Julia unterwegs
Kampf mit den Naturgewalten
So, nach drei oder vier wundervollen Tagen ist es wieder mal an der Zeit, dass ich mich melde. Ich bin irgendwie in Leon haengen geblieben, habe aber die feste Absicht, morgen nach Granada weiter zu fahren. Und das kam so: Anfang der Woche habe ich meinen Plan, an den Strand zu fahren, erst mal ueber den Haufen geworfen, weil ich irgendwie so unmotiviert war. Statt dessen habe ich nachmittags an einer "History and Revolution"-Stadtfuehrung teilgenommen, bei der ein ausgewanderter Hollaender mich und zwei Maedels aus Norwegen drei Stunden lang in einem halb auseinder fallenden Jeep in und um Leon herum gefahren und uns allerlei Dinge ueber die Geschichte der Stadt erzaehlt. War interessant, vor allem weil ich irgendwann ein Aha-Erlebnis hatte und mich an einige Dinge erinnern konnte, die ich schon mal in einem Seminar ueber Nicaragua vor ein paar Jahren aufgeschnappt hatte. Ausserdem habe ich mich entschieden, nicht die 1 1/2-Tageswanderung zu machen, sondern am "Full Moon Hike" Teilzunehmen, der in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch statt finden sollte. Am naechsten Tag (Dienstag) bin ich dann aber wirklich zum Strand gefahren, allerdings nur fuer einen Tag. Nach einer guten Stunde Fahrt im Chicken-Bus auf einer 20 km langen Schotterpiste, die gerade rundum erneuert wurde, habe ich mich ein bisschen geaergert, dass ich nicht schon am Montag aufgerafft hatte, denn, tadaaa: Ich habe meinen Traumstrand gefunden! Der Strand besteht aus richtigem Sand, ist sowohl breit als auch sehr lang, sauber, und vor allem fast menschenleer. Einziges Manko: Die Wellen, denn die sind, da am Pazifik gelegen, so gewaltig, dass es mir mehrmals fast die Bikini-Hose vom Koerper gerissen hat und ich einmal von einer Welle so hart auf den Strand geschleudert wurde, dass ich nun eine Schuerfwunde am Popo habe. Autsch! Leider kann ich euch keine Fotos zeigen, da ich meine Einweg-Kamera dabei hatte ;-)
Am spaeten Nachmittag bin ich zurueck nach Leon, denn ich musste noch ein paar Dinge vorbereiten fuer die Vulkanbesteigung im Vollmond. Organisiert wurde die Tour von einem Reisebuero, das als 100 prozentige Non-Profit-Organization funktioniert: Die Guides sind Freiwillige aus aller Welt, die Ausruestung besteht aus Spenden und die Erloese gehen an Strassenkinder in Nicaragua. Um 22 Uhr haben sich die ueber 30 Wanderwilligen im Buero von Quetzaltrekkers, so heisst die Organisation, versammelt, um Essen zu verteilen. Jeder musste 4 1/2 Liter Wasser einpacken, plus Zutaten fuer das Fruehstueck, das auf dem Berg zubereitet werden sollte und kleinerer Snacks fuer zwischendurch. Nach einem Abendessen wurden wir dann zum Fuss des Berges gefahren, und gegen 23:30 ging die Wanderung los. Die meiste Zeit sind wir auf Feldern oder vertrocknetem Gras gegangen, und der Vollmond war so hell, dass man keine Taschenlampe brauchte. Nur wenn wir durchs Gebuesch mussten, war ich froh, dass ich mir den Weg leuchten konnte. Steine und Wurzeln auf dem Weg sind dann doch mal stoerend, vor allem, wenn man ohnehin muede ist und ein bisschen vor sich hin stolpert. Gegen 4:30 Uhr morgens hatten wir dann den Fuss des Kraters erreicht. Der Blick auf den vom Mond beschienenen rauchenden Krater, mit dem Mond darueber, gehoert definitiv zu den Highlights dieser Reise. Die Fotos sind leider nichts geworden, zu dunkel. Vom Fuss des Kraters war es noch einmal eine halbe Stunde Kraxeln uebers Vulkangestein bis zum Kraterrand. Wir konnten, auf den Steinen liegend, ueber den Rand in den Krater hinein gucken, wo man allerdings keine Lava, sondern bloss den Rauch sehen (und riechen!) konnte. Hoert sich gefaehrlich an, ist es aber nicht, denn der Vulkan erodiert nur alle fuenf oder sechs Jahre und die Kraterwand ist senkrecht und nicht etwa gebogen, so dass der Rand nicht abbrechen kann, wenn man drauf liegt. Und das ganze sah dann so aus:



Beim Hochklettern mussten wir uns ganz schoen beeilen, denn wir wollten natuerlich den Sonnenaufgang ueber den anderen Vulkanen beobachten. Anschliessend gab es Fruehstueck (mit Kaffee vom Lagerfeuer, so ein Glueck!), waehrend dem wir den von der aufgehenden Sonne beschienenen Vulkan im Blick hatten. Schoen!



Spaeter haben wir uns dann wieder auf den Abstieg begeben; das war der Zeitpunkt, an dem ich angefangen habe, die Kletterei zu verfluchen. Sobald die Sonne aufgegangen ist wird es hier naemlich verdammt heiss, und der Abstieg ist nicht unbedingt leichter als der Aufstieg. Man ist muede, schwitzt tierisch, und hinzu kommt der extrem staubige Boden und der Wind, der einem den aufgewirbelten Staub des Vordermanns oder der Vorderfrau so richtig fies in Augen (trotz ueberdimensionaler Sonnenbrille), Ohren, Nase und zwischen die Zaehne weht. Zum Schluss sahen wir alle aus, als waeren wir von einer dreitaegigen Expedition ins Innere von irgendwelchen Bergen zurueckgekehrt. Gegen 12 waren wir dann in einem kleinen Dorf, wo wir zu Mittag gegessen haben, anschliessend sind wir mit dem Chicken-Bus zurueck nach Leon, wo ich im Hostel die beste Dusche meines Lebens genossen habe. Puh! Am Rest des Tages hab ich nicht mehr viel gemacht, ausser mich auszuruhen, und um lag ich im Bett - fuer die naechsten zwoelf Stunden.
Da ich heute zum Vulcano-Boarding gehen werde (davon im naechsten Bericht mehr) hatte ich gestern (Donnerstag) einen freien Tag zu fuellen, und habe mich entschlossen, nochmal zum Strand zu fahren. Die Hin- und Rueckfahrt kostet zusammen einen Euro, da kann man sich das schon mal erlauben. Diesmal war ich nicht die Einzige, und so haben sich Jordan (New York), Jeff, James und xyz (Namen vergessen, alle aus Vancouver, Kanada) und Laura und Anna (Daenemark) an mich dran gehaengt. Das war eine nette Truppe, amusiert hat mich, dass vorher vor allem die Jungs ein bisschen ueber mich gelacht haben, als ich von den heftigen Wellen erzaehlt habe, und Jeff sich ein Surfboard mieten wollte, aber als wir dann am Strand standen haben ploetzlich alle ganz still in die Wellen gestarrt und von Surfen war keine Rede mehr. Hihi. Wir haben ein bisschen geplanscht, ein Bier getrunken, was gegessen und in der Sonne gebrutzelt, und am Abend sind wir wieder zurueck - da wir in einer grossen Gruppe unterwegs waren, war das kein Problem. Heute sind, glaube ich, alle von der Truppe beim Volcano-Boarding dabei, das wird bestimmt lustig. Und morgen fahre ich dann mit Jordan weiter nach Granada. Wir muessen zwar in Managua umsteigen, und nach meinen Tegucigalpa-Erfahrungen und allem, was ich ueber Managua gehoert habe, finde ich das gar nicht lustig, aber einen Typen dabei zu haben (wenn auch einen ziemlich schmaechtigen) ist auf jeden Fall besser, als alleine unterwegs zu sein. Also, wuenscht mir Glueck, heute und morgen! Fortsetzung folgt...

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juliaunterwegs, Samstag, 14. März 2009, 15:45
ha! endlich ist die kamera am start! sehr gut! hört sich an als wär der strand en angemessenes motiv gewesen =)

juliaunterwegs, Samstag, 14. März 2009, 22:56
Hi, ich bin dann mal weg ....nach London.So tolle Naturerlebnisse wie du werde ich sicher nicht haben und ich hoffe auf die Erlebnisse fast schlafloser Nächte verzichten zu können, aber
ich hoffe auf schöne Tage. Die Truppe ist ganz ok., alle freuen sich sehr und ich hoffe auch die, die morgen zum ersten Mal fliegen, werden den Flug unbeschadet überstehen.
Hoffentlich bist du inzwischen sicher durch Managua!!! Weiterhin schöne Tage,deine Erlebnisse sind ja nicht mehr zu toppen und
erhole dich auch noch etwas, damit du nicht total erholungsbedürftig wieder zu Hause ankommst.
Bye, I'll inform you about London on Thursday. a.d.