Julia unterwegs
Freitag, der 13.
Die Ueberschrift laesst euch bestimmt schon Schlimmes ahnen. Tja, da liegt ihr gar nicht so falsch. Mein Freitag, der 13., war weitestgehend uebel. Begonnen hat er nachts in einer ziemlichen scheusslichen Disco, immerhin keine Touri-Disco, aber die Musik war grauenhaft, das Publikum irgendwie auch, die teure Rum-Cola, die irgendwer bestellt hatte (und die ich natuerlich auch bezahlen musste), hat nach Wasser geschmeckt und so ist ein vorher guter Abend (mit der Truppe vom Strand und zwei weiteren Kanadiern) ein bisschen seltsam geendet. Mit nur drei Stunden Schlaf in den Knochen musste ich morgens um halb sieben aufstehen, warum, ist eine langweilige komplizierte Geschichte, die ich euch an dieser Stelle nicht zumuten moechte (kurz: ich wurde von einem Reisebuero verarscht). Morgens war ich dann ja noch im Internet, und mittags ging das Drama dann so richtig los. Ich sag nur: Volcano Boarding, oder: "Wie man sich am besten fuer viel Geld schnell und effektiv schmerzhafte und haessliche Verletzungen zufuegen kann". Auf einem Pickup-Truck sind wir eine halbe Stunde lang zum Vulkan gekarrt worden, und als ich absteigen musste, machte es einmal "ratsch" und das Schicksal der Hose meiner Mama (keine Rueckreise nach Deutschland) war besiegelt: Ein riesiger Riss zog sich von der Innenseite des Beines von der Mitte der Wade bis zum Reissverschluss. Der 45 Minuten lange Aufstieg auf den Vullkan Cerro Negro, der juengste Nicaraguas, war damit eine ziemlich unkomfortable Angelegenheit, da ich, den Rucksack auf dem Ruecken, das Board in den Haenden in Windboeen ueber Steine balancieren musste und gleichzeitig so gut wie moeglich den Riesen-Riss verdecken musste. Oben angekommen ist mir fast das Herz stehen geblieben, weil die Piste wirklich verdammt steil aussah und unser Guide erzaehlt hat, dass der schnellste Volcano-Boarder fuer den Weg nach unten 18 Sekunden gebraucht hat und ueber 80 Stundenkilometer schnell war. Und dass ein anderer das mit seinem Mountainbike versucht hat und anschliessend acht Monate im Krankenhaus verbringen durfte. Alles klar? Nur kurz sur Erklaerung: Das Board ist ein Holzbrett mit einer metallenen Flaeche auf der Unterseite (siehe Foto), die, je nachdem wie man drauf sitzt, fuer die Geschwindigkeit zustaendig ist. Auf der Oberseite sind drei Holzsprossen befestigt, zwischen die man sich setzt, und eine Kordel, die man festhalten muss, falls man stuerzt, damit das Board sich nciht selbststaendig macht. Der Untergrund, auf dem es runter ging, war recht feines Vulkangestein, ein bisschen groeber als Strassenschotter, also nicht etwa Sand. Oben auf dem Vulkan haben wir lustige Anzuege und Chemiebrillen bekommen, gegen Schmutz, Staub und etwagige Verletzungen. Auf dem Foto koennt ihr mich auf der Vulkanspitze sehen, lachend mit dem Mut der Verzweiflung.



Nach einer Viertelstunde Anweisungen, wie man lenken, bremsen und beschleunigen (ha!) kann, haben sich die ersten auf den Weg gemacht. Es sind immer zwei Leute gleichzeitig losgefahren, auf ein paar Meter voneinander entfernt liegenden Pisten. Unten standen dann zwei Typen, die die Geschwindigkeit der Ankommenden gemessen haben. Die ganzen Anweisungen habe ich versucht, zu beachten, aber es hat nichts geholfen: Ich bin drei Mal vom Board gefallen, und einmal bin ich so uebel gestuerzt, dass ich kopfueber den Berg herunter gekullert bin, Steine im Mund hatte, das Board abwechselnd ueber und unter mir und nicht mehr wusste, wo oben und unten war. Hoert sich lustig an, war es aber nicht. Kurz vor der Zeitmessung bin ich dann nochmal gestuerzt und habe es dann letztendlich nur auf 25 anstatt der geplanten 50 Stundenkilometer geschafft. Bei meiner Ankunft waren alle still und ein paar Menschen haben mich gefragt ob ich ok sei. Ich musste mich erst mal setzen und da mich alle ganz mitleidig angeschaut haben und mich beinahe jeder nach meinem Befinden gefragt hat, habe ich es mit der Angst zu tun bekommen weil ich dachte, ich muss echt schlimm aussehen. Mehrere Leute meinten, bis zur Haelfte habe ich echt gut ausgesehen und eine ziemliche Geschwindigkeit drauf gehabt (hat sich gar nicht so angefuehlt) und der Sturz habe richtig uebel ausgesehen. Naja, das Ergebnis ist jedenfalls, trotz Schutzanzug, ein linker Arm mit vielen Schuerfwunden, zwei leicht zerkratzte Haende, Schuerfwunden am Bein und am Kinn und eine Druckstelle von den Brillen an der Nase. Autsch.



Zurueck im Hostel gabs immerhin kostenlose Mojitos fuer alle, und nach einer Dusche, die hoellisch gebrennt hat an den Wunden haben wir weitergetrunken und den anderen Menschen, die nicht dabei gewesen waren, Heldengeschichten erzaehlt. Ich konnte immerhin sagen, dass ich den Preis fuer den besten Stunt bekommen haette, denn natuerlich war ich die einzige, die so richtig fies gestuerzt ist. Der Rest des Freitags war dann ganz ok: Geselliges Beisammensein und spaeter nochmal weggehen. Auch das war nicht unkompliziert, aber das ist eine andere Geschichte.

Heute morgen war es dann ganz schoen schwer, aufzustehen, aber Jordan (der New Yorker mit dem gleichen Weg) und ich haben uns aber trotzdem tapfer auf den Weg gemacht. Im Pickup-Truck zur Bushhaltestelle, mit dem Bus nach Managua, in meinen Gedanken die Horror-Stadt schlechthin. Und was war? Ich habe im Bus geschlafen und nichts mitbekommen, und irgenwann hat mich Jordan geweckt, weil der Busfahrer gesagt hat, um den Bus nach Granada zu erreichen, muessten wir aussteogen. Das haben wir getan und uns an einer grossen unuebersichtlichen Busstation wiedergefunden, die (hier ueblich) gleichzeitig ein Markt war. Aber nicht dunkel, dreckig, duester und gefaehrlich, sondern sonnig, mit Musik, und, ok, dreckig war es schon. Wir haben uns etwa eine halbe Stunde lang zum Bus durchgefragt, viele Leute haben uns unterschiedliche Dinge erzaehlt und die Taxifahrer wollten uns natuerlich abzocken, aber: Alle waren super freundlich, haben und lang und breit erklaert, wo wir hinmuessen, haben uns die Preis genannt, damit wir nicht von irgendwelchen Busfahrern uebers Ohr gehauen werden, und haben sich eingemischt, wenn sie der Meinung waren, dass jemand uns etwas falsches erzaehlt hatte. Lustig war, als ich mich in einem stehenden Bus nach dem Weg erkundigt habe, waehrend Jordan hinter mir Leute an der Strasse gefragt hat. Als ich mich umgedreht habe, sah ich ihn umgeben von fuenf alten Maennern, die alle wild in die gleiche Richtung zeigten (die gleiche Richtung, die mir der Busfahrer gesagt hatte), und da sind wir dann auch hingegangen. Ein Anblick fuer die Goetter. Die Fahrt nach Granada hat dann nochmal eine Stunde gedauert, wir haben Betten in unserem Wunschhostel gefunden, in dem es den ganzen Tag gratis Kaffee gibt (juchu!) und alles war super. Cool, ich bin geradezu auf einer Euphoriewelle geschwebt, weil die Menschen so freundlich und hilfsbereit waren und alles so gut geklappt hat. Bin bis jetzt wirklich restlos begeistert von Nicaragua. Obwohl mir Granada auf den ersten Blick nicht so gut gefaellt wie Leon, aber ich habe auch noch nciht so viel gesehen. Jetzt gehts gleich erst mal in die Dusche und dann mal schaun, ob heute Abend noch etwas los ist. Und essen muss ich auch... Bis demnaechst!

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hierunddort, Sonntag, 15. März 2009, 09:34
na, zum glück, hast du dir nichts gebrochen oder so. das wäre ja noch was gewesen: schnell mal nach mittelamerika zum krankenbesuch *kopfschüttel* viel spaß in granada :)

papa droege, Sonntag, 15. März 2009, 10:45
Menschenskinder!!! Daß die Reise, sprich: Expedition, nicht so
ganz ohne ist, haben wir ja mittlerweile verstanden. Aber
Kopf und Kragen zu riskieren . . . Ich hoffe, Du sammelst in
der Rest-Reisezeit noch einige weniger existenzielle Eindrücke
jenseits von Gleit-Kraterwänden, damit die Rückreise in die andere Welt tatsächlich relativ unbeschadet stattfinden kann. Ich bin froh, Dir nicht "Hals und Beinbruch" gewünscht zu haben; wer weiß, was daraus geworden wäre! Weiter alles Gute u. liebe Grüße!