle los. Wir haben uns mitten ins Gewühl gestürzt, uns trotz zweier Reiseführer inklusive Stadtplänen ständig verlaufen und es trotzdem geschafft, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen. Dazu gehörten natürlich die Klagemauer, die Grabeskirche, die Via Dolorosa (siehe Foto),

die verwinkelten Straßenzüge des arabischen Marktes, die St.-Annes-Church mit verfallenen Gebäuden aus der Römer- und der Kreuzfahrerzeit im Garten, und und und. Da wir uns wirklich oft verlaufen haben und immer mal wieder vor bewachten Absperrungen standen, durch die wir nicht durchgehen durften, haben wir nicht nur die berühmten Plätze gesehen, sondern auch andere Ecken der Altstadt, was sehr interessant und manchmal überraschend war. Im arabischen Teil sah das zum Beispiel so aus:

Am Ende des ersten Sightseeing-Marathons am Samstag haben wir dann sogar noch den Wettlauf gegen die sinkende Sonne gewonnen, als wir auf den Ölberg gehetzt sind, um noch ein paar typische Touri-Fotos vom Ausblick auf Jerusalem zu schießen. Wie man sieht, hat das so gerade noch geklappt, anschließend mussten wir dann aber auch erst mal eine Pause einlegen und haben einfach den Sonnenuntergang beobachtet und den Blick auf das beleuchtete Jerusalem genossen.

In den beiden folgenden Nächten sind wir in einer kommunistisch-zionistischen (?!) Dreier-Jungs-WG untergekommen, was sehr spannend war. Lustigerweise war einer der drei ein Deutscher aus Leipzig, die anderen beiden hatten in Heidelberg ein Austauschjahr verbracht und somit waren alle froh, sich mit uns auf Deutsch unterhalten zu können. Die drei promovieren in den unterschiedlichsten Fächern (Computer Science, Assyrologie (oder so ähnlich, hat was mit Keilschriften übersetzen zu tun…) und Geschichte), aber nichtsdestotrotz wurde sowohl abends mit einem Glas Rotwein auf dem Balkon als auch morgens beim Frühstück leidenschaftlich und auf hohem Niveau über Politik diskutiert. Uli und ich haben dabei ganz neue Einblicke in die Konfliktlinien innerhalb der israelischen Gesellschaft erhalten und zum Beispiel erfahren, dass richtig orthodoxe Juden teilweise an der Seite der Palästinenser kämpfen, weil sie gegen den jüdischen Staat sind, da der Messias noch nicht gekommen ist. Das war alles extrem interessant, und nebenbei waren die Jungs tolle Gastgeber: Sie haben Abendessen gekocht (siehe unten), mir Kaffee spendiert, ein Bett für uns aus dem Keller in den zweiten Stock geschleppt und uns für zwei Tage ihr Wohnzimmer überlassen…

Am Sonntag haben wir es insgesamt etwas ruhiger angehen lassen mit den Besichtigungen, es stand vor allem mein persönliches Highlight auf dem Programm, der Besuch des Tempelbergs mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee. Der ist für Nicht-Muslime ohnehin nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, und wir hatten besonderes Glück: Am Sonntag hatte man nur eine Stunde lang die Möglichkeit, den Tempelberg zu erklimmen, bevor er für die kommende Woche komplett geschlossen wurde. Leider konnten wir wegen eines wichtigen muslimischen Feiertags nicht den Felsendom besichtigen, aber es hat sich trotzdem gelohnt. Ich hatte den Eindruck, es herrschte eine relativ ruhige, aber doch leicht angespannte Atmosphäre. Es waren insgesamt nur wenig Menschen auf dem Platz um die beiden Heiligtümer versammelt, im Verhältnis dazu relativ viele bewaffnete (aber faul in der Sonne sitzende) israelische Soldaten, wenig Frauen, aber einige Fußball spielende Jungs. Zwar sind wir kaum angequatscht und angestarrt worden, da wir uns wie vorgeschrieben „modest“ gekleidet hatten, und da der Zugang zum Tempelberg für Palästinenser strikt reglementiert und für gläubige Juden aus religiösen Gründen verboten ist, gab es auch nirgendwo Auseinandersetzungen. Aber ich hatte doch das Gefühl, wenn irgendetwas passiert, ist es gut, einen deutschen Pass zu haben und nicht etwa einen amerikanischen. Ich fand es wirklich sehr spannend und meine Neugier und gleichzeitig mein Unwissen erdrückend.

Am gleichen Tag haben wir noch einen uns empfohlenen Hummus-Laden in der Altstadt vergeblich gesucht, sind zur Knesset marschiert, haben uns eine alte Windmühle angeschaut und die „German Colony“, ein Stadtviertel, in dem einige von Kreuzrittern erbaute Häuser stehen und das jetzt zu einer Art In-Viertel mutiert. Abends sind wir mit Omri, unserem eigentlichen Gastgeber (oben rechts im Bild), und einem Freund von ihm was trinken gegangen. Am nächsten Tag haben wir, fußlahm von zwei kompletten Tagen bergauf und bergab laufen, beschlossen, dass wir vorerst die wichtigsten Dinge gesehen haben, und haben uns nur noch auf den mehrere Kilometer langen Fußmarsch zum Bahnhof begeben, um nach Tel Aviv zurück zu fahren. So konnte ich Uli nachmittags schon mal mit Tel Aviv bekannt machen, denn am nächsten Tag musste ich arbeiten und sie sich alleine beschäftigen. Über unsere Reise nach Akko und Haifa berichte ich dann im nächsten Eintrag.
Am nächsten Tag haben wir uns dann aber nicht mehr geschont. Im Gegenteil. Es war zwar Shabbat, aber wegen der vielen Touristen und da große Teile der Altstadt arabisch oder auch christlich sind, war in Jerusalem die Hölle los. Wir haben uns mitten ins Gewühl gestürzt, uns trotz zweier Reiseführer inklusive Stadtplänen ständig verlaufen und es trotzdem geschafft, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zu sehen. Dazu gehörten natürlich die Klagemauer, die Grabeskirche, die Via Dolorosa (siehe Foto),

die verwinkelten Straßenzüge des arabischen Marktes, die St.-Annes-Church mit verfallenen Gebäuden aus der Römer- und der Kreuzfahrerzeit im Garten, und und und. Da wir uns wirklich oft verlaufen haben und immer mal wieder vor bewachten Absperrungen standen, durch die wir nicht durchgehen durften, haben wir nicht nur die berühmten Plätze gesehen, sondern auch andere Ecken der Altstadt, was sehr interessant und manchmal überraschend war. Im arabischen Teil sah das zum Beispiel so aus:

Am Ende des ersten Sightseeing-Marathons am Samstag haben wir dann sogar noch den Wettlauf gegen die sinkende Sonne gewonnen, als wir auf den Ölberg gehetzt sind, um noch ein paar typische Touri-Fotos vom Ausblick auf Jerusalem zu schießen. Wie man sieht, hat das so gerade noch geklappt, anschließend mussten wir dann aber auch erst mal eine Pause einlegen und haben einfach den Sonnenuntergang beobachtet und den Blick auf das beleuchtete Jerusalem genossen.

In den beiden folgenden Nächten sind wir in einer kommunistisch-zionistischen (?!) Dreier-Jungs-WG untergekommen, was sehr spannend war. Lustigerweise war einer der drei ein Deutscher aus Leipzig, die anderen beiden hatten in Heidelberg ein Austauschjahr verbracht und somit waren alle froh, sich mit uns auf Deutsch unterhalten zu können. Die drei promovieren in den unterschiedlichsten Fächern (Computer Science, Assyrologie (oder so ähnlich, hat was mit Keilschriften übersetzen zu tun…) und Geschichte), aber nichtsdestotrotz wurde sowohl abends mit einem Glas Rotwein auf dem Balkon als auch morgens beim Frühstück leidenschaftlich und auf hohem Niveau über Politik diskutiert. Uli und ich haben dabei ganz neue Einblicke in die Konfliktlinien innerhalb der israelischen Gesellschaft erhalten und zum Beispiel erfahren, dass richtig orthodoxe Juden teilweise an der Seite der Palästinenser kämpfen, weil sie gegen den jüdischen Staat sind, da der Messias noch nicht gekommen ist. Das war alles extrem interessant, und nebenbei waren die Jungs tolle Gastgeber: Sie haben Abendessen gekocht (siehe unten), mir Kaffee spendiert, ein Bett für uns aus dem Keller in den zweiten Stock geschleppt und uns für zwei Tage ihr Wohnzimmer überlassen…

Am Sonntag haben wir es insgesamt etwas ruhiger angehen lassen mit den Besichtigungen, es stand vor allem mein persönliches Highlight auf dem Programm, der Besuch des Tempelbergs mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee. Der ist für Nicht-Muslime ohnehin nur zu bestimmten Zeiten geöffnet, und wir hatten besonderes Glück: Am Sonntag hatte man nur eine Stunde lang die Möglichkeit, den Tempelberg zu erklimmen, bevor er für die kommende Woche komplett geschlossen wurde. Leider konnten wir wegen eines wichtigen muslimischen Feiertags nicht den Felsendom besichtigen, aber es hat sich trotzdem gelohnt. Ich hatte den Eindruck, es herrschte eine relativ ruhige, aber doch leicht angespannte Atmosphäre. Es waren insgesamt nur wenig Menschen auf dem Platz um die beiden Heiligtümer versammelt, im Verhältnis dazu relativ viele bewaffnete (aber faul in der Sonne sitzende) israelische Soldaten, wenig Frauen, aber einige Fußball spielende Jungs. Zwar sind wir kaum angequatscht und angestarrt worden, da wir uns wie vorgeschrieben „modest“ gekleidet hatten, und da der Zugang zum Tempelberg für Palästinenser strikt reglementiert und für gläubige Juden aus religiösen Gründen verboten ist, gab es auch nirgendwo Auseinandersetzungen. Aber ich hatte doch das Gefühl, wenn irgendetwas passiert, ist es gut, einen deutschen Pass zu haben und nicht etwa einen amerikanischen. Ich fand es wirklich sehr spannend und meine Neugier und gleichzeitig mein Unwissen erdrückend.

Am gleichen Tag haben wir noch einen uns empfohlenen Hummus-Laden in der Altstadt vergeblich gesucht, sind zur Knesset marschiert, haben uns eine alte Windmühle angeschaut und die „German Colony“, ein Stadtviertel, in dem einige von Kreuzrittern erbaute Häuser stehen und das jetzt zu einer Art In-Viertel mutiert. Abends sind wir mit Omri, unserem eigentlichen Gastgeber (oben rechts im Bild), und einem Freund von ihm was trinken gegangen. Am nächsten Tag haben wir, fußlahm von zwei kompletten Tagen bergauf und bergab laufen, beschlossen, dass wir vorerst die wichtigsten Dinge gesehen haben, und haben uns nur noch auf den mehrere Kilometer langen Fußmarsch zum Bahnhof begeben, um nach Tel Aviv zurück zu fahren. So konnte ich Uli nachmittags schon mal mit Tel Aviv bekannt machen, denn am nächsten Tag musste ich arbeiten und sie sich alleine beschäftigen. Über unsere Reise nach Akko und Haifa berichte ich dann im nächsten Eintrag.
