Reisebericht 2: Petra
am Mittwoch, 7. Januar 2009, 23:25 im Topic 'Israel'
So, weiter geht’s mit meinem Bericht! Dieses Mal haben wir uns nicht vom Taxifahrer abziehen lassen, im Gegenteil: Das Taxi stand beinahe pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, wie haben einen halbwegs vernünftigen Preis gezahlt und Mohammed, der Taxifahrer, hat uns an einer ‚Tankstelle’ einen „welcome tea“ spendiert. Außerdem hat er sich selbst als tourist guide verstanden und uns auf der Fahrt Wissenswertes über die umliegenden Dörfer und die historische Straße, auf der wir zum Schluss gefahren sind, erzählt und auf den tollen Sonnenuntergang hingewiesen, den wir während der Fahrt genießen konnten. Das volle Programm also, und da er so nett war, hatten wir natürlich kein Problem damit, dass er kurz vor Wadi Moussa, wo wir übernachten wollten, bei sich zu Hause vorbei gefahren ist und seine Frau eingeladen hat, die er zu Verwandten in eben diesem Ort bringen wollte. Und so haben wir auch noch mindestens zwei seiner Töchter kennen gelernt, die anscheinend gemeinsam mit ihrer Mutter in einem kleinen Lebensmittelladen arbeiten. Die Töchter waren etwa zwischen 14 und 18 Jahren alt, trugen, wie alle jordanischen Frauen, Kopftücher und lange Mäntel, sprachen aber ebenso wie Mohammed erstaunliches gutes Englisch. Sie haben mich dann auch sofort angesprochen und wir haben ein paar Nettigkeiten ausgetauscht, soweit das zwischen Tür und Angel möglich war. So eine Offenheit, oder eher Ungezwungenheit, hatte ich gar nicht erwartet.
Unsere Absteige in Wadi Moussa, dem Vorort von Petra, war zwar einigermaßen schäbig und abgeranzt, kostete aber mit Frühstück nur zehn Euro pro Person und bot, ganz wichtig bei den Temperaturen: Warmes Wasser und Zentralheizung (die allerdings in der Nacht ausgefallen ist). Nach einem weiteren „welcome tea“, dieses Mal im Hostel, haben wir ein kleines Restaurant aufgetrieben – wir hatten außer einer kleinen Packung Kekse schließlich den ganzen Tag nichts gegessen. Deswegen waren wir so auf unsere gemischten Grillteller fixiert, dass wir nicht bemerkt haben, dass außer uns alle anderen Touristen nach und nach gegangen waren und wir alleine im Restaurant saßen – gemeinsam mit einem vor sich hin bollernden Gasofen, den irgendwer fürsorglicherweise direkt neben unseren Tisch gestellt hatte, und einer handvoll Araber, die sich am Nebentisch versammelt und erst mal eine Wasserpfeife angezündet hatten. Der Koch fühlte sich durch unser langes Verweilen offenbar geschmeichelt und hat uns einen kostenlosen „turkish coffee“ und einige Stücke „backlawa“ angeboten, süßes traditionelles arabisches Gebäck. Auch aufgrund der ansonsten ziemlich gesalzenen Preise haben wir natürlich nicht abgelehnt und sind anschließend müde und satt ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag ging dann die große Sightseeing-Tour in Petra los. In die Stadt gelangt man durch eine mehr als einen Kilometer lange Felsschlucht, den so genannten „Siq“, die manchmal nur zwei Meter breit ist und einige Meter hoch. Ziemlich eng, wenn man sich den Weg mit einer riesigen Touristen-Menge teilen und außerdem ständig aufpassen muss, dass man nicht von Pony-Kutschen, Eseln oder Kamelen überrollt oder aus dem Weg geworfen wird. Die werden den Touristen nämlich alle paar Meter mit dem Wort „taxi?!“ angeboten, während kleine Kinder versuchen, Postkartenpakete an den oder die Europäer/in zu bringen. Ganz schön anstrengend, dieses Treiben, das der Lonely Planet treffend als „hard-sell“ bezeichnet. Trotzdem war es schließlich sehr beeindruckend, als wir am Ende des Siq angekommen waren und plötzlich vor der Front eines riesigen Tempels standen, der nicht etwa aus Steinen gebaut wurde, sondern vor 2.000 Jahren aus dem Felsen herausgehauen wurde:

Petra ist sehr weitläufig, man muss den ganzen Tag unterwegs sein, um alle Gräber und Ruinen zu sehen, und dann auch noch die ganzen Berge hoch und runter, alles in Eiseskälte… Ziemlich anstrengend. Es gibt nicht nur Gräber, sondern z. B. auch ein Theater, die Reste eines Marktes und einer römischen Straße und verschiedene Tempelanlagen, deren Bedeutung auch heute noch nicht feststeht. Das Dorfzentrum sieht so aus:

Das beeindruckendste Gebäude befindet sich allerdings ein bisschen weiter abseits, auf einem der höchsten Berge des Geländes. Es lohnt sich aber tatsächlich, die müden Beine noch einmal so richtig zu quälen und die mehr als 800 unebenen Stufen zu erklimmen, die einige Wagemutige auf Eseln herauf- und, was noch viel halsbrecherischer ist, wieder hinunter reiten. Denn zum Schluss erwartet einen dieser Anblick:

Dieses Bauwerk wird als „Monastry“ bezeichnet und ist 40 Meter hoch. Früher konnte man sogar bis auf die Spitze klettern, doch das ist verboten, seit vor einigen Jahren eine Touristin herunter gestürzt und gestorben ist. Ich glaube, auch bei diesem Tempel ist nicht ganz klar, welchem Zweck er eigentlich diente, es haben dort wohl religiöse Versammlungen stattgefunden oder so ähnlich. Tatsache ist jedoch, dass auch hier das gesamte Bauwerk aus dem Felsen herausgehauen wurde, was ich wirklich beeindruckend finde. Beeindruckend war allerdings auch, wie die von der Kletterei erschöpften Touristen oben am Berg – ihr ahnt es schon – einmal mehr übers Ohr gehauen wurden. Carsten und ich hatten schon wieder seit dem Frühstück früh morgens um halb acht nichts gegessen und sehnten uns danach, wenigstens eine Kleinigkeit in den Magen zu bekommen. Doch als die geschäftstüchtigen Herren für einen Bounty-Riegel mehr als zwei Euro verlangten, haben wir (leider nur sprichwörtlich) in den sauren Apfel gebissen und uns mit knurrenden Mägen auf den letzten Anstieg begeben, der zur „top of the world“ führte.

Dort hatte ein Jordanier ein Zelt aufgebaut, in dem er Schmuck und Tee und allerlei Touri-Zeug verkaufte. Bemerkenswerter als die Verkaufsgegenstände war allerdings der Verkäufer selbst, der, mit langen Haaren, Lidstrich unter und einen irren Blick in den Augen und einem Patronengürtel um die Hüfte (?!) aussah wie Jack Sparrows jüngerer Bruder. Ich habe kein Foto gemacht, weil der Typ, so wie er auf dem Berg herum gesprungen ist, sich offensichtlich selbst ziemlich toll fand und ich ihn in dieser Meinung nicht noch bestärken wollte. Letztendlich hat aber dieser merkwürdige Mensch die tolle Sicht ins Wadi Araba bis nach Israel nicht beeinträchtigt, und bei Einbruch der Dunkelheit hat er seine Siebensachen zusammen gepackt und ist von dannen gezogen. Wir haben dem eisigen Wind und der Kälte getrotzt und ungeduldig auf den Sonnenuntergang gewartet, der unsere Ausdauer ziemlich auf die Probe gestellt hat. Als die Sonne endlich weg war und einen wunderschönen abendroten Himmel hinterlassen hatte, sind wir verfroren und hungrig und manchmal ein bisschen orientierungslos in der Dämmerung den Berg herunter gestolpert und ins Wadi Moussa (Essen!) zurück gestiefelt. Ganz schön gruselig, so alleine im stockdunklen Siq, der manchmal nur durch ein bisschen Mondlich beleuchtet wurde…
Am nächsten Morgen hat Carsten mich zum Minibus nach Aqaba gebracht: Die Minibusse mit etwa 20 Sitzplätzen fahren immer morgens in Petra los, wenn die meisten Plätze besetzt sind, und das ist natürlich viel günstiger, als ein Taxi zu nehmen. In Aqaba musste ich dann nur noch fünf Minuten mit einem Taxi zur Grenze fahren. Es hat zwar alles gut geklappt, aber trotz meines Schals, den ich der Kälte wegen als Kopftuch zweckentfremdet hatte, und obwohl ich keinem Mann ins Gesicht geguckt und eigentlich alles um mich herum ignoriert habe, kam mir die Fahrt seltsam vor. So ganz alleine als weibliche Touristin in einem arabischen Land unterwegs zu sein hatte ich mir irgendwie weniger beklemmend vorgestellt. Insofern war ich erleichtert, als ich ohne Probleme die israelische Grenze überquert hatte und habe mich ein bisschen gefühlt, als würde ich nach Hause kommen. Da der nächste Bus nach Tel Aviv erst in eineinhalb Stunden losfuhr, konnte ich mich noch ein Stündchen an den Strand von Eilat setzen, und das war, angesichts der ganzen dicken, halbnackten europäischen und amerikanischen Pauschaltouristen doch im ersten Augenblick ein kleiner Kulturschock. Aber auch den habe ich überwunden, ebenso wie den letzten langen Abschnitt meiner Reise zurück nach Tel Aviv.
Unsere Absteige in Wadi Moussa, dem Vorort von Petra, war zwar einigermaßen schäbig und abgeranzt, kostete aber mit Frühstück nur zehn Euro pro Person und bot, ganz wichtig bei den Temperaturen: Warmes Wasser und Zentralheizung (die allerdings in der Nacht ausgefallen ist). Nach einem weiteren „welcome tea“, dieses Mal im Hostel, haben wir ein kleines Restaurant aufgetrieben – wir hatten außer einer kleinen Packung Kekse schließlich den ganzen Tag nichts gegessen. Deswegen waren wir so auf unsere gemischten Grillteller fixiert, dass wir nicht bemerkt haben, dass außer uns alle anderen Touristen nach und nach gegangen waren und wir alleine im Restaurant saßen – gemeinsam mit einem vor sich hin bollernden Gasofen, den irgendwer fürsorglicherweise direkt neben unseren Tisch gestellt hatte, und einer handvoll Araber, die sich am Nebentisch versammelt und erst mal eine Wasserpfeife angezündet hatten. Der Koch fühlte sich durch unser langes Verweilen offenbar geschmeichelt und hat uns einen kostenlosen „turkish coffee“ und einige Stücke „backlawa“ angeboten, süßes traditionelles arabisches Gebäck. Auch aufgrund der ansonsten ziemlich gesalzenen Preise haben wir natürlich nicht abgelehnt und sind anschließend müde und satt ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag ging dann die große Sightseeing-Tour in Petra los. In die Stadt gelangt man durch eine mehr als einen Kilometer lange Felsschlucht, den so genannten „Siq“, die manchmal nur zwei Meter breit ist und einige Meter hoch. Ziemlich eng, wenn man sich den Weg mit einer riesigen Touristen-Menge teilen und außerdem ständig aufpassen muss, dass man nicht von Pony-Kutschen, Eseln oder Kamelen überrollt oder aus dem Weg geworfen wird. Die werden den Touristen nämlich alle paar Meter mit dem Wort „taxi?!“ angeboten, während kleine Kinder versuchen, Postkartenpakete an den oder die Europäer/in zu bringen. Ganz schön anstrengend, dieses Treiben, das der Lonely Planet treffend als „hard-sell“ bezeichnet. Trotzdem war es schließlich sehr beeindruckend, als wir am Ende des Siq angekommen waren und plötzlich vor der Front eines riesigen Tempels standen, der nicht etwa aus Steinen gebaut wurde, sondern vor 2.000 Jahren aus dem Felsen herausgehauen wurde:

Petra ist sehr weitläufig, man muss den ganzen Tag unterwegs sein, um alle Gräber und Ruinen zu sehen, und dann auch noch die ganzen Berge hoch und runter, alles in Eiseskälte… Ziemlich anstrengend. Es gibt nicht nur Gräber, sondern z. B. auch ein Theater, die Reste eines Marktes und einer römischen Straße und verschiedene Tempelanlagen, deren Bedeutung auch heute noch nicht feststeht. Das Dorfzentrum sieht so aus:

Das beeindruckendste Gebäude befindet sich allerdings ein bisschen weiter abseits, auf einem der höchsten Berge des Geländes. Es lohnt sich aber tatsächlich, die müden Beine noch einmal so richtig zu quälen und die mehr als 800 unebenen Stufen zu erklimmen, die einige Wagemutige auf Eseln herauf- und, was noch viel halsbrecherischer ist, wieder hinunter reiten. Denn zum Schluss erwartet einen dieser Anblick:

Dieses Bauwerk wird als „Monastry“ bezeichnet und ist 40 Meter hoch. Früher konnte man sogar bis auf die Spitze klettern, doch das ist verboten, seit vor einigen Jahren eine Touristin herunter gestürzt und gestorben ist. Ich glaube, auch bei diesem Tempel ist nicht ganz klar, welchem Zweck er eigentlich diente, es haben dort wohl religiöse Versammlungen stattgefunden oder so ähnlich. Tatsache ist jedoch, dass auch hier das gesamte Bauwerk aus dem Felsen herausgehauen wurde, was ich wirklich beeindruckend finde. Beeindruckend war allerdings auch, wie die von der Kletterei erschöpften Touristen oben am Berg – ihr ahnt es schon – einmal mehr übers Ohr gehauen wurden. Carsten und ich hatten schon wieder seit dem Frühstück früh morgens um halb acht nichts gegessen und sehnten uns danach, wenigstens eine Kleinigkeit in den Magen zu bekommen. Doch als die geschäftstüchtigen Herren für einen Bounty-Riegel mehr als zwei Euro verlangten, haben wir (leider nur sprichwörtlich) in den sauren Apfel gebissen und uns mit knurrenden Mägen auf den letzten Anstieg begeben, der zur „top of the world“ führte.

Dort hatte ein Jordanier ein Zelt aufgebaut, in dem er Schmuck und Tee und allerlei Touri-Zeug verkaufte. Bemerkenswerter als die Verkaufsgegenstände war allerdings der Verkäufer selbst, der, mit langen Haaren, Lidstrich unter und einen irren Blick in den Augen und einem Patronengürtel um die Hüfte (?!) aussah wie Jack Sparrows jüngerer Bruder. Ich habe kein Foto gemacht, weil der Typ, so wie er auf dem Berg herum gesprungen ist, sich offensichtlich selbst ziemlich toll fand und ich ihn in dieser Meinung nicht noch bestärken wollte. Letztendlich hat aber dieser merkwürdige Mensch die tolle Sicht ins Wadi Araba bis nach Israel nicht beeinträchtigt, und bei Einbruch der Dunkelheit hat er seine Siebensachen zusammen gepackt und ist von dannen gezogen. Wir haben dem eisigen Wind und der Kälte getrotzt und ungeduldig auf den Sonnenuntergang gewartet, der unsere Ausdauer ziemlich auf die Probe gestellt hat. Als die Sonne endlich weg war und einen wunderschönen abendroten Himmel hinterlassen hatte, sind wir verfroren und hungrig und manchmal ein bisschen orientierungslos in der Dämmerung den Berg herunter gestolpert und ins Wadi Moussa (Essen!) zurück gestiefelt. Ganz schön gruselig, so alleine im stockdunklen Siq, der manchmal nur durch ein bisschen Mondlich beleuchtet wurde…
Am nächsten Morgen hat Carsten mich zum Minibus nach Aqaba gebracht: Die Minibusse mit etwa 20 Sitzplätzen fahren immer morgens in Petra los, wenn die meisten Plätze besetzt sind, und das ist natürlich viel günstiger, als ein Taxi zu nehmen. In Aqaba musste ich dann nur noch fünf Minuten mit einem Taxi zur Grenze fahren. Es hat zwar alles gut geklappt, aber trotz meines Schals, den ich der Kälte wegen als Kopftuch zweckentfremdet hatte, und obwohl ich keinem Mann ins Gesicht geguckt und eigentlich alles um mich herum ignoriert habe, kam mir die Fahrt seltsam vor. So ganz alleine als weibliche Touristin in einem arabischen Land unterwegs zu sein hatte ich mir irgendwie weniger beklemmend vorgestellt. Insofern war ich erleichtert, als ich ohne Probleme die israelische Grenze überquert hatte und habe mich ein bisschen gefühlt, als würde ich nach Hause kommen. Da der nächste Bus nach Tel Aviv erst in eineinhalb Stunden losfuhr, konnte ich mich noch ein Stündchen an den Strand von Eilat setzen, und das war, angesichts der ganzen dicken, halbnackten europäischen und amerikanischen Pauschaltouristen doch im ersten Augenblick ein kleiner Kulturschock. Aber auch den habe ich überwunden, ebenso wie den letzten langen Abschnitt meiner Reise zurück nach Tel Aviv.
hierunddort,
Donnerstag, 8. Januar 2009, 09:33
trotz kälte und überteuertem essen klingt das alles suuuuper. du kannst dir vorstellen, wie neidisch ich gerade bin ;)
ah, und endlich, gab es mal baklava ;) lg aus dem kältesten bundesland deutschlands
ah, und endlich, gab es mal baklava ;) lg aus dem kältesten bundesland deutschlands
juliaunterwegs,
Donnerstag, 8. Januar 2009, 18:34
Hi, deine tollen Berichte der Reiseerlebnisse lassen mein Interesse an außereuropäischen Zielen immens wachsen. Die
Bilder von Petra sind wie dem Geschichtsbuch entsprungen. Das alles ,,live" zu erleben ist schon gigantisch. Ich werde deine Berichte demnächst vermissen. Trotzdem bin ich froh, wenn du wieder in erreichbarer Nähe bist. a.d.
Bilder von Petra sind wie dem Geschichtsbuch entsprungen. Das alles ,,live" zu erleben ist schon gigantisch. Ich werde deine Berichte demnächst vermissen. Trotzdem bin ich froh, wenn du wieder in erreichbarer Nähe bist. a.d.
