Alle Jahre wieder?
am Mittwoch, 31. Dezember 2008, 21:14 im Topic 'Israel'
Zwar kommt es mir vor, als sei das alles schon laaang wieder vorbei, aber ich möchte trotzdem kurz vom Rest meiner Weihnachtstage erzählen. Am ersten Weihnachtsfeiertag musste ich wieder arbeiten, abends bin ich dann nur noch mit meinen Mitbewohnern raus gegangen. Wir haben Billard gespielt und sind später in einer interessanten Kneipe abgesackt. Interessant deshalb, weil die Kneipe zu den Etablissements auf einer um die Ecke gelegenen Straße gehört, aus denen abends fast immer gute Musik herausschallt, vor denen aber unglaublich Furcht einflößend aussehende Türsteher geparkt sind. Deshalb hatte ich mich bisher nicht einmal getraut, einen Blick in eine dieser Kneipen zu werfen. Am Weihnachtsabend war das anders: Der Türsteher machte zwar ebenfalls keinen Vertrauen erweckenden Einfluss, aber immerhin tronte auf seinem Kopf – eine Nikolaus-Mütze! Da konnten wir gar nicht anders, als einen Blick hineinwerfen. Offenbar sind wir so in eine Chrisnukkah-Party geraten: Um die Theke herum saßen viele headbangende Menschen, von denen die Hälfte ebenfalls Nikolaus-Mützen auf dem Kopf hatte. Auf der Theke standen Sufkaniot-Stückchen, die man sich kostenlos nehmen konnte. Eine ziemlich komische Situation angesichts der harten Gitarrenmusik, die aus den Lautsprechern tönte, aber es hat Spaß gemacht und zur erfolgreichen Fortsetzung meines sehr anderen Weihnachten beigetragen!
Der zweite Weihnachtsfeiertag, an einem Freitag gelegen, war auch für mich frei. Ganz normal, wenn auch mit leichten Kopfschmerzen, habe ich auf dem Shuk ein paar Dinge gekauft (unter anderem etwa 30 Pitas für unglaubliche 25 Shekel, weil es ein kleines verbales Missverständnis mit dieser unverschämten Verkäuferin gab), und als ich nachmittags alleine zu Hause saß, kam Lioras Schwester in die Wohnung. Liora war bis gestern zehn Tage lang bei ihrer Tochter in London, und in dieser Zeit hat ihre Schwester, Galia, immer mal wieder nach dem Rechten geschaut. Sie sah mich also dort alleine sitzen und hat mich kurzerhand zum Shabbat-Essen eingeladen. Ich weiß nicht, ob ich das schon erzählt habe: Immer wieder Freitags Abends kommen hier die meisten Familien im Haus ihrer Eltern zusammen, um gemeinsam zu essen und bei einem Gebet den Shabbat einzuleiten. Ich habe natürlich nicht nein gesagt und bin mit Galia ins Haus ihrer Mutter am anderen Ende von Tel Aviv gefahren, wo dann neben ihrer Mutter auch ihr Bruder, ihre beiden Kinder Jade (19 Jahre) und Julian (16) und eine Freundin von Jade, Maya, eingeladen waren. Als ich im Türrahmen erschien, wurde einfach noch ein weiterer Teller auf den Tisch gestellt. Die Tatsache, dass ich als völlig Fremde an einem Familienessen an dem Familientag der Woche teilnahm, war offensichtlich für alle außer mir selbstverständlich, und ich bin herzlich begrüßt und willkommen geheißen worden. Und dabei war es ja nicht nur der Beginn des Shabbat, sondern auch noch der fünfte (?) Hanukkah-Tag.

So wurde vor dem Essen nicht nur kurz gebetet, der traditionelle Weinbecher, aus dem jeder einen Schluck nehmen muss, herumgereicht, und süßes Brot gebrochen und in Salz getunkt, sondern auch die fünfte Kerze angezündet – begleitet von lautem fröhlichen Singen, das nur kurz unterbrochen wurde, als sich einige Familienmitglieder über den Liedtext uneinig waren, und erst ein zerfleddertes Buch aus dem Regal holten, um den korrekten Text, dann auch noch begleitet von lautem Klatschen, zu wiederholen.
Das Essen war, wie immer, reichhaltig und lecker, und vor allem super nett. Galias Mutter konnte kein Wort Englisch, hat es aber trotzdem fertig gebracht, mich immer nett anzulächeln und zu fragen, ob ich noch ein bisschen mehr haben wolle. Galias Bruder, der nicht auf dem Bild zu sehen ist, hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und konnte besser Französisch als Englisch sprechen, und so haben wir uns auf Französisch unterhalten (nachdem er mich zunächst irrtümlich für eine Engländerin gehalten hatte, juchu!). Julian, Galias Sohn, war am gleichen Tag von einem viertägigen Pfadfinder-Ausflug in der Wüste zurückgekehrt, den er geleitet hatte, und dementsprechend wortkarg und müde. Maya (auf dem Foto ganz links) ist zur Zeit noch in der Armee, wo sie fotografiert. Wenn sie nicht im Dienst ist, darf sie trotzdem die Armee-Kamera benutzen, und deshalb fotografiert sie auch privat pausenlos. Sie hat uns einige Bilder gezeigt, und ich war ziemlich beeindruckt. Ich glaube, Jade ist auch in der Armee, und zwar in der Nähe des Gaza-Streifens, was natürlich nicht gerade schön ist in diesen Tagen. Insgesamt hat alles mehr als drei Stunden gedauert, und ich habe mich total wohl gefühlt. Ich frage mich immer, ob so eine unkomplizierte Gastfreundschaft auch in Deutschland möglich ist…

Falls ihr Nachrichten guckt, keine Angst: Hier in Tel Aviv kriegt man überhaupt nichts mit vom Krieg, es ist noch nicht einmal mehr Polizei- oder Armee-Präsenz als sonst auf den Straßen zu sehen. Deswegen gilt es jetzt auch erst einmal, noch eine kleine Silvester-Party aufzutreiben, obwohl die Israelis das ja nicht so feiern wie es in Europa und Co. üblich ist. Der jüdische Kalender eben.
Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch!
Der zweite Weihnachtsfeiertag, an einem Freitag gelegen, war auch für mich frei. Ganz normal, wenn auch mit leichten Kopfschmerzen, habe ich auf dem Shuk ein paar Dinge gekauft (unter anderem etwa 30 Pitas für unglaubliche 25 Shekel, weil es ein kleines verbales Missverständnis mit dieser unverschämten Verkäuferin gab), und als ich nachmittags alleine zu Hause saß, kam Lioras Schwester in die Wohnung. Liora war bis gestern zehn Tage lang bei ihrer Tochter in London, und in dieser Zeit hat ihre Schwester, Galia, immer mal wieder nach dem Rechten geschaut. Sie sah mich also dort alleine sitzen und hat mich kurzerhand zum Shabbat-Essen eingeladen. Ich weiß nicht, ob ich das schon erzählt habe: Immer wieder Freitags Abends kommen hier die meisten Familien im Haus ihrer Eltern zusammen, um gemeinsam zu essen und bei einem Gebet den Shabbat einzuleiten. Ich habe natürlich nicht nein gesagt und bin mit Galia ins Haus ihrer Mutter am anderen Ende von Tel Aviv gefahren, wo dann neben ihrer Mutter auch ihr Bruder, ihre beiden Kinder Jade (19 Jahre) und Julian (16) und eine Freundin von Jade, Maya, eingeladen waren. Als ich im Türrahmen erschien, wurde einfach noch ein weiterer Teller auf den Tisch gestellt. Die Tatsache, dass ich als völlig Fremde an einem Familienessen an dem Familientag der Woche teilnahm, war offensichtlich für alle außer mir selbstverständlich, und ich bin herzlich begrüßt und willkommen geheißen worden. Und dabei war es ja nicht nur der Beginn des Shabbat, sondern auch noch der fünfte (?) Hanukkah-Tag.

So wurde vor dem Essen nicht nur kurz gebetet, der traditionelle Weinbecher, aus dem jeder einen Schluck nehmen muss, herumgereicht, und süßes Brot gebrochen und in Salz getunkt, sondern auch die fünfte Kerze angezündet – begleitet von lautem fröhlichen Singen, das nur kurz unterbrochen wurde, als sich einige Familienmitglieder über den Liedtext uneinig waren, und erst ein zerfleddertes Buch aus dem Regal holten, um den korrekten Text, dann auch noch begleitet von lautem Klatschen, zu wiederholen.
Das Essen war, wie immer, reichhaltig und lecker, und vor allem super nett. Galias Mutter konnte kein Wort Englisch, hat es aber trotzdem fertig gebracht, mich immer nett anzulächeln und zu fragen, ob ich noch ein bisschen mehr haben wolle. Galias Bruder, der nicht auf dem Bild zu sehen ist, hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und konnte besser Französisch als Englisch sprechen, und so haben wir uns auf Französisch unterhalten (nachdem er mich zunächst irrtümlich für eine Engländerin gehalten hatte, juchu!). Julian, Galias Sohn, war am gleichen Tag von einem viertägigen Pfadfinder-Ausflug in der Wüste zurückgekehrt, den er geleitet hatte, und dementsprechend wortkarg und müde. Maya (auf dem Foto ganz links) ist zur Zeit noch in der Armee, wo sie fotografiert. Wenn sie nicht im Dienst ist, darf sie trotzdem die Armee-Kamera benutzen, und deshalb fotografiert sie auch privat pausenlos. Sie hat uns einige Bilder gezeigt, und ich war ziemlich beeindruckt. Ich glaube, Jade ist auch in der Armee, und zwar in der Nähe des Gaza-Streifens, was natürlich nicht gerade schön ist in diesen Tagen. Insgesamt hat alles mehr als drei Stunden gedauert, und ich habe mich total wohl gefühlt. Ich frage mich immer, ob so eine unkomplizierte Gastfreundschaft auch in Deutschland möglich ist…

Falls ihr Nachrichten guckt, keine Angst: Hier in Tel Aviv kriegt man überhaupt nichts mit vom Krieg, es ist noch nicht einmal mehr Polizei- oder Armee-Präsenz als sonst auf den Straßen zu sehen. Deswegen gilt es jetzt auch erst einmal, noch eine kleine Silvester-Party aufzutreiben, obwohl die Israelis das ja nicht so feiern wie es in Europa und Co. üblich ist. Der jüdische Kalender eben.
Euch allen wünsche ich einen guten Rutsch!
