Julia unterwegs
Freitag, 6. Februar 2009
Famos fuer Farben-Freunde
Mittlerweile habe ich einige Kilometer zurueck gelegt und bin heute morgen per Nachtbus an der Westkueste Mexikos, in Puerto Escondido angekommen. Ueber den Ort kann ich noch nicht viel sagen, da ich bisher vor allem Zeit im Internet verbracht habe, aber ich habe den Eindruck, dass er mir nicht so richtig gefaellt. Ich glaube, hier springen nur Amerikaner rum, und zwar nicht nur junge, sondern auch alte. Das nervt ein bisschen. Was ist seit meinem letzten Eintrag alles passiert?

Montag, Mexiko-Stadt: Ich habe mir den Palacio Nacional angeschaut, direkt am Zócalo gelegen, der einige Regierungsbueros beherbergt und der geschlossen ist, wenn der Praesident dort haust. Dies war - trotz Nationalfeiertag - nicht der Fall, und so bin ich in Ruhe durch die fein angelegten Gaerten geschlendert und habe mich unauffaellig einer kleinen deutschen Reisegruppe angeschlossen, die ueber die riesigen Wandgeaelde Diego Riveras aufgeklaert wurde. Der Fuehrer hat aber so langweilig erzaehlt, dass ich das bald wieder aufgegeben und statt dessen meinen Reisefuehrer zur Rate gezogen habe. Im Grossen und Ganzen wars das auch schon, packen musste ich noch und meinen Weg fuer den naechsten Tag planen.

Dienstag, Mexiko-Stadt und Oaxaca: Ich habe mich mit sack und Pack auf die Reise nach Oaxaca begeben, sechs Busstunden von Mexiko-Stadt entfernt. Auf dem Weg zur Bushaltestelle bin ich in der Metro einem verwirrten Franzosen begegnet (das ist zienlich lustig, man erkennt sich ja sofort als Reisender bzw. Backpacker), der auf dem Weg in den Norden war und keinen Plan hatte, wo er ueberhaupt hinsollte. Als er gehoert hat, dass ich zur Bushaltestelle fahre, hat er sich mir angeschlossen. Dort angekommen hat sich dann leider herausgestellt, dass es eine extra Haltestelle nur fuer Busse in den Norden gibt, und dass er mit mir voellig falsch war. Ups... Auf der Fahrt wurden drei Filme gezeigt, die ich alle noch nicht gesehen hatte. War maessig spannend, da John Travolta und Morgan Freeman hier Spanisch sprechen ;-) In Oaxaca hat mich mein Cochsurfing-Host von der Haltestelle abgeholt, nach einem kurzen Aufenthalt bei ihm (er musste noch arbeiten) bin ich ins Zentrum gefahren, bin dort herumgeschlendert und habe mich dann in einer Bar gesetzt, in der wir uns spaeter mit anderen Cochsurfern treffen wollten. dachte ich zumindest, denn als um zehn immer noch keiner aufgetaucht war, hat sich herausgestellt, dass ich in der falschen Bar sass. Also bin ich eine Tuer weiter nach nebenan gezogen und dort waren dann alle versammelt: ein Freund von Rodrigo (Daniel), dessen Cochsurferin - ups, Namen vergessen - aus, tadaaa, Rishon le Zion in Israel, und zwei andere Kumpels von Daniel. Oder so. Und obwohl der Abend ein bisschen doof begonnen hat war er dann doch noch sehr nett, bis ich dann irgendwann, ungeachtet der ungemuetlichen Toene von System of a Down fast auf der Couch eingeschlafen bin.

Mittwoch, Oaxaca: Die Innenstadt ist sooo schoen! Nach ausgiebigem Schlaf habe ich mich gegen 12 auf die Besichtigungstour begeben und ohne Ende bunte Haeuser fotografiert. Undnicht nur die Haeuser sind bunt in Oaxaca: Es gibt viele kleine Kunsthandwerk-Laeden in den Innehoefen, in denen traditionelle Teppiche, Gewaender und Schmuck in allen moeglichen Farben (und Farbkombinationen) verkauft werden. Die Stadt ist ausserdem ziemlich gepflegt und so bluehen ueberall Blumen. Toll war aber auch, dass ich an einer Strassenecke ploetzlich Julietta und Esmeralda, die beidne Argentinierinnen vom Hostel in Mexiko-Stadt, die einen Tag frueher als ich abgereist waren, in einem Hinterhof verschwinden sah. Nun haben wir E-Mail-Adressen ausgetauscht und werden uns hier in der Gegend vielleicht nochmal in einem kleinen Dorf treffen.



Nachmitags bin ich nach Monte Alban gefahren, einen Berg, auf dessen Spitze Azteken-Ruinen stehen. Ziemlich beeindruckend, so hoch dort oben, und man hat auch einen schoenen Ausblick auf Oaxaca, das wie Mexiko-Stadt von Bergen umgeben ist. Nicht so schoen war, dass der Bus mich auf der Haelfte des Wegs abgesetzt hat und ich den Rest des Berges in einer voelig verlassenen Gegend alleine erklimmen musste. Weil das ueber eine halbe Stunde gedauert hat, konnte ich aber immerhin einen Rabatt beim Eintritt fuer die Ruinen aushandeln (hatte nur noch eine Stunde Zeit fuer die Besichtigung). Auf dem Rueckweg, diesmal im Touri-Bus, habe ich drei Franzosen getroffen: Ein Paerchen und einen, der sich an die beiden drangehaengt hatte. Wir haben uns ein bisschen unterhalten (ahhh, auf Franzoesisch natuerlich, das ging am Anfang gar nicht wegen des ganzen Spanischs) und sie haben mir angeboten, am naechsten Tag mit ihnen im Mietwagen durch die Berge zu fahren und nicht-touristische Doerfer zu besichigen. Da hab ich natuerlich nicht nein gesagt, und um Plaene zu schmieden haben wir uns mit Bier (das schmeckt hier uebrigens sehr lecker, habe schon vier oder fuenf Sorten probiert) und zahlreichen Reisefuehrern und Stadt- und Strassenplaenen in eine Kneipe gesetzt. So kam es dann zur zweiten ungemuetlichen Situation an diesem Tag: Irgendwie fuhr kein Bus mehr zurueck und Rodrigo hatte mir gesagt, ich solle nicht alleine im Dunkeln durch sein Viertel laufen. Das war ein ziemlich bloedes Gefuehl, letzlich habe ich Rodrigo angerufen und er hat mich mit dem Auto abgeholt.

Donnerstag, rund um Oaxaca: Wir sind recht frueh morgens mit einem Golf losgefahren. In El Tule, dem ersten Dorf, in dem wir Halt gemacht haben, gibt es den aeltesten Baum der Welt zu besichtigen, der 2.000 Jahre alt sein soll. Fuer Chloe, die Floristin unter uns, war das natuerlich ausserordentlich spektakulaer. Ich fands ganz interessant, habe mich aber ansonsten mehr ueber das Dorf amuesiert, das extra Parkplaetze fuer Touri-Busse eingerichtet hatte, Karussels und frisch gestrichene Haeuser und in dem man doch tatsaechlich Eintritt fuer den Baum verlangte. Das haben wir uns gespart und den Baum von draussen fotografiert. Das naechtse nicht-touristische Dorf auf unserer Route war Teotitlan, ein Dorf, in dem traditionell Teppiche, Gewaender und Tuecher hergestellt werden. Abgesehen vom Sprachenwirrwar, in dem ich mich befand: Mit dem einen, kaum englisch sprechenden Franzosen sass ich in der kleinen Markthalle des Dorfes und habe einen Saft aus keine Ahnung wie vielen Fruechten probiert. Neben uns sass eine mittelalte Amerikanerin, die uns natuerlich ansprach (ich: Ubersetzen zwischen Englisch und Franzoesisch). Und dann kam noch eine einheimische Frau hinzu, die uns angeboten hat, uns zu zeigen, wie sie und ihr Mann Teppiche weben (ich: uebersetzen von Spanisch auf Franzoesisch und gleichzeitig der erstaunten Amerikanerin auf Englisch antworten, wieviele Sprachen ich denn eigentlich spreche. Da musste dann natuerlich auch das Hebraeisch noch erewaehnt werden...). Und, kaum ueberraschend, die Frau hat bunte Visitenkarten (!) inklusive der Wegbeschreibung zu ihrem Haus verteilt. Also sind wir vier, mit der Amerikanerin im Schlepptau, zum Haus marschiert und haben uns die traditionelle Herstellung zeigen lassen. War aber wirklich sehr interessant, haben ausserdem eine Kostprobe hausgemachten Miscals (der 'Tequila' Oaxacas) erhalten und da alle ausser mir nach der Vorstellung einiges gekauft haben, musste ich kein schlechtes Gewissen haben, weil das alles kostenlos war.



Unseren armen Golf haben wir damm ueber Schlagloecher und nicht geteerte Wege auf eine Hoehe von fast 3.000 Metern gequaelt, in ein Dorf, in dem wir festgestellt haben, dass es dort eigentlich nicht so viel zu sehen gibt. Insgesamt ist die Landschaft hier eher karg und wird auch als Wueste bezeichnet, ab einer bestimmten Hoehe wuchs aber ploetzlich wieder Vegetation und es sah aus wie in den Alpen. In einem anderen Dorf, wieder weiter unten am Berg, haben wir uns eine schoene Kirche angeschaut, dann haben wir festgestellt, dass wir nicht mehr genuegend Zeit hatten, die Ruinen von Mitla zu besichtigen. Also sind wir gegen sechs Uhr Abends nach Oaxaca zurueck gekehrt, haben das Auto abgegeben und ich habe meinen Bus nach Puerto Escondido gebucht. Am Abend habe ich Rodrigo noch zum Essen eingeladen, Tortillas mit Rindfleisch und speziellem Oaxaca-Kaese und ein bisscchen Gemuese, wahnsinnig viel und lecker und diesem Fall, da wir es an der Strasse gekauft haben, echt billig. Im Hintergrund liefen uebrigens die Simpsons auf Spanisch... Um 23 Uhr fuhr dann mein Bus los, und zum Glueck konnte ich trotz der vielen vielen Kurven die Berge hinunter einigermassen schlafen. Zwei Stunden fruehr als geplant sind wir um acht oder so hier in Puerto Escondido angekommen, und beim Aussteigen hat micvh die Hitze wie ein Schlag getroffen. Es ist echt wahnsinnig heiss hier und nachdem ich jetzt gleich die Touristen-Info aufgetrieben habe und mir wenigstens ansatzweise darueber klar geworden bin, was ich in den naechsten Tagen mache, werde ich vielleicht noch ins Meer springen. In diesem Sinnne: Bis bald!

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Montag, 2. Februar 2009
Hablamos espagnol!
Holà, da bin ich wieder. Gestern Abend hat das Internet nicht funktioniert, und unter anderem deshalb habe ich mich dazu entschieden, noch einen Tag Mexico-Stadt dran zu haengen und erst morgen frueh nach Oaxaca, ca. 6 Busstunden von Mexico-Stadt entfernt, in den Suedwesten zu fahren.
In den letzten zwei Tagen habe ich mein strammes Programm weiter durchgezogen und glaube nun, dass ich, wenn ich wieder in Deutschland bin, erst mal Urlaub brauche... Am Samstag habe ich zwei Museen besichtigt: Das Museo de Caricaturas und das Museo del Arte Moderno. Beide sehr interessant, wenna auch voellig unterschiedlich: Das Karikaturen-Museum ist ganz klein und in einem alten Haeuschen untergebracht, in dessen Innenhof Kuenstler Comics verkaufen. Das sieht so aus:



Die Geschichte der mexikanischen Karikatur war mit der mexikanischen Geschichte seit Beginn des 19. Jahrhunderts verknuepft, und das war sehr interessant und anschaulich. Leider bemerke ich auch hier wieder das Phaenomen, dass ich einfach viel zu wenig Hintergrundwissen besitze und viel viel mehr wissen moechte. Da muss ich unbedingt dran arbeiten, wenn ich auch im Muesum nicht die Chance dazu hatte: Alle Erklaerungen waren auf Spanisch und da laesst meine Aufmerksamkeit immer ziemlich schnell nach. Das Muesum fuer Moderne Kunst hingegen ist in einem sehr modernen Bau untergebracht, Erklaerungen gab es auch auf Englisch und drei der fuenf eher kleinen, aber feinen Ausstellungen haben mir sehr gut gefallen: Eine ueber die moderne mexikanische Malerei (vor allem Portraits, Selbstportraits und Landschaften), eine Fotografie-Ausstellungen ueber den Mensch und das Tier und eine Ausstellung ueber Olympia '68 in Mexico-Stadt und die Oeffentlichkeitskampagne, die hierzu gestartet wurde. Knatschbunt, kurios, und echt mal was anderes.
Ausserdem bin ich den Paseo de Reforma entlang spaziert, eine lange Strasse, an der die modernsten Hochhaeusder der Stadt stehen, sowie eine Engelsstatue auf einer Saeule, die dem grossen Stern in Berlin verdaechtig aehnlich sieht. Ziemlich fusslahm habe ich mich dann in ein Viertel namens Zona Rosa geschleppt, wo ich gluecklicherweise einen Kaffee und einen Keks finden konnte. Das Viertel hat einige der bunten kolonialen Haeuser, die ich so gerne mag, und von denen ich in einigen Staedten bestimmt noch mehr sehen werde:



Am Sonntag bin ich mit Uli aus Potsdam, die bei mir im Zimmer schlaeft, ins Castillo de Chapultepec gefahren, das auf einem Huegel in einem riesigen Park liegt. Dort hat u. a. mal ein Habsburger aus Oesterreich gewohnt, aber viel mehr hab ich mir nicht behalten, weil es auch hier wieder keine englischen Erklaerungen gab. Es war aber trotzdem ganz nett, man konnte durch die Raeume schlendern und einen schoenen Blick auf die Stadt geniessen. Anschliessend haben wir uns in den Park gesetzt und den Rummel um uns angeschaut. Sonntags scheinen die Mexikaner mit Sack und Packn und der gesamten Grossfamilie ins 'Gruene' zu ziehen, und wir waren mittendrin. Schoen, da es nicht so touristisch war und wir einfach nur gucken und staunen konnten. Uli wollte dann noch ins Museum fuer Moderne Kunst, waehrend ich mich auf die Suche nach dem tollen Torten-Laden gemacht habe - leider vergeblich :-( Obwohl Mexiko so katholisch ist, sind hier naemlich auch Sonntags fast alle Laeden geoeffnet.

Abends habe ich dann noch eine Meisterleistung vollbracht. Ich sass auf der Dachterasse, gemeinsam mit den beiden Argentinierinnen aus meinem Zimmer, einem weiteren Argentinier und einem Kartenspiel, und habe es tatsaechlich geschafft, den dreien auf Spanisch die Spielregeln von 'Uno' zu erklaeren. Stolz! Ueberhaupt habe ich es nach den ersten Tagen aufgegeben, mich auf Englischdurchzuwurschteln, und spreche jetzt meistens Spanisch. Am Anfang war das echt schwer, weil ich noch viele fiese kleine hebraeische Woerter im Kopf hatte, aber mittlerweile klappt es. Und besonders Julietta, die Argentinierin, die nur wenig Englisch spricht, beweist eine Engelsgeduld, mir beim Fruehstueck und beim Abendessen mehr Woerter beizubringen. Das macht riesig Spass, und in dieser Hinsicht hat sich die Reise schon gelohnt.

Noch etwas ist erstaunlich: Mexico-Stadt ist ganz anders, als ich es mir vorgstellt hatte. Der Smog ist nicht so stark wie man das immer hoert (ich habe keine Probleme beim Atmen und habe bisher nur zwei Leute mit Atemschutzmasken gesehen, und hin und wieder kann man sogar die Berge erkennen), der Verkehr nicht so chaotisch (ok, ich bin ja Israel gewoehnt) und da, wo ich bisher war, war es auch nicht schmutziger als sonst ueberall. Kurz: Die Stadt ist echt nicht so ein Moloch, wie man sich immer denkt. Naja, aber dafuer ist ja das Reisen gut: Toedlich fuer alle Vorurteile.

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Freitag, 30. Januar 2009
Die Stadt der Superlative
Puh, Mexico schlaucht ganz schoen. Das liegt zum einen daran, dass ich im Moment noch ziemlich unternehmungslustig und motoviert bin und deshalb schon viel gemacht habe, und zum anderen daran, dass hier einfach alles ein bisschen ueberdimensioniert ist. Von der Uni, die so gross ist wie der ganze Vatikan und natuerlich die groesste in Lateinamerika, hatte ich ja schon erzaehlt. Ansonsten gibt es hier noch die groesste Kirche in Lateinamerika, in deren Innenraum 4.000 Leute reinpassen und die die am zweithaeufigsten besuchte nach dem Petersdom ist. Ausserdem ist der Zocalo, der Platz im Zentrum der Stadt, der drittgroesste der Welt nach dem Platz in Moskau und in Peking. Am Rand des Zocalos steht das aelteste koloniale Bauwerk der Welt, naemlich die Cathedrale, auf die ich gerade blicke. Aussderdem gibt es hier eines der grossten Postaemter der Welt, und die Pyramiden von Teotihuacan oder so aehnlich (ich kann mir diese aztekischen Namen einfach nicht merken), eineinhalb Stunden Autofahrt von Mexico-Stadt entfernt, sind die aeltesten Azteken-Pyramiden, die bisher gefunden wurden. Das alles liegt vieleicht daran, dass Mexico-City mit mehr als 20 Millionen Einwohnern eine der groesten Staedte der Welt ist... Aber der Reihe nach:
Gestern habe ich an einer vom Hostel organisierten Tour nach Teotihuacan teilgenommen. Im Kleinbus waren wir zu zehnt, neben mir noch drei Paare vom Hostel, und drei andere Personen aus einem anderen Hotel. Eines der Paare von hier ist schon Anfang 60 und steht am Anfang einer fuenfmonatigen Weltreise. Cool. Auf dem Weg lagen eine alte Azteken-Ruine in der Stadt, die aber nur noch in den Grundfesten erhalten war, weil die spanischen Eroberer daraus nebenan eine Kirche gebaut hatten. Weiter gings zu den Kirchen der Lady Guadalupe, die oben erwaehnte zweitwichtigste Kirche der Katholiken. Hier soll einem Indio vier Mal die Jungfrau Maria erschienen sein. Natuerlich hat ihm keiner geglaubt, bis er beim vierten Mal, so wie Maria es ihm eingefluestert hatte, vor einem Priester seinen mit Blumen gefuellten Poncho ausgebreitet hat und auf dem Poncho das Abbild Marias zu sehen war. Ob man es nun glaubt oder nicht, der Poncho haengt in einer der Kirchen und kann dort von den Glaeubigen und/oder Touristen, die auf Rolltreppen (!) daran vorbei fahren, bestaunt und fotografiert werden. An jeder Stelle, an der der Indio die Erscheinung hatte, steht eine Kirche. Die haben wir alle besichtigt, und da sich das Ganze auf einem Berg befindet, hatte man auch noch einen schoenen Blick auf die Stadt. Anschliessend sind wir zu einem Dorf unmittelbar vor den Pyramiden gefahren, wo wir einen kleinen Mittagssnack hatten, der zur Ueberraschung aller im Preis inbegriffen war. Aber nicht nur das: Ein bisschen Folklore war auch dabei, als ein Mann uns vor dem Essen erklaert und demonstriert hat, was die indigene Bevoelkerung alles aus den Kakteen macht, die hier ueberall herum stehen: Alles moeglichen Stoffe, von Gewaendern ueber Tischdecken bis hin zu geflochtenen Taschen, Papier, Speisen (die wir ja anschliessend probieren durften) und, nicht zuletzt: Tequila und zwei andere Getraenke, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Da gabs natuerlich auch eine Verkostung :-) Nach einer kleinen Kunsthandwerkshow haben wir gegessen und unser Fahrer ist spontan zum Saenger mutiert und hat mit zwei anderen Mariachi-Freunden ein kleines Staendchen gegeben. Nach dem Essen dann endlich die Pyramiden. Das ganze befindet sich auf einem riesigen Areal (4 km breit) und ist wirklich beeindruckend. Nicht nur wegen der Hoehe, sondern auch wegen der architektonischen Praezision, die sogar mathematisch beweisbar ist. Die beiden groessten Pyramiden, 64 und etwa 30 Meter hoch, wurden zur Ehre der Sonne und des Mondes bzw. deren Goetter gebaut. Neben den Pyramiden gibt es Reste der Haeuser der Priester und anderer Gebaeude, und die Erklaerungen des tour guides haben eindrucksvoll deutlich gemacht, was fuer eine Hochkultur es damals schon gab. Beeindruckend ist auch, dass ich die 64 Meter bzw. 231 Stufen hohe Sonnen-Pyramide komplett und die Mond-Pyramide zur Haelfte erklommen habe. Die Stufen waren verdammt hoch, und meine Beine tun heute verdammt weh. Den anderen ging es wohl aehnlich, deswegen sind wir ziemlich still im Abendverkehr nach Hause gefahren. Abgesehen von unserem musikalischen Fahrer, der die Lieder von Manu Chao und Mana unbedingt mitsingen musste und deswegen auf dem Highway eine Ausfahrt verpasst hat. Aber kein Problem: Wir waren schliesslich nicht die einzigen und sind in einer Kolonne mit ein paar anderen Autos auf dem nicht vorhandenen Seitenstreifen rueckwaerts zur richtigen Ausfahrt zurueck gefahren...



Heute habe ich dann an einer vom Hostel organisierten kostenlosen Walking Tour durch das historische Zentrum teilgenommen. Die hat nuns zu verschiedenen Sehenswuerdigkeiten, in der Regel Gebaeuden gefuehrt und war in der letzten Haelfte voll gespickt mit Tipps, wo man z. B. die ganze Nacht ueber Tacos essen kann... Dabei haben wir auch einen Laden besichtigt, in dem es unglaublich viele unglaublich krasse Torten gab. Im ersten Obergeschoss waren wirklich nur Torten fuer alle moeglichen Anlaesse ausgestellt: Von der Taufe ueber den Kindergeburtstag bis zur Hochzeit. Und ohne Scheiss: Die waren bis zu 1,50 Meter hoch und teilweise 25 Kilo schwer!!! Im Erdgeschoss gab es eine wahnsinnige Auswahl an Teilchen und kleineren Kuchen, und da konnte ich nicht widerstehen und habe mir einen kleinen Riesen-Muffin gekauft:



Anschliessend bin ich noch ins Museum vom Mann von Frida Kahlo gegangen, der Diego Rivera heisst. Ausser einem riesigen Wandgemaelde war es eher maessig spannend. Da der Eintritt mit Studi-Ausweis aber frei war, war es ok. Auf dem Rueckweg musste ich diverse Umwehe gehen, und zwar nicht, weil ich mich verlaufen hatte, sondern weil auf dem Zocalo eine riesige (gewerkschaftliche?) Demonstration in Gange war und ich nicht an den Polizeisperren vorbei kam. Irgendwann hatte ich genug und hab mich einfach unter die Demonstranten gemischt und konnte so die Strassenseite ueberqueren :-)

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