Julia unterwegs
Von wegen Banana-Republic
Oh Man, ich bin ein bisschen durch die Hoelle gegangen in den letzten Tagen. Naja, das ist etwas uebertrieben. Aber von Anfang an: In Tela hat es mir ganz gut gefallen, und so bin ich noch einen Tag laenger und nicht nur zum Umsteigen geblieben. Die Stadt hat nichts besonderes, aber gerade deshalb fand ich es ganz gut. Es waren angenehm wenig Touristen unterwegs, und ich vermute, das war einfach mal ein Stueck richtiges Honduras. Zwar war dasWetter (ungewoehnlich fuer diese Jahreszeit, wie mir versichert wurde) immer noch schlecht, und der Sturm, den wir auf Utila hatten und der die Wasserversorgung des Hostelsin Tela lahmgelegt hat, war wohl ein Hurricane. Aber im Hostel hab ich mich ganz wohl gefuehlt, war auch nicht so teuer, und in der Stadt hab ich ein Buero aufgetrieben, das Touren veranstaltet. Und so habe ich mich am naechsten Tag mit einem kanadischen Paerchen und unserem Guide in einen Nationalpark zum Kayak fahren in den Mangrovenwaeldern aufgemacht, und zum Voegel, Krokodile und Affen gucken. Das war zumindest der Plan, wegen des schlechten Wetters - zwischendruch hat es sogar ein bisschen geregnet - haben wir nur Voegel und Schmetterlinge zu Gesicht bekommen.



Nach der Kayak-Tour haben wir ein Garifuna-Dorf angeschaut. In diesen Doerfern leben hauptsaechlich Abkoemmlinge von frueher geflohenen Sklaven, und traditionell leben die meisten Leute dort von der Fischerei. Anschliessend haben wir uns an einem einsamen und ziemlich sauberen (!)Strand lang gemacht, und puenktlich zum Sonnen baden kam dann die Sonne raus. Ich habe ein bisschen im Meer geplanscht (schwimmen war wegen der Wellen kaum moeglich) und mir einen Sonnenbrand geholt und spaeter bekam Mark, der Guide (auf dem Foto hinter mir), einen Anruf, dass seine Frau gerade einen Sohn bekommen hat. Schoen. Wieder zurueck in Tela bin ich beim Herumspazieren auf Strassen-Schmuck-Verkaeufer gestossen, denen ich bloss eine Frage stellen wollte und mit denen ich mich dann lange unterhalten hab. Und dann hab ich mir noch den Sonenuntergang angeschaut:



Eine Anekdote kann ich noch zum besten geben: Ich bin an meinem ersten Tela-Tag zum Busterminal gefahren, um mir eine Karte zu reservieren, die ich dann ja nicht in Anspruchgenommen habe. Also musste ich am naechsten Tag nochmal los, und lustigerweise kam da gerade der gleiche Taxifahrer vorbei, der mich am Tag zuvor zum Terminal gebracht hatte und mit dem ich mich nett unterhalten hatte. Und so haben wir verabredet, dass er mich am naechsten Tag ebenfalls abholen und zum Bus bringen sollte. Man trifftalso nicht nur immer die gleichen Reisenden wieder, sondern auch Einheimische :-)

Mit der Reise am naechsten Tag fing dan aber auch das Unglueck an. Als ich frueh morgens in den Bus nach Tegucigalpa gestiegen bin, gatte ich noch die vage Hoffnung, in derHauptstadt doch nur umsteigen zu koennen und ein bisschen weiter Richtung Grenze fahren zu koennen. Da der Bus aber Verspaetung hatte, war das nicht mehr moeglich. Bei der Einfahrt nach Tegucigalpa sind wie ewig lang durchSlums gefahren, schlimmer als in Mexico-Stadt, und zum ersten Mal hab ich mir andere Touristen herbei gewuenscht (im Bus waren zwar zwei Maedels aus den USA, zwei Bibellehrerinnen, die aber bei Freunden in einem Zeugen-Jehovas-Center unterkommen wollten. Und so verzweifelt war ich zu diesem Zeitpunkt doch noch nicht...). Am Busbahnhof hab ich einen Wachman gefragt, ob die Taxis sicher seien, und er meinte, "dieses Taxi dort nicht", und ich solle warten, er werde mir ein sicheres besorgen. Anscheinend hat er mich zu seinem Kumpel verschleppt, denn dessen Taxi sah genauso aus wie alle anderen, mit Nummer und so. Der Fahrer hat mich gefragt, wo es hingehen soll, ich hab ihm das HOstel genannt, und er musste sich erst mal bei seinen Kollegen erkundigen, wie er dorthin kommt. Ok, ich dachte mir, wenn er sich erkundigt, heisst das wenisgtens,dass er die Absicht hat, mich wirklich dorthin zu fahren. Im Taxi war noch ein anderer Typ, lustigerweise der, neben dem ich im Bus gesessen hatte, den mussten wir erst mal am anderen Ende der Stadt abliefern. Und dann ging mein Martyrium los. Wir sind eine weitere Stunde durch die Stadt gefahren, weil der Mensch einfach nicht das Hostel (direkt neben einer grossen Kirche!) gefunden hat. Und gefahren heisst: Wahlweise gerast, geruckelt und geschlichen, und gerne auch mal in der falschen Richtung in Einbahnstrassen rein. Irgendwann hatte ich das Gefuehl, ich wusste anhand meines Stadtplans besser als er, wo wir waren, und habe ihn versucht, zu dirigeiren. Das fand er aber nicht so lustig und hat mich ignoriert. Ueberhaupot war er extrem unfreundlich,hat auf meine Fragen kaum geantwortet und sich nicht bemueht, langsam zu sprechen. Als ich dann verlangt hab, auszusteigen, hat es weitere fuenf ;Minuten gedauert, bis er tatsaechlich angehalten hat, und hierfuer musste ich auch echt boese werden. Als er dann angeboten hat, mich am naechsten Tag zum Bus zu bringen, hab ich nicht mal mehr ein muedes Laecheln uebrig gehabt. Ich bin dan ins naechstbeste HOstel gestolpert, das war auch ok, und dort mussteich erst mal runterkommen. Hoert sich alles nicht so schlimm an, aber Tegucigalpa hat auf mich keinen freundlicheeren Eindruck gemacht als Guatemala-City, durch das ich ja nur durchgefahren bin, und es war echt kein schoenes Gefuehl, dort verloren zu sein mit einem unfreundlichen Menschen, der keine Ahnung hat, wo er sich befindet. Da ich mich nicht besonders wohl gefuehlthabe, bin ich nur in der Einkaufszone bis zum Parque Central gelaufen, und abends habe ich in einer Bar mit Livemusik (50er-Jahre-Rock'nRoll, ganz witzig) etwas gegessen, wo ich wieder die einnzige Touristin war.Das war ok.

Am naechsten Tag bin ich dann sehr frueh weiter zum Bus. HIer haben in der Regel alle Busgesellschaften eigene Busterminals in den unterschiedlichsten Teilen der Stadt, deswegen ist das Umsteigen auch so kompliziert. Bin dann letztwendlich mit einer anderen Gesellschaft gefahren, als ich wollte, ging aber schneller. Einmal musste ich umsteigen (da wurdeich einen hoffnungslos ueberladenen Minibus gepfercht, das war lustig), und an der Grenze hat mich was erwartet, das hab eich so krass noch nie erlebt, nicht mal in Indien: Als der Minibusin die Grenzzone gefahren kam, haben saemtliche Geldwechsler und Menschern, die ihre HIlfe fuer das Migration-Prozedere angeboten haben, mich als einzige Touristin ausgemacht und noch waehrend der Fahrt durchs offene Fenster an meinem Arm gezerrt und mich bedraengt. Kaum stand der Bus,ist ein Typ aufs Dach geklettert und hat sich meinen Rucksack geschnappt und auf sein Fahrrad verfrachtet, und da bin ich ploetzlich, trotz Muedigkeit, ganz schnell geworden. Da ich gelesen hatte, man soll ruhig dort Geld wechseln und sich bei den Formalitaeten helfen lassen, habe ich mich vermutlich gleich zwei Mal uebers Ohr hauen lassen. Einmal beim Geldwechseln, wo ich, wie ich im Nachhinein bemerkt habe, eine andere Rate bekommern habe als der Typ mir vorher gesagt hat, und dann beim helfen:Da haben mich zwei Typen auf nem Rad zur Migration gekarrt, und von dort etwa 300 Meter ueber eine Bruecke, und von dort noch mal 200 Meter zum Bus. Habe wohlweioslich vorher gefragt, wieviel das kosten sollte (150 Cordobas, etwa 7 Euro), und als wir beim Bus waren wollten sie ploietzlich 400 bzw. 25 Dollar haben. Warum auch immer, ich hatrte keine Zeit zu diskutieren, weil der BUs schon im Fahren inbegriffen war, und habeihnen die 25 Dollar in die Hand gedrueckt, da ich die wenigen eingetauschten Cordobas noch fuer die Weiterfahrt brauchte. Mann, hab ich mich geaergert. Mit Honudras hab ich echt abgeschlossen, ich hatte wirklich den Eindruck (und bin nicht die einzige, wie ich festgestellt habe), dass die Menschen dort - mit einigen Ausnahmen - viel weniger hilfsbereitund freundlich sind als in Guatemala. Den Eindruck der Bananen-Rebublik kann ich zumindest nicht bestaetigen...

Nach weiteren drei bis vier Stunden Fahrt (Hitze und Staub) und noch zwei Mal umsteigen bin ich jetzt in der extremen Hitze in Leon in Nicargua gelandet. Ich kann noch nicht einschaetzen, wie lange ich hier bleiben werde, drei Naechte werden es aber bestimmt. Ich hatte direkt den Eindruck, dass die Leute hier besser gelaunt und hilfsbereiter sind als in Honduras, aber mal abwarten, ob sich das bestaetigt. Das Hostel, in dem ich schlafe, hat auch eine Kueche, und ein paar Strassen weiter gibt es einen riesigen Supermarkt, den ich jetzt erst mal aufsuchen und werde. Und dann goenne ich mir irgendwo einen Frucht-Milchshake...

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