Im Norden
am Sonntag, 14. Dezember 2008, 12:40 im Topic 'Israel'
Freundlicherweise habe ich in der vergangenen Woche noch einen Urlaubstag bekommen, den wir genutzt haben, um nach Akko und Haifa zu fahren.
Akko liegt an der Küste ganz im Norden von Israel, keine 20 Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt. Sehenswert ist die Altstadt, die zum Unesco-Welterbe gehört und früher von den Kreuzfahrern als Basislager für den Einzug ins Heilige Land genutzt wurde. In der Altstadt leben fast nur Araber, in der Neustadt fast nur Juden, und im Oktober war es zu Ausschreitungen zwischen beiden Bevölkerungsteilen gekommen, nachdem ein Araber am Yom Kippur, dem wichtigsten jüdischen Feiertag, mit einem Mofa durch den jüdischen Teil der Stadt geheizt ist und daraufhin mit Steinen beworfen wurde. 2006 wurde die Stadt außerdem von der Hisbollah attackiert, aber all das wussten wir nicht und haben deswegen unvoreingenommen einen schönen Tag genossen. Die muslimischen Feiertage, wegen denen wir in Jerusalem nicht den Felsendom betreten konnten, waren immer noch in vollem Gange. Die Menschen mussten nicht arbeiten, sondern haben das schöne Wetter draußen genossen, überall waren kleine Karussells und Hüpfburgen aufgebaut, kleine Mädchen haben Luftballons, kleine Jungs Plastikpistolen und –gewehre geschenkt bekommen, und die etwas größeren Jungs haben ein irrwitzig gefährliches Ponyreiten veranstaltet, bei dem wir zwei Mal fast unter die Hufen von galoppierenden Pferden gekommen wären. Über allem tönte ziemlich laute arabische Dudelmusik, und da wir zwei offensichtlich die einzigen Touristen waren (und dann auch noch Frauen), sind wir – nach meinem Empfinden – manches Mal ziemlich komisch angeschaut worden.
Es war trotzdem wieder einmal sehr interessant, und ich möchte immer mehr auch über die arabische Kultur erfahren. Da ich hier vor allem mit Juden zu tun habe, bekomme ich nur deren Sicht und Wissen mit, wenn überhaupt, denn das ist kein gängiges Gesprächsthema. Und in Akko ebenso wie in Jerusalem wäre es hilfreich und spannend gewesen, mehr Hintergrundwissen zu haben. A propos Wissen: Auf dem Weg vom Bahnhof zur Altstadt wussten wir zunächst nicht, in welche Richtung wir gehen sollten. Uli hat ein (arabisches?) Mädel angesprochen, das aber kein Wort Englisch konnte. Notgedrungen habe ich ihr unsere Frage nach dem richtigen Weg in gebrochenem Hebräisch gestellt, und siehe da: Es hat geklappt! Wir konnten uns sogar ein bisschen unterhalten: Ich habe erzählt, dass wir aus Deutschland kommen und später am Tag noch nach Haifa fahren wollen, und sie meinte, der Weg ist nicht so weit und sie läuft das jeden Tag zu Fuß. Ich war richtig happy, mein erstes Erfolgserlebnis auf Hebräisch! Das hat mich so motiviert, dass ich später noch die obligatorischen Falafel auf Hebräisch bestellt habe – leider konnte ich nicht verhindern, dass sie Uli eine riesige Portion Zwiebeln ins Pita-Brot gekippt haben, obwohl sie die doch gar nicht mag… Hier noch mal ein Blick auf den Hafen von Akko mit der Stadtmauer im Hintergrund.

Haifa ist eine halbe Stunde Bahnfahrt von Akko entfernt und liegt damit zwischen Tel Aviv und Akko ebenfalls an der Küste. Haifa ist die drittgrößte Stadt Israels, hat einen großen Container-Hafen und war früher vor allem eine Arbeiterstadt, was sich nicht besonders spannend anhört. Alle Israelis, denen ich von unserem geplanten Ausflug nach Haifa erzählt habe, haben mich dann auch gefragt, was ich dort wolle, dort gebe es nichts zu sehen. Ich glaube, ganz unrecht hatten sie nicht, mit einer Ausnahme natürlich: Den Bahai-Gardens, für die Haifa berühmt ist. Das sind ein riesige Gärten, die an Terassen am Hang des Mount Carmel angelegt sind, auf dem Haifa ursprünglich errichtet wurde. In der Mitte der Gärten steht der Bab-Schrein, in dem die Gebeine des Gründers der Bahai-Religion liegen. Diese Religion ist eine der jüngsten der Welt und klingt nach der Kurzbeschreibung im Reiseführer eher wie eine Hippie-Sekte, mit immerhin geschätzten sechs Millionen Anhängern in der ganzen Welt.

Natürlich wollten wir die Gärten besichtigen, doch da gab es ein Problem: Der Eintritt ist zwar kostenlos, aber man muss sich telefonisch anmelden. Das wussten wir vorher, und so haben wir am Abend vor unserem geplanten Besuch – ohne Witz – eine dreiviertel Stunde in der Warteschleife verbracht, um uns anzumelden, bis um kurz vor fünf eine automatische Stimme sagte, es beginne jetzt ein jüdischer Feiertag und wir sollten noch mal anrufen, wenn dieser vorbei sei. Das war natürlich Quatsch, und wir haben es am nächsten Morgen noch mal probiert, und haben nach erneuten zehn Minuten Warteschleife aufgegeben. Alles innerhalb der Öffnungszeiten des Büros, versteht sich. Eine richtige Besichtigung war also nicht möglich, andererseits war das aber letztendlich gar nicht si schlimm, da wir ziemlich spät bei Einbruch der Dunkelheit in Haifa angekommen sind und schon ziemlich platt waren. In den Gärten gilt es außerdem, mehrere tausend (?) Treppenstufen zu erklimmen, wozu wir ohnehin nicht in der Lage gewesen wären. Wir haben uns also nur noch in die einzige „U-Bahn“ Israels gesetzt und sind den Berg hochgefahren, um den Ausblick über Haifa bei Nacht zu genießen. „U-Bahn“ ist übrigens eine sehr schmeichelhafte Bezeichnung für das Gefährt, das uns bergauf transportiert hat. Es besteht aus einer Linie mit vier oder fünf Stationen und einer einzigen asymmetrisch gebauten Bergbahn, weil es so steil bergauf geht. Übrigens bestehen einige Straßen in Haifa bloß aus Treppenstufen, weil es überall so steil ist. Dieses komprimierte Haifa-Programm hat uns dann aber auch gereicht, weil wir vom vielen Laufen der vergangenen Tage ziemlich müde waren. So sind wir nur noch den Berg herunter gefahren, haben uns in den Zug gesetzt und uns abends nur noch erholt. Muss ja auch mal sein.
Akko liegt an der Küste ganz im Norden von Israel, keine 20 Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt. Sehenswert ist die Altstadt, die zum Unesco-Welterbe gehört und früher von den Kreuzfahrern als Basislager für den Einzug ins Heilige Land genutzt wurde. In der Altstadt leben fast nur Araber, in der Neustadt fast nur Juden, und im Oktober war es zu Ausschreitungen zwischen beiden Bevölkerungsteilen gekommen, nachdem ein Araber am Yom Kippur, dem wichtigsten jüdischen Feiertag, mit einem Mofa durch den jüdischen Teil der Stadt geheizt ist und daraufhin mit Steinen beworfen wurde. 2006 wurde die Stadt außerdem von der Hisbollah attackiert, aber all das wussten wir nicht und haben deswegen unvoreingenommen einen schönen Tag genossen. Die muslimischen Feiertage, wegen denen wir in Jerusalem nicht den Felsendom betreten konnten, waren immer noch in vollem Gange. Die Menschen mussten nicht arbeiten, sondern haben das schöne Wetter draußen genossen, überall waren kleine Karussells und Hüpfburgen aufgebaut, kleine Mädchen haben Luftballons, kleine Jungs Plastikpistolen und –gewehre geschenkt bekommen, und die etwas größeren Jungs haben ein irrwitzig gefährliches Ponyreiten veranstaltet, bei dem wir zwei Mal fast unter die Hufen von galoppierenden Pferden gekommen wären. Über allem tönte ziemlich laute arabische Dudelmusik, und da wir zwei offensichtlich die einzigen Touristen waren (und dann auch noch Frauen), sind wir – nach meinem Empfinden – manches Mal ziemlich komisch angeschaut worden.
Es war trotzdem wieder einmal sehr interessant, und ich möchte immer mehr auch über die arabische Kultur erfahren. Da ich hier vor allem mit Juden zu tun habe, bekomme ich nur deren Sicht und Wissen mit, wenn überhaupt, denn das ist kein gängiges Gesprächsthema. Und in Akko ebenso wie in Jerusalem wäre es hilfreich und spannend gewesen, mehr Hintergrundwissen zu haben. A propos Wissen: Auf dem Weg vom Bahnhof zur Altstadt wussten wir zunächst nicht, in welche Richtung wir gehen sollten. Uli hat ein (arabisches?) Mädel angesprochen, das aber kein Wort Englisch konnte. Notgedrungen habe ich ihr unsere Frage nach dem richtigen Weg in gebrochenem Hebräisch gestellt, und siehe da: Es hat geklappt! Wir konnten uns sogar ein bisschen unterhalten: Ich habe erzählt, dass wir aus Deutschland kommen und später am Tag noch nach Haifa fahren wollen, und sie meinte, der Weg ist nicht so weit und sie läuft das jeden Tag zu Fuß. Ich war richtig happy, mein erstes Erfolgserlebnis auf Hebräisch! Das hat mich so motiviert, dass ich später noch die obligatorischen Falafel auf Hebräisch bestellt habe – leider konnte ich nicht verhindern, dass sie Uli eine riesige Portion Zwiebeln ins Pita-Brot gekippt haben, obwohl sie die doch gar nicht mag… Hier noch mal ein Blick auf den Hafen von Akko mit der Stadtmauer im Hintergrund.

Haifa ist eine halbe Stunde Bahnfahrt von Akko entfernt und liegt damit zwischen Tel Aviv und Akko ebenfalls an der Küste. Haifa ist die drittgrößte Stadt Israels, hat einen großen Container-Hafen und war früher vor allem eine Arbeiterstadt, was sich nicht besonders spannend anhört. Alle Israelis, denen ich von unserem geplanten Ausflug nach Haifa erzählt habe, haben mich dann auch gefragt, was ich dort wolle, dort gebe es nichts zu sehen. Ich glaube, ganz unrecht hatten sie nicht, mit einer Ausnahme natürlich: Den Bahai-Gardens, für die Haifa berühmt ist. Das sind ein riesige Gärten, die an Terassen am Hang des Mount Carmel angelegt sind, auf dem Haifa ursprünglich errichtet wurde. In der Mitte der Gärten steht der Bab-Schrein, in dem die Gebeine des Gründers der Bahai-Religion liegen. Diese Religion ist eine der jüngsten der Welt und klingt nach der Kurzbeschreibung im Reiseführer eher wie eine Hippie-Sekte, mit immerhin geschätzten sechs Millionen Anhängern in der ganzen Welt.

Natürlich wollten wir die Gärten besichtigen, doch da gab es ein Problem: Der Eintritt ist zwar kostenlos, aber man muss sich telefonisch anmelden. Das wussten wir vorher, und so haben wir am Abend vor unserem geplanten Besuch – ohne Witz – eine dreiviertel Stunde in der Warteschleife verbracht, um uns anzumelden, bis um kurz vor fünf eine automatische Stimme sagte, es beginne jetzt ein jüdischer Feiertag und wir sollten noch mal anrufen, wenn dieser vorbei sei. Das war natürlich Quatsch, und wir haben es am nächsten Morgen noch mal probiert, und haben nach erneuten zehn Minuten Warteschleife aufgegeben. Alles innerhalb der Öffnungszeiten des Büros, versteht sich. Eine richtige Besichtigung war also nicht möglich, andererseits war das aber letztendlich gar nicht si schlimm, da wir ziemlich spät bei Einbruch der Dunkelheit in Haifa angekommen sind und schon ziemlich platt waren. In den Gärten gilt es außerdem, mehrere tausend (?) Treppenstufen zu erklimmen, wozu wir ohnehin nicht in der Lage gewesen wären. Wir haben uns also nur noch in die einzige „U-Bahn“ Israels gesetzt und sind den Berg hochgefahren, um den Ausblick über Haifa bei Nacht zu genießen. „U-Bahn“ ist übrigens eine sehr schmeichelhafte Bezeichnung für das Gefährt, das uns bergauf transportiert hat. Es besteht aus einer Linie mit vier oder fünf Stationen und einer einzigen asymmetrisch gebauten Bergbahn, weil es so steil bergauf geht. Übrigens bestehen einige Straßen in Haifa bloß aus Treppenstufen, weil es überall so steil ist. Dieses komprimierte Haifa-Programm hat uns dann aber auch gereicht, weil wir vom vielen Laufen der vergangenen Tage ziemlich müde waren. So sind wir nur noch den Berg herunter gefahren, haben uns in den Zug gesetzt und uns abends nur noch erholt. Muss ja auch mal sein.
juliaunterwegs,
Montag, 15. Dezember 2008, 16:52
Hi, deine Reiseberichte lesen sich wie eine spannende Reise durch das geschichtliche Israel. Gleichzeitig werden wieder schöne
Erinnerungen an meine Israel-Reise 1978 geweckt. Ich freue
mich schon auf die nächsten Beiträge.
a.d.
Erinnerungen an meine Israel-Reise 1978 geweckt. Ich freue
mich schon auf die nächsten Beiträge.
a.d.
hierunddort,
Montag, 15. Dezember 2008, 20:45
haha. du hast den granatapfelsaft für preiswerte zehn schekel vergessen ;) lg aus dem winterlichen leipzig
papa droege,
Mittwoch, 17. Dezember 2008, 22:07
Wirklich interessant, was einem an Menschen, Eindrücken, Kultur, Geschichte, Landschaften so begegnen kann! Eigentlich hatte ich bisher nie ein Israel-Reise-Bedürfnis, aber so langsam... Herzlichen Glückwunsch zum hebräischen Weg-Findungs-Erfolg!! Ich bin gespannt, was juliaunterwegs noch so zu berichten hat.
