Julia unterwegs
Eine andere Welt
Gestern Nachmittag bin ich in Flores, auf einer Halbinsel im Norden von Guatemala (El Petén) angekommen. Ich wollte eigentlich noch gestern weiter nach Tikal, die angeblich beeindruckendsten Maya-Pyramiden, dort am Eingang campen und dann mit Esmeralda und Julietta frueh morgens im 5, nachdem die Polizei das Gelaende nach Banditen durchsucht hat, den Sonnenaufgang beobachten. Das war zumindest zumindest der Plan.

Nach einer echt aetzenden Nacht (bin wegen Laerms schon um vier Uhr morgens aufgewacht, wir mussten aber "erst" um sechs in den Bus steigen), drei unbequemen Stunden auf einer kurvigen Strasse im Minibus, dem Immigration-Prozedere auf der mexikanischen Seite, einer halben Stunde Warten, einer halben Stunde auf einem Boot (siehe Foto vom Grenzfluss, dessen Name ich gerade vergessen habe),



einer halben Stunde Warten auf den Bus auf der guatemalischen Seite, vier Stunden Busfahrt auf einer unbefestigten Strasse (nur 27 Prozent der Strassen hier sind geteert, habe ich irgendwo gelesen) in einem Bus, der seine schoensten Jahre wahrscheinlich in den 50ern erleben durfte und dementsprechend wahnsinnig laut und rumpelig war und zwischendurch das leicht chaotische Immigration-Prozedere in Guatemala (seltsamerweise sprachen die Gernzbeamten akzentfreies amerikanisches Englisch...) waren wir gegen 4 in Flores. Ich hatte einigermassen gut geplant und nur noch wenge mexikanische Pesos, die ich an der Grenze getauscht habe. Das haette allerdings laengst nicht gereicht, um mit den anderen nach Tikal zu fahren und den Eintrit dort zu bezahlen, der wahnsinnig teuer ist. Und dummerweise hatte ich voellig vergessen, dass gestern Sonntag und dementsprechend alle Banken geschlossen waren. Deswegen habe ich mich erst mal in einem wirklich schoenen kleinen Hostel einquartiert, das zur selben Kette gehoert wie mein Hostel in Mexiko-Stadt. Abends habe ich mich dann auf die Suche nach einem Geldautomaten gemacht, doch beide haben kein Geld ausgespuckt. Da stand ich natuerlich ganz schoen doof da, meine Not-US-Dollars wollte ich nicht ausgeben bzw. fuer die Grenzuebertritte aufbewaren, aber die erste Nacht und ein Abendessen konnte ich gluecklicherweise mit Euros bezahlen. Diverse Menschen haben mir angeboten, dass sie mir Geld leihen koennen, aber es ist natuerlich ein echt bloedes Gefuehl, voellig ohne Waehrung zu sein. Da merkt man erst mal, wie sehr man vom Geld abhaengt. Naja, und deswegen bin ich auch heute morgen noch nicht nach Tikal gefahren, denn ich musste erst mal mein Geld-Problem loesen um mich wieder einigermassen entspannen zu koennen. Denn dass meine Kredit-Karte nicht ueberbelastet war, konnte ich im Internet sehen.

Heute bin ich dann durch die halbe benachbarte Stadt gewandert und habe mich bei diversen Banken zu einer Bank durchgefragt, deren Automaten meine Visa-Card akzeptieren. Das System habe ich nicht ganz verstanden, denn gestern sind zwei deutsche Maedels mit mir gekommen, die, ebenfalls mit Visa, keinerlei Probleme hatten. Letztendlich hat es auch geklappt, aber jetzt sitze ich gerade mit etwa 100 Euro in der Tasche im Internet-Café und das ist auch kein schoenes Gefuehl.

Es ist ohnehin komisch: Ich komme mir hier gerade nicht so besonders bedroht vor und habe gestern im Dorm zwei allein reisende Maedels getroffen, die von Guatemala so begeistert waren, dass sie viel laenger als geplant geblieben sind. Aber da mir alle so viel Angst gemacht haben (und ich mir selber ja auch) fuehle ich mich trotzdem nicht so richtig wohl. Ist wohl eher so ein Kopf-Ding, obwohl natuerlich der Wachmann mit Maschinengewehr vor Burger King und die jeweils zwei mit Pistolen bewaffneten Sicherheitsleute vor und in den Banken nicht gerade Vertrauen erwecken. Sollte ich ja eigentlich von Israel gewohnt sein, aber irgendwie... Abgesehen von den "Sicherheitsmassenahmen" ist Guatemala auf den ersten Eindruck sehr anders als Mexiko. Die Leute sind viel aermer, es scheint insgesamt viel weniger entwickelt zu sein und das sieht man am Zustand der Strassen, Haeuser und Autos.

Meine Plaene fuer Guatemala mache ich davon abhaengig, wie sich mein Gefuehl weiter entwickelt. Ich habe aber schon einige Orte im Kopf, die ich gerne sehen moechte, und die mir von verschiedenen Leuten empfohlen wurden. Morgen werde ich erst mal nach Tikal fahren, wahrscheinlich mit einer Tour vom Hostel aus. Das ist zwar teurer als alleine, aber dafuer habe ich direkt noch einen guide dabei und letztendlich bringt das mehr, als wenn man alleine dort herum wandert, wie ich in Palenque gesehen habe. Jetzt muss ich aber erst mal meine 1.000 Quedzales oder so (ich kann mir den Namen der Waehrung nicht merken und denke immer an Quesadillos :-) sicher nach Hause bringen...

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markus_tlv, Mittwoch, 18. Februar 2009, 00:54
Hallo Julia,
sehr cool zu lesen wie es dir so geht, und ich bin beruhigt dass deine Einreise ohne größere Probleme vonstatten ging ;-)
Hier haben wir grade ein paar verregnete Tage, heute waren wir im King George sozusagen für ein kleines Abschiedsessen für Frank, war sehr nett und wie immer floss das Goldstar in Strömen... naja.
So und jetzt hab ich eine Frage... ich habe heute versucht deine SIM-Karte an Rebecca weiterzuleiten, aber sie meinte sie hat schon eine und hat keinen Bedarf. Hast du einen Wunsch was mit ihr passieren soll? Frank könnte sie mitnehmen nach Berlin wenn du willst, ansonsten würde ich sie auch für dich "aufbewahren"und vielleicht an jemanden weitergeben... kannst du dir ja überlegen (aber am besten bald weil Frank fliegt am Freitag).
Ich hoffe dir geht es gut, viele Grüße aus dem immer noch schönen aber nasskalten Israel, und noch eine gute Zeit wünscht
Markus