Julia unterwegs
Die Stadt der Superlative
Puh, Mexico schlaucht ganz schoen. Das liegt zum einen daran, dass ich im Moment noch ziemlich unternehmungslustig und motoviert bin und deshalb schon viel gemacht habe, und zum anderen daran, dass hier einfach alles ein bisschen ueberdimensioniert ist. Von der Uni, die so gross ist wie der ganze Vatikan und natuerlich die groesste in Lateinamerika, hatte ich ja schon erzaehlt. Ansonsten gibt es hier noch die groesste Kirche in Lateinamerika, in deren Innenraum 4.000 Leute reinpassen und die die am zweithaeufigsten besuchte nach dem Petersdom ist. Ausserdem ist der Zocalo, der Platz im Zentrum der Stadt, der drittgroesste der Welt nach dem Platz in Moskau und in Peking. Am Rand des Zocalos steht das aelteste koloniale Bauwerk der Welt, naemlich die Cathedrale, auf die ich gerade blicke. Aussderdem gibt es hier eines der grossten Postaemter der Welt, und die Pyramiden von Teotihuacan oder so aehnlich (ich kann mir diese aztekischen Namen einfach nicht merken), eineinhalb Stunden Autofahrt von Mexico-Stadt entfernt, sind die aeltesten Azteken-Pyramiden, die bisher gefunden wurden. Das alles liegt vieleicht daran, dass Mexico-City mit mehr als 20 Millionen Einwohnern eine der groesten Staedte der Welt ist... Aber der Reihe nach:
Gestern habe ich an einer vom Hostel organisierten Tour nach Teotihuacan teilgenommen. Im Kleinbus waren wir zu zehnt, neben mir noch drei Paare vom Hostel, und drei andere Personen aus einem anderen Hotel. Eines der Paare von hier ist schon Anfang 60 und steht am Anfang einer fuenfmonatigen Weltreise. Cool. Auf dem Weg lagen eine alte Azteken-Ruine in der Stadt, die aber nur noch in den Grundfesten erhalten war, weil die spanischen Eroberer daraus nebenan eine Kirche gebaut hatten. Weiter gings zu den Kirchen der Lady Guadalupe, die oben erwaehnte zweitwichtigste Kirche der Katholiken. Hier soll einem Indio vier Mal die Jungfrau Maria erschienen sein. Natuerlich hat ihm keiner geglaubt, bis er beim vierten Mal, so wie Maria es ihm eingefluestert hatte, vor einem Priester seinen mit Blumen gefuellten Poncho ausgebreitet hat und auf dem Poncho das Abbild Marias zu sehen war. Ob man es nun glaubt oder nicht, der Poncho haengt in einer der Kirchen und kann dort von den Glaeubigen und/oder Touristen, die auf Rolltreppen (!) daran vorbei fahren, bestaunt und fotografiert werden. An jeder Stelle, an der der Indio die Erscheinung hatte, steht eine Kirche. Die haben wir alle besichtigt, und da sich das Ganze auf einem Berg befindet, hatte man auch noch einen schoenen Blick auf die Stadt. Anschliessend sind wir zu einem Dorf unmittelbar vor den Pyramiden gefahren, wo wir einen kleinen Mittagssnack hatten, der zur Ueberraschung aller im Preis inbegriffen war. Aber nicht nur das: Ein bisschen Folklore war auch dabei, als ein Mann uns vor dem Essen erklaert und demonstriert hat, was die indigene Bevoelkerung alles aus den Kakteen macht, die hier ueberall herum stehen: Alles moeglichen Stoffe, von Gewaendern ueber Tischdecken bis hin zu geflochtenen Taschen, Papier, Speisen (die wir ja anschliessend probieren durften) und, nicht zuletzt: Tequila und zwei andere Getraenke, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Da gabs natuerlich auch eine Verkostung :-) Nach einer kleinen Kunsthandwerkshow haben wir gegessen und unser Fahrer ist spontan zum Saenger mutiert und hat mit zwei anderen Mariachi-Freunden ein kleines Staendchen gegeben. Nach dem Essen dann endlich die Pyramiden. Das ganze befindet sich auf einem riesigen Areal (4 km breit) und ist wirklich beeindruckend. Nicht nur wegen der Hoehe, sondern auch wegen der architektonischen Praezision, die sogar mathematisch beweisbar ist. Die beiden groessten Pyramiden, 64 und etwa 30 Meter hoch, wurden zur Ehre der Sonne und des Mondes bzw. deren Goetter gebaut. Neben den Pyramiden gibt es Reste der Haeuser der Priester und anderer Gebaeude, und die Erklaerungen des tour guides haben eindrucksvoll deutlich gemacht, was fuer eine Hochkultur es damals schon gab. Beeindruckend ist auch, dass ich die 64 Meter bzw. 231 Stufen hohe Sonnen-Pyramide komplett und die Mond-Pyramide zur Haelfte erklommen habe. Die Stufen waren verdammt hoch, und meine Beine tun heute verdammt weh. Den anderen ging es wohl aehnlich, deswegen sind wir ziemlich still im Abendverkehr nach Hause gefahren. Abgesehen von unserem musikalischen Fahrer, der die Lieder von Manu Chao und Mana unbedingt mitsingen musste und deswegen auf dem Highway eine Ausfahrt verpasst hat. Aber kein Problem: Wir waren schliesslich nicht die einzigen und sind in einer Kolonne mit ein paar anderen Autos auf dem nicht vorhandenen Seitenstreifen rueckwaerts zur richtigen Ausfahrt zurueck gefahren...



Heute habe ich dann an einer vom Hostel organisierten kostenlosen Walking Tour durch das historische Zentrum teilgenommen. Die hat nuns zu verschiedenen Sehenswuerdigkeiten, in der Regel Gebaeuden gefuehrt und war in der letzten Haelfte voll gespickt mit Tipps, wo man z. B. die ganze Nacht ueber Tacos essen kann... Dabei haben wir auch einen Laden besichtigt, in dem es unglaublich viele unglaublich krasse Torten gab. Im ersten Obergeschoss waren wirklich nur Torten fuer alle moeglichen Anlaesse ausgestellt: Von der Taufe ueber den Kindergeburtstag bis zur Hochzeit. Und ohne Scheiss: Die waren bis zu 1,50 Meter hoch und teilweise 25 Kilo schwer!!! Im Erdgeschoss gab es eine wahnsinnige Auswahl an Teilchen und kleineren Kuchen, und da konnte ich nicht widerstehen und habe mir einen kleinen Riesen-Muffin gekauft:



Anschliessend bin ich noch ins Museum vom Mann von Frida Kahlo gegangen, der Diego Rivera heisst. Ausser einem riesigen Wandgemaelde war es eher maessig spannend. Da der Eintritt mit Studi-Ausweis aber frei war, war es ok. Auf dem Rueckweg musste ich diverse Umwehe gehen, und zwar nicht, weil ich mich verlaufen hatte, sondern weil auf dem Zocalo eine riesige (gewerkschaftliche?) Demonstration in Gange war und ich nicht an den Polizeisperren vorbei kam. Irgendwann hatte ich genug und hab mich einfach unter die Demonstranten gemischt und konnte so die Strassenseite ueberqueren :-)

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juliaunterwegs, Montag, 2. Februar 2009, 00:53
Hi, habe gerade deine Berichte entdeckt und kurz überflogen, da ich ziemlich müde bin und in weniger als 5 Stunden schon wieder
vom Wecker deines Bruders gestört werde. Bin froh und beruhigt, dass die ersten Eindrücke so toll sind und hoffe , dass es das auch weiterhin bleibt. Ich werde morgen nach der Schule gleich Computer und Kaffeemaschine anwerfen und dann in Ruhe deine
Berichte lesen. Freue mich jetzt schon darauf. Aber erst muss ich
noch meine lahmen wochenendgeschädigten Schüler auf Trab bringen. Drauf freue ich mich nicht so. Aber was solls? Ohne die wäre das Leben ziemlich öde. Gute Nacht. A.D.

papa droege, Montag, 2. Februar 2009, 15:11
Hallo Julia, endlich wieder Lebenszeichen aus der Neuen Welt, die in den nächsten Wochen für Dich sicher noch s o viel Neues bereithalten wird. Dafür alles Gute - ich bin sehr gespannt auf weitere interessante Informationen von juliaunterwegs. Herzlichen Gruß aus der Alten Welt!

juliad, Montag, 2. Februar 2009, 18:34
Hier gibt es soooo viel Geschichte - Mexiko ist alles andere als eine 'neue Welt'!!!