Julia unterwegs
Heiligabend in Israel
Und, wie habt ihr euren Heiligen Abend verbracht? Nachdem mich nachmittags auf dem Heimweg vom Büro doch tatsächlich ein kleiner Weihnachtsblues gepackt hatte, habe ich mich abends auf den Weg zu Flo gemacht. Flo (ganz rechts auf dem Foto) kommt aus Deutschland, hat eine zeitlang in der AHK an einem Projekt mitgearbeitet - daher kennen wir uns - und wohnt hier mit ihrem israelischen Freund, Guy (?), zusammen. Den hat sie kennen gelernt, als sie ein Jahr in Jerusalem studiert hat. Außer mir hatte sie noch ein befreundetes Päärchen eingeladen: Kate, eine jüdische Australierin, hat sie ebenfalls in Jerusalem kennengelernt, als die beiden zusammen im Wohnheim gewohnt haben. Und der israelische Freund von Kate… Naja, der wurde dann mitgeschleppt. Ihr wisst ja, wie das ist.



In dieser bunten Mischung – Deutsche, Israelis, Australierin sowie drei Juden, eine Evangelische und eine Katholische – haben wir dann ein ebenfalls buntes Weihnachtsessen und roten Wein genossen. Zumindest in diesem Punkt war mir die Abwechselung, einmal nicht zu Hause Weihnachten zu feiern, willkommen: Jedes Jahr Racelette wird halt doch irgendwann langweilig. Und so gab es in diesem Jahr: Gegrillte Auberginen-Scheiben, zwei Salate, in Zwiebeln und Pinienkernen gebratene Champignons und Baguette (Vorspeise), als Hauptgericht Süß- und Salzkartoffeln, Reis mit Zwiebeln und Mandelblättern (?), Bohnen mit Pinienkernen und Hähnchenschenkel mit einer Honig-Rosmarin-Kruste und zur Krönung die Nachspeise: Mit Puderzucker bestäubte Blätterteigrollen, die mit einer Sahne-Mascarpone-Creme und frischen Erdbeeren gefüllt waren. Und natürlich selbstgebackene Weihnachtsplätzchen zum Abschluss. Göttlich!
Der Abend war sehr nett, wenn auch nicht ganz so lang, da wir alle zum arbeitenden Teil der Gesellschaft gehörten. Je mehr lustige Dinge ich erfahren habe, umso mehr ist mein Weihnachtsblues verflogen. Kate hat zum Beispiel erzählt, dass sie jede Freundschaftseinladung in Facebook annimmt, weil sie mal Jugendgruppen betreut hat und ahnt, wie sehr es am Ego kratzen kann, wenn sie die Einladungen irgendwelcher ihr völlig unbekannter Jugendlicher, ablehnen würde. Sie möchte ja schließlich niemanden in den Selbstmord stürzen. Ihr Freund hat sich eigentlich nur für das Berliner Wetter im Februar interessiert, da er dann zum Talent-Wettbewerb der Berlinale eingeladen ist (er macht gerade seinen Abschluss in Filmwissenschaften oder so ähnlich). Und Flos Freund verteilt Wahlwerbung für die Labour Party, obwohl er selbst eine andere Partei wählt – er ist eben jung und braucht das Geld…
Ein Heiligabend der anderen Art war es auf jeden Fall, aber nicht unbedingt ein schlechter. Abgesehen vom Wetter. Als ich abends nach Hause gestiefelt bin hat es immer noch wie aus Kübeln gegossen und so stark gestürmt, dass mein schon auf dem Hinweg in Mitleidenschaft gezogener Regenschirm in kürzester Zeit in ein nicht mehr identifizierbares Drahtskelett verwandelt wurde. Die Israelis haben hier offenbar noch kein funktionierendes Wasserableitsystem errichtet, und so haben sich die Straßenrinnen in reißende, kaum überquerbare Flüsse verwandelt. Das zumindest ist auf Weihnachten in Deutschland und in Israel gleich: Man hat guten Grund, sich über das Wetter zu beschweren…

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