Reisebericht 1: Wadi Rum
am Sonntag, 4. Januar 2009, 23:53 im Topic 'Israel'
Hallo ihr Lieben, ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gerutscht. Bei mir war die Silvester-Nacht eher weniger erwähnenswert, da ich lange unschlüssig war und schließlich mit Markus, dem einen meiner beiden Mitbewohner, in die Stadt gezogen bin. Silvester wird hier nicht so doll gefeiert wie in Europa, da nach dem jüdischen Kalender ja noch gar nicht das neue Jahr beginnt. Trotzdem war ziemlich viel los in der Stadt, denn wie die Israelis nun mal so sind: Sie brauchen keinen speziellen Anlass, um zu feiern.
Erwähnenswerter ist hingegen meine Reise nach Jordanien, die ich auf Neujahr begonnen habe. Mehr oder weniger direkt von der Party, auf jeden Fall ohne Schlaf in den Knochen, bin ich in den Bus nach Eilat
gestiegen, der mich ans rote Meer ganz im Süden von Israel bringen sollte. Die Fahrtzeit von fünfeinhalb Stunden (Israel ist zwar schmal, aber ziemlich lang!) habe ich weitgehend dösend verbracht und so zum Beispiel den Ausblick auf das Tote Meer komplett verschlafen. Auf der Fahrt habe ich übrigens erstmals etwas von dem Krieg mitbekommen: Beer-Sheva, eine Studenten- und Arbeiterstadt in der Mitte der Negev-Wüste, ca. 40 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt, war ziemlich menschenleer; dort waren wenige Tage zuvor Raketen eingeschlagen. Der Busbahnhof glich allerdings mehr einem Umschlagplatz für Soldaten, ganze Busladungen von Soldatinnen und Soldaten, voll ausgestattet mit Uniform und Gewehren, wurden ein- und ausgeladen. Ich denke, in friedlicheren Zeiten ist dort nicht ganz so viel los.
In Eilat habe ich mich mit Carsten getroffen, der seit fast einer Woche in Israel ist. Gemeinsam haben wir uns zur Grenze begeben, die fünf Minuten mit dem Taxi vom Busbahnhof in Eilat entfernt liegt. Ein- und Ausreise verliefen problemlos, anschließend haben wir uns von einem Taxifahrer übers Ohr hauen lassen, der uns für einen völlig überteuerten Preis ins Wadi Rum , nord-östlich der Grenze gefahren hat. Immerhin hat der Fahrer uns für den Fahrpreis entschädigt, indem er uns seinen Kumpel (Cousin/Bruder/etc…, irgendwie scheinen dort alle verwandt zu sein) Madallah empfohlen hat, der uns für einen „special price“ in einem seiner Beduinen-Camps aufnehmen werde. Mit einigem Zögern, doch vom preislichen Charme des Angebots überzeugt (das immerhin etwa halb so teuer war wie andere, offiziell im Tourist Center buchbare ‚Pakete’), haben wir uns darauf eingelassen und wurden diesmal positiv überrascht. Madallah hat uns in sein Haus gebracht, wo wir frierend und ohne Tee eine halbe Stunde gewartet haben, bis ein Beduine mit einem klapprigen Auto kam und uns, nun schon im Dunkeln, in die Wüste gebracht hat. Unser Nachtlager hat sich dann als winziges Beduinencamp entpuppt, in dem neben uns nur noch sieben andere Gäste waren: Fünf Franzosen und zwei Japaner. Im Hauptzelt haben wir endlich den ersehnten arabischen Tee bekommen, den ich noch vom Israel-Austausch her kannte: Schwarz, mit speziellen Gewürzen und mit seeehr viel Zucker gesüßt, der aus einer großen, in der Glut stehenden Kanne in kleine Gläser gegossen wird. Genau das, was wir in dem Moment brauchten, denn die Tatsache, dass wir uns in der Wüste befanden, sollte nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass es ar***kalt war und ein fieser eisiger Wind durch die Ritzen der Zeltwände wehte. Später gab es dann noch Abendessen, das wir im Kreis um das Lagerfeuer auf dem Boden sitzend gegessen haben: Reis mit einer Brühe aus Möhren, Tomaten und Zuchini und gegrilltes Hühnchen, dazu Fladenbrot. Einfach, aber sehr lecker. Als alle satt waren, haben die vier anwesenden Beduinen eine Trommel und eine Art Gitarre hervorgeholt und Lieder gesungen. Die Jungs waren ungefähr Anfang 20 und haben ziemlich viel gewitzelt und nebenbei mit einem Handy herumgealbert, so dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass die sich über uns lustig machten. Und wer weiß, was die in ihren Liedern gesungen haben! Offensichtlich hatten sie aber ihren Spaß und wir hatten Lagerfeuer-Romantik mit einem Schuss arabischer (Pseudo?-)Folklore dazu. Die anbrechende Nacht im Zelt bei Minustemperaturen hätte ich sicherlich nicht überlebt, wenn Carsten mir nicht heldenhaft seinen Polar-Schlafsack geliehen hätte, mit dem er schon in Grönland auf dem Eis gepennt hat. So aber sind wir gegen neun Uhr abends ins ‚Bett’, nachdem wir noch bis kurz vorm Erfrieren den unglaublich klaren Wüsten-Sternenhimmel bewundert haben. Wenn man sich jenseits der Zivilisation mitten in der Natur befindet, richtet man sich ja plötzlich wieder nach der Sonne…
Am nächsten Tag ging es nach einem ebenfalls einfachen, aber leckeren Frühstück auf in die Wüste. Wir hatten eine vier- bis fünfstündige Jeeptour ausgehandelt, bei der unser Fahrer, einer der Beduinen vom Vorabend, uns zu den sehenswertesten Steinformationen und den wenigen kulturellen Sehenswürdigkeiten bringen sollte. Wobei ‚Jeep’ ein ziemlich beschönigender Begriff für das klapprige 4-Weel-Drive-Gefährt ist, mit dem wir durch die Wüste gerast sind:

Natürlich gibt es dort keine geteerten, offiziellen oder wenigstens ausgeschilderten Straßen. Der Fahrer wusste offensichtlich genau, auf welcher Sandpiste er welchen Berg umfahren musste, und er kannte auch die meisten Bodenwellen auf der Strecke. Die meisten, aber nicht alle, und so hat der Wagen manchmal ganz schön gekracht, wenn wir auf unseren Sitzen hoch und runter gehoppelt sind. Das Auto hatte zwar Licht, aber keine Seitenspiegel, keinen Rückspiegel, die Sitzpolster und die Armaturen waren abgeblättert, diverse lose Kabel hingen in der Gegend herum, und das härteste: Der Fahrer hatte keinen Schlüssel, sondern musste das Auto immer per Kurzschluss zünden - wie im Film. Manchen Touristen war das offenbar zu abenteuerlich, und sie haben statt dessen die traditionelleren Fortbewegungsmittel gewählt:

Denn auch darüber sollte der Begriff ‚Wüste’ nicht hinweg täuschen: Es gab nicht nur uns im menschenleeren Wadi Rum, sondern ziemlich viele andere Touristen, die in anderen Camps untergebracht waren, und die die gleichen Sehenswürdigkeiten besichtigen wollten. Und so sieht man oben im Bild auf der Steinbrücke, auf die wir natürlich auch hochgeklettert sind, wie noch ein paar andere Personen ihr Unwesen treiben. Die anderen, das waren vor allem: Franzosen und Italiener. Keine Ahnung, warum, aber besonders die Franzosen scheinen neben ihrem Faible für Israel auch eine besondere Vorliebe für Jordanien zu haben. Sie waren wirklich überall, so dass wir zum Schluss beim Versuch, einen Berg zu besteigen, uns entgegen kommende Wanderer nicht mehr mit „hello“, sondern ganz selbstverständlich mit „bonjour“ begrüßt haben. Verrückt! Naja, ein paar deutsche Wortfetzen sind mir auch zu Ohren gekommen, aber komischerweise waren das dann immer Süddeutsche oder Österreicher. Ob es zu Reisezielen und den jeweiligen Touristengruppen wohl wissenschaftliche Studien gibt? Das würde mich wirklich mal interessieren. Gegen Ende unserer Tour wollten wir noch einen Berg besteigen, auf dessen Spitze sich eine natürliche Steinbrücke ähnlich wie die auf dem Foto oben befindet. Im Reiseführer wurde aber davor gewarnt, es ohne Guide zu versuchen, weil der Weg schwierig und nicht ganz ungefährlich ist. Wir haben es trotzdem versucht, doch als das Wandern in Freeclimbing überging und wir nicht einmal mehr den Weg gefunden haben, sind wir umgedreht. Dabei ist das unten stehende Foto entstanden, auf dem ihr sowohl mich als auch die Wüste sehen könnt, die ein bisschen wie eine Mondlandschaft aussieht.

Nachdem wir uns noch eine Oase angeschaut haben, sind wir zurück zum Eingang des Nationalparks gefahren und haben dort einen Taxifahrer aufgetrieben, der uns nach Petra gefahren hat. Das ist aber eine neue Geschichte, die ich morgen erzählen werde.
Erwähnenswerter ist hingegen meine Reise nach Jordanien, die ich auf Neujahr begonnen habe. Mehr oder weniger direkt von der Party, auf jeden Fall ohne Schlaf in den Knochen, bin ich in den Bus nach Eilat
gestiegen, der mich ans rote Meer ganz im Süden von Israel bringen sollte. Die Fahrtzeit von fünfeinhalb Stunden (Israel ist zwar schmal, aber ziemlich lang!) habe ich weitgehend dösend verbracht und so zum Beispiel den Ausblick auf das Tote Meer komplett verschlafen. Auf der Fahrt habe ich übrigens erstmals etwas von dem Krieg mitbekommen: Beer-Sheva, eine Studenten- und Arbeiterstadt in der Mitte der Negev-Wüste, ca. 40 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt, war ziemlich menschenleer; dort waren wenige Tage zuvor Raketen eingeschlagen. Der Busbahnhof glich allerdings mehr einem Umschlagplatz für Soldaten, ganze Busladungen von Soldatinnen und Soldaten, voll ausgestattet mit Uniform und Gewehren, wurden ein- und ausgeladen. Ich denke, in friedlicheren Zeiten ist dort nicht ganz so viel los.
In Eilat habe ich mich mit Carsten getroffen, der seit fast einer Woche in Israel ist. Gemeinsam haben wir uns zur Grenze begeben, die fünf Minuten mit dem Taxi vom Busbahnhof in Eilat entfernt liegt. Ein- und Ausreise verliefen problemlos, anschließend haben wir uns von einem Taxifahrer übers Ohr hauen lassen, der uns für einen völlig überteuerten Preis ins Wadi Rum , nord-östlich der Grenze gefahren hat. Immerhin hat der Fahrer uns für den Fahrpreis entschädigt, indem er uns seinen Kumpel (Cousin/Bruder/etc…, irgendwie scheinen dort alle verwandt zu sein) Madallah empfohlen hat, der uns für einen „special price“ in einem seiner Beduinen-Camps aufnehmen werde. Mit einigem Zögern, doch vom preislichen Charme des Angebots überzeugt (das immerhin etwa halb so teuer war wie andere, offiziell im Tourist Center buchbare ‚Pakete’), haben wir uns darauf eingelassen und wurden diesmal positiv überrascht. Madallah hat uns in sein Haus gebracht, wo wir frierend und ohne Tee eine halbe Stunde gewartet haben, bis ein Beduine mit einem klapprigen Auto kam und uns, nun schon im Dunkeln, in die Wüste gebracht hat. Unser Nachtlager hat sich dann als winziges Beduinencamp entpuppt, in dem neben uns nur noch sieben andere Gäste waren: Fünf Franzosen und zwei Japaner. Im Hauptzelt haben wir endlich den ersehnten arabischen Tee bekommen, den ich noch vom Israel-Austausch her kannte: Schwarz, mit speziellen Gewürzen und mit seeehr viel Zucker gesüßt, der aus einer großen, in der Glut stehenden Kanne in kleine Gläser gegossen wird. Genau das, was wir in dem Moment brauchten, denn die Tatsache, dass wir uns in der Wüste befanden, sollte nicht über die Tatsache hinweg täuschen, dass es ar***kalt war und ein fieser eisiger Wind durch die Ritzen der Zeltwände wehte. Später gab es dann noch Abendessen, das wir im Kreis um das Lagerfeuer auf dem Boden sitzend gegessen haben: Reis mit einer Brühe aus Möhren, Tomaten und Zuchini und gegrilltes Hühnchen, dazu Fladenbrot. Einfach, aber sehr lecker. Als alle satt waren, haben die vier anwesenden Beduinen eine Trommel und eine Art Gitarre hervorgeholt und Lieder gesungen. Die Jungs waren ungefähr Anfang 20 und haben ziemlich viel gewitzelt und nebenbei mit einem Handy herumgealbert, so dass ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, dass die sich über uns lustig machten. Und wer weiß, was die in ihren Liedern gesungen haben! Offensichtlich hatten sie aber ihren Spaß und wir hatten Lagerfeuer-Romantik mit einem Schuss arabischer (Pseudo?-)Folklore dazu. Die anbrechende Nacht im Zelt bei Minustemperaturen hätte ich sicherlich nicht überlebt, wenn Carsten mir nicht heldenhaft seinen Polar-Schlafsack geliehen hätte, mit dem er schon in Grönland auf dem Eis gepennt hat. So aber sind wir gegen neun Uhr abends ins ‚Bett’, nachdem wir noch bis kurz vorm Erfrieren den unglaublich klaren Wüsten-Sternenhimmel bewundert haben. Wenn man sich jenseits der Zivilisation mitten in der Natur befindet, richtet man sich ja plötzlich wieder nach der Sonne…
Am nächsten Tag ging es nach einem ebenfalls einfachen, aber leckeren Frühstück auf in die Wüste. Wir hatten eine vier- bis fünfstündige Jeeptour ausgehandelt, bei der unser Fahrer, einer der Beduinen vom Vorabend, uns zu den sehenswertesten Steinformationen und den wenigen kulturellen Sehenswürdigkeiten bringen sollte. Wobei ‚Jeep’ ein ziemlich beschönigender Begriff für das klapprige 4-Weel-Drive-Gefährt ist, mit dem wir durch die Wüste gerast sind:

Natürlich gibt es dort keine geteerten, offiziellen oder wenigstens ausgeschilderten Straßen. Der Fahrer wusste offensichtlich genau, auf welcher Sandpiste er welchen Berg umfahren musste, und er kannte auch die meisten Bodenwellen auf der Strecke. Die meisten, aber nicht alle, und so hat der Wagen manchmal ganz schön gekracht, wenn wir auf unseren Sitzen hoch und runter gehoppelt sind. Das Auto hatte zwar Licht, aber keine Seitenspiegel, keinen Rückspiegel, die Sitzpolster und die Armaturen waren abgeblättert, diverse lose Kabel hingen in der Gegend herum, und das härteste: Der Fahrer hatte keinen Schlüssel, sondern musste das Auto immer per Kurzschluss zünden - wie im Film. Manchen Touristen war das offenbar zu abenteuerlich, und sie haben statt dessen die traditionelleren Fortbewegungsmittel gewählt:

Denn auch darüber sollte der Begriff ‚Wüste’ nicht hinweg täuschen: Es gab nicht nur uns im menschenleeren Wadi Rum, sondern ziemlich viele andere Touristen, die in anderen Camps untergebracht waren, und die die gleichen Sehenswürdigkeiten besichtigen wollten. Und so sieht man oben im Bild auf der Steinbrücke, auf die wir natürlich auch hochgeklettert sind, wie noch ein paar andere Personen ihr Unwesen treiben. Die anderen, das waren vor allem: Franzosen und Italiener. Keine Ahnung, warum, aber besonders die Franzosen scheinen neben ihrem Faible für Israel auch eine besondere Vorliebe für Jordanien zu haben. Sie waren wirklich überall, so dass wir zum Schluss beim Versuch, einen Berg zu besteigen, uns entgegen kommende Wanderer nicht mehr mit „hello“, sondern ganz selbstverständlich mit „bonjour“ begrüßt haben. Verrückt! Naja, ein paar deutsche Wortfetzen sind mir auch zu Ohren gekommen, aber komischerweise waren das dann immer Süddeutsche oder Österreicher. Ob es zu Reisezielen und den jeweiligen Touristengruppen wohl wissenschaftliche Studien gibt? Das würde mich wirklich mal interessieren. Gegen Ende unserer Tour wollten wir noch einen Berg besteigen, auf dessen Spitze sich eine natürliche Steinbrücke ähnlich wie die auf dem Foto oben befindet. Im Reiseführer wurde aber davor gewarnt, es ohne Guide zu versuchen, weil der Weg schwierig und nicht ganz ungefährlich ist. Wir haben es trotzdem versucht, doch als das Wandern in Freeclimbing überging und wir nicht einmal mehr den Weg gefunden haben, sind wir umgedreht. Dabei ist das unten stehende Foto entstanden, auf dem ihr sowohl mich als auch die Wüste sehen könnt, die ein bisschen wie eine Mondlandschaft aussieht.

Nachdem wir uns noch eine Oase angeschaut haben, sind wir zurück zum Eingang des Nationalparks gefahren und haben dort einen Taxifahrer aufgetrieben, der uns nach Petra gefahren hat. Das ist aber eine neue Geschichte, die ich morgen erzählen werde.
