Julia unterwegs
Freitag, 27. Februar 2009
Unverhofft kommt oft
Da bin ich gestern wieder in Antigua gelandet, und morgen Mittag geht es weiter nach Copan in Honduras. War echt nett, wieder hierher zu kommen, an einen Ort, der mal nicht ganz fremd ist. Es ist echt schoen hier, wenn es auch heute furchtbar heiss und ich ein bisschen neben der Spur war, wegen dem Dauerschnupfen (mittlerweile denke ich, es ist Heuschnupfen?) und weil ich gestern Abend mit einem Oesterreicher unterwegs war, erst den Film "Der Drachenlaeufer" auf arabisch mit spanischem und englischem Untertitel gucken (!) und dann noch was trinken in einer winzigen, aber grandiosen Bar mit dem Namen "Cafe no se" (Cafe ich weiss nicht), auf dessen Getraenkekarten so lustige Hinweise wie "We don't serve fucking Mojitos" standen und Schilder mit "No smoking (sad but true)" an den Waenden. Hat Spass gemacht. Zurueck im Hostel habe ich wahrscheinlich den Hass aller Zimmerkameraden auf mich gezogen, als ich in der Dunkelheit (natuerlich im Bemuehen, leise zu sein) erst gegen einen Rucksack geknallt bin, anschliessend irrtuemlich zwei Mal irgendwelche fremden Fuesse in der Hand hatte, weil ich dachte, ich sei schon an meinem Bett angekommen, und schliesslich ziemlich lange mit der Taschenlampe herumgeleuchtet hab, weil ich nachmittags meinen Rucksack auf der Suche nach irgendetwas auf meinem Bett ausgeleert hatte und den ganzen Kram erst mal runter raeumen musste. Aber naja, das passiert, und ich musste auch schon einige ruecksichtslose "Beischlaefer" ertragen...

Vor der Fahrt zurueck nach Antigua bin ich gestern Morgen auf die besagte Kaffeetour gegangen. Die war anders als erwartet. Ich war der einzige Gast und hatte somit einen persoenlichen Guide, Jose, der mich durch die Berge oberhalb von San Pedro gefuehrt und mir erklaert hat, wann die Kaffeepflanzen geerntet werden koennen (wenn sie rot sind, wie auf dem Bild).



Ich durfte selbst eine Beere pfluecken und reinbeissen um die beiden Bohnen freizulegen, und der schwierige Part war, die Schale um die Bohne ebenfalls zu entfernen. Denn der gute Kaffee, der nach Europa und in die USA geht, ist der ohne Schale. Das sieht dann so aus:



Inhaltlich war das aber auch schon mehr oder weniger das Ende der Tour. Ich hatt erwartet, dass wir auch eine Finca besuchen und sehen, wie der Kaffee geroestet wird, inklusive einer Verkostung natuerlich, aber das stand offensichtlich nicht auf dem Programm. Ich habe noch etwas darueber erfahren, wie lange die Kaffeepflanzen brauchen, um gross zu werden, welcher Kaffee in welcher Lage wie schmeckt und dass auf den Plantagen nicht nur Kaffeepflanzen, sondern auch Avocado-Baeume stehen, damit keine Monokultur mit negativen Folgen fuer die Umwelt entsteht. Naja, ein bisschen enttaeuscht war ich schon, aber andererseits war es nett, durch die Berge zu wandern (laut Jose auf einem Pfad, auf dem schon Che Guevara gewandelt ist...) und nicht in einer Gruppe mit einem Auto irgendwo hingefahren zu werden. Aussderdem sollte die Tour urspruenglich auf Englisch sein, war dann aber fast komplett auf Spanisch (stolz), und als Jose nichts mehr ueber den Kaffee zu erzaehlen wusste haben wir uns ueber alles andere moegliche unterhalten. Das verbuche ich unter "in die Kultur hineingeschnuppert", und das war wesentlich angenehmer, als mein Zusammenstoss mit der lateinamerikanischen (wohl eher nicht guatemalischen Kultur) von vorgestern:
Da bin ich, auf der verzweifelten Suche nach einem Kaffee, in eine Kneipe gestolpert, in der lateinamerikanische Musik lief und in der ausser dem Barmann - niemand war. Man hat sich, wie das hier oft ueblich ist, gegenseitig vorgestellt (wie heisst du, wo kommst du her...), ich habe meinen Kaffee geordert und dann meinte der gute Mensch, er muesse mir Salsa beibringen. Eine solche unheimliche Begebenheit hat sich schon mal zugetragen, als ich im Hostel in Mexiko-Stadt abends nach dem Essen ploetzlich von einem Typen, den ich noch nie vorher und nie wieder nachher gesehen habe, und der mindestens eineinhalb Koepfe kleiner war als ich, auf die tanzflaeche gezerrt und so doll herumgewirbelt wurde (eine bestimmte Schrittfolge konnte ich nicht ausmachen), dass mir - wie gesagt, nach dem Essen - schlecht geworden ist. Ich will natuerlich nicht den distanzierten Touristen geben, der nur Fotos schiesst und sich nicht wirklich fuer das Land und seine Leute interessiert, und so habe ich auch diesmal wieder gute Miene zum boesen Spiel gemacht und wieder einmal gemerkt, dass ich kein Talent zum Tanzen und erst recht kein Rythmus-Gefuehl besitze. Zum Glueck ist mir mein Capuccino eingefallen, der einsam auf der Theke vor sich hin abkuehlte, und so konnte ich mich der privaten Salsa-Stunde ohne groesseren Schaden entziehen. Puh!

Heute habe ich im Grossen und ganzen einen ruhigen Tag geschoben, Waesche waschen lassen, Internet, ein bisschen gelesen, das Projekt Selbstverpflegung weiter fortgesetzt, und, ihr ahnt es vielleicht schon: Esmeralda und Julietta, die beiden Argentinierinnen, die ich in Tikal aus den Augen verloren hatte, wieder getroffen. Zu guter Letzt schlafen wir heute nochmal im gleichen Schlafsaal, das ist wirklich lustig. Und jetzt gehe ich erst mal ins Bett, ich bin todmuede und kann mittlerweile auch bei Licht und Trubel um mich herum auch schon im neun Uhr abends schlafen. In diesem Sinne: Gute Nacht!

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Mittwoch, 25. Februar 2009
Lacht doch!
Tja, ich bin ein Dorf am Lago Atitlan weiter gezogen und habe immer noch nichts zu tun :-) Mir ist geradezu langweilig, und das ist kein Witz. Ich habe mein Buch in Antigua im Hostel verloren (keine ahnung, wie ich das geschafft habe), und jetzt habe ich nur noch den Reisefuehrer zu lesen. Immer nur planen macht aber auch keinen Spass.
Wie gesagt, ich habe heute morgen San Marcos verlassen. Bin sozusagen vor der Spiritualitaet gefluechtet, ausser diversen Yoga-Schulen, Selbstfindungskursen und einem "Holistic Center" gabs dort naemlich nichts. Ich dachte, ich bin nun in den totalen Gegensatz gefluechtet. Ich habe naemlich von vielen Reisenden gehoert, dass San Pedro, wo ich jetzt bin, ein Party-Dorf ist, mit vielen betrunkenen Amerikanern und ebenso vielen leicht erhaeltlichen illegalen Substanzen. Bisher ist mir aber weder das eine noch das andere begegnet und so werde ich morgen frueh vielleicht eine Kaffee-Plantage besuchen und anschliessend wieder zurueck nach Antigua fahren, um von dort weiter nach Honduras zu reisen. So langsam bekomme ich naemlich wieder Lust auf Strand! Eigentlich schade, denn der Atitlan-See und die Landschaft drumrum sind wirklich schoen.



Was mir hier in San Pedro aufgefallen ist, sind zwei praechtige Kirchen, Bibelschulen und ganz ganz viele "Grafitis" an den Haeusern, wie diese hier:



Keine Ahnung, woran das liegt, vielleicht wurde hier frueher ganz doll missioniert? Mir kommt es jedenfalls seltsam vor. So, muss jetzt meine Kaffee-Tour buchen und anschliessend ein bisschen was essen und dann gehts ins Bett!

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Montag, 23. Februar 2009
Raus aus der Blase
Gestern war Antigua-Sightseeing angesagt, was nach mehr klingt, als es ist. Die Stadt ist echt nicht gross und man kann alles zu Fuss erreichen. Die Sehenswuerdigkeiten beschraenken sich - ausser, ihr ahnt es schon, den bunten Haeusern - auf ein paar Museen (fuer mich thematisch nicht so interessant) und verhaeltnismaessig viele Kirchen und Kloester, teilweise von fruehren Erdbeben zerstoert und heute als Ruinen zu besichtigen. Insgesamt hat es mir sehr gut gefallen: Antigua aehnelt ein bisschen San Cristobal in Mexiko: Die Gassen mit den Backstein-Strassen und den bunten Haeusern, den Bergen um die Stadt herum und vielen Kneipen, Cafes, Restaurants und (Kunsthandwerks-) Geschaeften. Alles wirkt entspannt, aber aufgeraeumt, und insofern denke ich nicht, dass die Stadt representativ fuer das durchschnittliche Guatemala ist. Zumindest aber in dem Punkt, dass die Haupteinnahmequelle der Tourismus ist, denn Antigua ist eines der am meisten besuchten Ziele im Land.
Ich habe meinen Tag mit Besichtigung einer grossen Kiiche nicht weit vom Hostel entfernt begonnen, und da um 11 uhr Gottesdienst war, habe ich den auch gleich mitgenommen. Das war ganz interessant: Auf dem Altar stand, wie in Amerika, ein Chor, der hat allerdings ziemlich scheusslich gesungen. Bemerkenswert war hingegen der Pastor: Der hat, glaube ich, ueber die anstehende Fastenzeit und uebers Beichten gepredigt. Anders, als man bei dem Thema erwarten wuerde, hat er aber eher die Rolle eines Comedians erfuellt: Er hat wild mit den Haenden gefuchtelt, mit verstellter Stimme verschiedene Personen in einem Gespraech dargestellt und regelmaessig das Publikum zum Lachen gebracht. Die Predigt hat fast eine halbe Stunde gedauert, und obwohl ich fast nichts verstanden habe, ist mir keine Minute langweilig geworden.
Nach dem Gottesdienst bin ich weiter durch die Stadt geschlockert, habe mir ein typisches Essen gegoennt (Gemuese-Rindfleischsuppe mit Reis und Tortillas und einer Cola fuer umgerechnet 3 Euro) und bin ueber den Markt geschlockert.
Spaeter bin ich in ein kleines Geschaeft gestolpert, in dem eine Frau am Weben war. Ich habe sie gefragt, ob ich ein Foto machen darf und sie hat mir erklaert, wie das Weben funktioniert. Fuer ein Tischtuch braucht sie 15 Tage und, wie sie sagt, ganz viel Geduld. Weil sie so nett war, habe ich mich verplichtet gefuehlt, dort auch etwas zu kaufen, aber zumindest habe ich schoen gehandelt.



Abends bin ich dann noch mit ein paar Leuten vom Hostel in eienr Bar einen Film gucken gegangen, einen indisch-amerikanischen Film mit spanischen Untertiteln. Ganz schoen kompliziert. Nicht einmal, als wir im Dunkeln zurueck ins Hostel gegangen sind, hatte ich das Gefuehl, irgendwie nicht sicher zu sein: Es war ziemlich viel Polizei auf den Strassen unterwegs und auch sonst recht viele Menschen.

Heute morgen habe ich mich dann so richtig aus der Touri-Blase gewagt und bin mit so genannten "Chicken-Bussen" zum See Atitlan gefahren. Keine Ahnung, warum die so heissen, es sind Busse, mit denen vor allem die Einheimischen fahren, das ist viel guenstiger und man ist auch nicht wirklich viel langsamer unterwegs.



Hat alles super geklappt, bin dann ins Boot umgestiegen und in einem kleinen Kaff gelandet, aus dem ich morgen so schnell wie moeglich wieder abhauen werde. Das Hostel ist ziemlich teuer und die Bedienung dort ist unfreundlich, die sind total ungeduldig mit meinem Spanisch. Eigentlich hatte ich bisher das Gefuehl, dass die Menschen hier netter und hilfsbereiter sind als in Mexiko, aber Ausnahmen bestaetigen ja bekanntermassen die Regel. Es wird so langsam dunkel hier, deswegen mache ich mal auf den Weg zurueck auf den Berg ins Hostel und melde mich demnaechst wieder.

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