Julia unterwegs
Unverhofft kommt oft
Da bin ich gestern wieder in Antigua gelandet, und morgen Mittag geht es weiter nach Copan in Honduras. War echt nett, wieder hierher zu kommen, an einen Ort, der mal nicht ganz fremd ist. Es ist echt schoen hier, wenn es auch heute furchtbar heiss und ich ein bisschen neben der Spur war, wegen dem Dauerschnupfen (mittlerweile denke ich, es ist Heuschnupfen?) und weil ich gestern Abend mit einem Oesterreicher unterwegs war, erst den Film "Der Drachenlaeufer" auf arabisch mit spanischem und englischem Untertitel gucken (!) und dann noch was trinken in einer winzigen, aber grandiosen Bar mit dem Namen "Cafe no se" (Cafe ich weiss nicht), auf dessen Getraenkekarten so lustige Hinweise wie "We don't serve fucking Mojitos" standen und Schilder mit "No smoking (sad but true)" an den Waenden. Hat Spass gemacht. Zurueck im Hostel habe ich wahrscheinlich den Hass aller Zimmerkameraden auf mich gezogen, als ich in der Dunkelheit (natuerlich im Bemuehen, leise zu sein) erst gegen einen Rucksack geknallt bin, anschliessend irrtuemlich zwei Mal irgendwelche fremden Fuesse in der Hand hatte, weil ich dachte, ich sei schon an meinem Bett angekommen, und schliesslich ziemlich lange mit der Taschenlampe herumgeleuchtet hab, weil ich nachmittags meinen Rucksack auf der Suche nach irgendetwas auf meinem Bett ausgeleert hatte und den ganzen Kram erst mal runter raeumen musste. Aber naja, das passiert, und ich musste auch schon einige ruecksichtslose "Beischlaefer" ertragen...

Vor der Fahrt zurueck nach Antigua bin ich gestern Morgen auf die besagte Kaffeetour gegangen. Die war anders als erwartet. Ich war der einzige Gast und hatte somit einen persoenlichen Guide, Jose, der mich durch die Berge oberhalb von San Pedro gefuehrt und mir erklaert hat, wann die Kaffeepflanzen geerntet werden koennen (wenn sie rot sind, wie auf dem Bild).



Ich durfte selbst eine Beere pfluecken und reinbeissen um die beiden Bohnen freizulegen, und der schwierige Part war, die Schale um die Bohne ebenfalls zu entfernen. Denn der gute Kaffee, der nach Europa und in die USA geht, ist der ohne Schale. Das sieht dann so aus:



Inhaltlich war das aber auch schon mehr oder weniger das Ende der Tour. Ich hatt erwartet, dass wir auch eine Finca besuchen und sehen, wie der Kaffee geroestet wird, inklusive einer Verkostung natuerlich, aber das stand offensichtlich nicht auf dem Programm. Ich habe noch etwas darueber erfahren, wie lange die Kaffeepflanzen brauchen, um gross zu werden, welcher Kaffee in welcher Lage wie schmeckt und dass auf den Plantagen nicht nur Kaffeepflanzen, sondern auch Avocado-Baeume stehen, damit keine Monokultur mit negativen Folgen fuer die Umwelt entsteht. Naja, ein bisschen enttaeuscht war ich schon, aber andererseits war es nett, durch die Berge zu wandern (laut Jose auf einem Pfad, auf dem schon Che Guevara gewandelt ist...) und nicht in einer Gruppe mit einem Auto irgendwo hingefahren zu werden. Aussderdem sollte die Tour urspruenglich auf Englisch sein, war dann aber fast komplett auf Spanisch (stolz), und als Jose nichts mehr ueber den Kaffee zu erzaehlen wusste haben wir uns ueber alles andere moegliche unterhalten. Das verbuche ich unter "in die Kultur hineingeschnuppert", und das war wesentlich angenehmer, als mein Zusammenstoss mit der lateinamerikanischen (wohl eher nicht guatemalischen Kultur) von vorgestern:
Da bin ich, auf der verzweifelten Suche nach einem Kaffee, in eine Kneipe gestolpert, in der lateinamerikanische Musik lief und in der ausser dem Barmann - niemand war. Man hat sich, wie das hier oft ueblich ist, gegenseitig vorgestellt (wie heisst du, wo kommst du her...), ich habe meinen Kaffee geordert und dann meinte der gute Mensch, er muesse mir Salsa beibringen. Eine solche unheimliche Begebenheit hat sich schon mal zugetragen, als ich im Hostel in Mexiko-Stadt abends nach dem Essen ploetzlich von einem Typen, den ich noch nie vorher und nie wieder nachher gesehen habe, und der mindestens eineinhalb Koepfe kleiner war als ich, auf die tanzflaeche gezerrt und so doll herumgewirbelt wurde (eine bestimmte Schrittfolge konnte ich nicht ausmachen), dass mir - wie gesagt, nach dem Essen - schlecht geworden ist. Ich will natuerlich nicht den distanzierten Touristen geben, der nur Fotos schiesst und sich nicht wirklich fuer das Land und seine Leute interessiert, und so habe ich auch diesmal wieder gute Miene zum boesen Spiel gemacht und wieder einmal gemerkt, dass ich kein Talent zum Tanzen und erst recht kein Rythmus-Gefuehl besitze. Zum Glueck ist mir mein Capuccino eingefallen, der einsam auf der Theke vor sich hin abkuehlte, und so konnte ich mich der privaten Salsa-Stunde ohne groesseren Schaden entziehen. Puh!

Heute habe ich im Grossen und ganzen einen ruhigen Tag geschoben, Waesche waschen lassen, Internet, ein bisschen gelesen, das Projekt Selbstverpflegung weiter fortgesetzt, und, ihr ahnt es vielleicht schon: Esmeralda und Julietta, die beiden Argentinierinnen, die ich in Tikal aus den Augen verloren hatte, wieder getroffen. Zu guter Letzt schlafen wir heute nochmal im gleichen Schlafsaal, das ist wirklich lustig. Und jetzt gehe ich erst mal ins Bett, ich bin todmuede und kann mittlerweile auch bei Licht und Trubel um mich herum auch schon im neun Uhr abends schlafen. In diesem Sinne: Gute Nacht!

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papa droege, Samstag, 28. Februar 2009, 18:18
Dschungel, Kunstmuseen, Kaffeeplantage, Privatguide, Salsa, Höhlen bei Kerzenschein, Vulkan mit Eruptionsrisiko... - das sind Sachen! Deine Reise, besser: Expedition, hält offensichtlich eine ganze Menge nicht planbarer Überraschungen bereit. Was Du Dir zutraust (will nicht sagen: riskierst) ist ja beachtlich. Wünsche Dir einen reibungslosen und doch weiterhin so interessanten Verlauf der nächsten Wochen und uns weitere spannende Einblicke und Informationen zu Mittelamerika von juliaunterwegs. Alles Gute über den Großen Teich!