Julia unterwegs
Freitag, 30. Januar 2009
Die Stadt der Superlative
Puh, Mexico schlaucht ganz schoen. Das liegt zum einen daran, dass ich im Moment noch ziemlich unternehmungslustig und motoviert bin und deshalb schon viel gemacht habe, und zum anderen daran, dass hier einfach alles ein bisschen ueberdimensioniert ist. Von der Uni, die so gross ist wie der ganze Vatikan und natuerlich die groesste in Lateinamerika, hatte ich ja schon erzaehlt. Ansonsten gibt es hier noch die groesste Kirche in Lateinamerika, in deren Innenraum 4.000 Leute reinpassen und die die am zweithaeufigsten besuchte nach dem Petersdom ist. Ausserdem ist der Zocalo, der Platz im Zentrum der Stadt, der drittgroesste der Welt nach dem Platz in Moskau und in Peking. Am Rand des Zocalos steht das aelteste koloniale Bauwerk der Welt, naemlich die Cathedrale, auf die ich gerade blicke. Aussderdem gibt es hier eines der grossten Postaemter der Welt, und die Pyramiden von Teotihuacan oder so aehnlich (ich kann mir diese aztekischen Namen einfach nicht merken), eineinhalb Stunden Autofahrt von Mexico-Stadt entfernt, sind die aeltesten Azteken-Pyramiden, die bisher gefunden wurden. Das alles liegt vieleicht daran, dass Mexico-City mit mehr als 20 Millionen Einwohnern eine der groesten Staedte der Welt ist... Aber der Reihe nach:
Gestern habe ich an einer vom Hostel organisierten Tour nach Teotihuacan teilgenommen. Im Kleinbus waren wir zu zehnt, neben mir noch drei Paare vom Hostel, und drei andere Personen aus einem anderen Hotel. Eines der Paare von hier ist schon Anfang 60 und steht am Anfang einer fuenfmonatigen Weltreise. Cool. Auf dem Weg lagen eine alte Azteken-Ruine in der Stadt, die aber nur noch in den Grundfesten erhalten war, weil die spanischen Eroberer daraus nebenan eine Kirche gebaut hatten. Weiter gings zu den Kirchen der Lady Guadalupe, die oben erwaehnte zweitwichtigste Kirche der Katholiken. Hier soll einem Indio vier Mal die Jungfrau Maria erschienen sein. Natuerlich hat ihm keiner geglaubt, bis er beim vierten Mal, so wie Maria es ihm eingefluestert hatte, vor einem Priester seinen mit Blumen gefuellten Poncho ausgebreitet hat und auf dem Poncho das Abbild Marias zu sehen war. Ob man es nun glaubt oder nicht, der Poncho haengt in einer der Kirchen und kann dort von den Glaeubigen und/oder Touristen, die auf Rolltreppen (!) daran vorbei fahren, bestaunt und fotografiert werden. An jeder Stelle, an der der Indio die Erscheinung hatte, steht eine Kirche. Die haben wir alle besichtigt, und da sich das Ganze auf einem Berg befindet, hatte man auch noch einen schoenen Blick auf die Stadt. Anschliessend sind wir zu einem Dorf unmittelbar vor den Pyramiden gefahren, wo wir einen kleinen Mittagssnack hatten, der zur Ueberraschung aller im Preis inbegriffen war. Aber nicht nur das: Ein bisschen Folklore war auch dabei, als ein Mann uns vor dem Essen erklaert und demonstriert hat, was die indigene Bevoelkerung alles aus den Kakteen macht, die hier ueberall herum stehen: Alles moeglichen Stoffe, von Gewaendern ueber Tischdecken bis hin zu geflochtenen Taschen, Papier, Speisen (die wir ja anschliessend probieren durften) und, nicht zuletzt: Tequila und zwei andere Getraenke, deren Namen mir gerade nicht einfallen. Da gabs natuerlich auch eine Verkostung :-) Nach einer kleinen Kunsthandwerkshow haben wir gegessen und unser Fahrer ist spontan zum Saenger mutiert und hat mit zwei anderen Mariachi-Freunden ein kleines Staendchen gegeben. Nach dem Essen dann endlich die Pyramiden. Das ganze befindet sich auf einem riesigen Areal (4 km breit) und ist wirklich beeindruckend. Nicht nur wegen der Hoehe, sondern auch wegen der architektonischen Praezision, die sogar mathematisch beweisbar ist. Die beiden groessten Pyramiden, 64 und etwa 30 Meter hoch, wurden zur Ehre der Sonne und des Mondes bzw. deren Goetter gebaut. Neben den Pyramiden gibt es Reste der Haeuser der Priester und anderer Gebaeude, und die Erklaerungen des tour guides haben eindrucksvoll deutlich gemacht, was fuer eine Hochkultur es damals schon gab. Beeindruckend ist auch, dass ich die 64 Meter bzw. 231 Stufen hohe Sonnen-Pyramide komplett und die Mond-Pyramide zur Haelfte erklommen habe. Die Stufen waren verdammt hoch, und meine Beine tun heute verdammt weh. Den anderen ging es wohl aehnlich, deswegen sind wir ziemlich still im Abendverkehr nach Hause gefahren. Abgesehen von unserem musikalischen Fahrer, der die Lieder von Manu Chao und Mana unbedingt mitsingen musste und deswegen auf dem Highway eine Ausfahrt verpasst hat. Aber kein Problem: Wir waren schliesslich nicht die einzigen und sind in einer Kolonne mit ein paar anderen Autos auf dem nicht vorhandenen Seitenstreifen rueckwaerts zur richtigen Ausfahrt zurueck gefahren...



Heute habe ich dann an einer vom Hostel organisierten kostenlosen Walking Tour durch das historische Zentrum teilgenommen. Die hat nuns zu verschiedenen Sehenswuerdigkeiten, in der Regel Gebaeuden gefuehrt und war in der letzten Haelfte voll gespickt mit Tipps, wo man z. B. die ganze Nacht ueber Tacos essen kann... Dabei haben wir auch einen Laden besichtigt, in dem es unglaublich viele unglaublich krasse Torten gab. Im ersten Obergeschoss waren wirklich nur Torten fuer alle moeglichen Anlaesse ausgestellt: Von der Taufe ueber den Kindergeburtstag bis zur Hochzeit. Und ohne Scheiss: Die waren bis zu 1,50 Meter hoch und teilweise 25 Kilo schwer!!! Im Erdgeschoss gab es eine wahnsinnige Auswahl an Teilchen und kleineren Kuchen, und da konnte ich nicht widerstehen und habe mir einen kleinen Riesen-Muffin gekauft:



Anschliessend bin ich noch ins Museum vom Mann von Frida Kahlo gegangen, der Diego Rivera heisst. Ausser einem riesigen Wandgemaelde war es eher maessig spannend. Da der Eintritt mit Studi-Ausweis aber frei war, war es ok. Auf dem Rueckweg musste ich diverse Umwehe gehen, und zwar nicht, weil ich mich verlaufen hatte, sondern weil auf dem Zocalo eine riesige (gewerkschaftliche?) Demonstration in Gange war und ich nicht an den Polizeisperren vorbei kam. Irgendwann hatte ich genug und hab mich einfach unter die Demonstranten gemischt und konnte so die Strassenseite ueberqueren :-)

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Donnerstag, 29. Januar 2009
Buenvenidos!
Liebe Leute, ich sitze hier auf der Dachterasse eines sympathisvchen Hostels mitten im Centro Historico von Mexico. Es ist fast 10 Uhr abends, um mich herum sitzen noch ein paar Leute an Tischen und trinken ein Corona, es laueft spanische Musik, und wenn ich ueber die Balkonbruestung vor mir in die Dunkelheit schaue, sehe ich die Kathedrale und dahinter ein modernes Hochhaus. Fliespulli und Jeans reichen...
Wie ihr seht, es geht mir hier ganz gut. Die letzten beiden Tage in Kurzfassung: 1. Flug, Frankfurt/Newark: Fast niemand im Flugzeug, ich konnte bequem meine Beine auf diversen Sitzen aussttrecken und habe bei der Landung die ganze Zeit einen super Blick aufs Empire State Building gehabt. 2. Flug, Newark/MexicoStadt: Ich sass schon wieder auf der richtigen Seite, so dass ich einmal ueber das, nun in der Dunkelheit hell erleuchtete Manhatten geschwebt bin. Noch weniger Leute im Flugzeug, konnte mich so auf drei Sitzen lang machen und schlafen. Am Flughafen haben mich Omar, Evas Freund, und dessen Bruder Carlos abgeholt und zum Hostel gebracht. Dort war ich dann um halb 12 mexikanische und halb 5 deutsche Zeit. Entsprechend fertig hjabe ich in der Dunkelheit mein Bett gemacht und sogar noch Zaehne geputzt, mit der Taschenlampe und bemueht., die anderen beiden schlafenden Maedels moeglichst nicht zu stoeren. Ich selbst konnte allerdings gar nicht schlafen, war wohl doch ein bisl aufgeregt.
Heute morgen habe ich dann den ersten Traveller Cheque meines Lebens eingetauscht und habe mich dann mit Omars Bruder Carlos getroffen, der mir am Vorabend angeboten hatte, mir die Stadt zu zeigen. Er hat dann direkt noch einen Freund mitgebracht, der gluecklicherweise ein bisschen Englisch konnte. Trotzdem habe ich den ganzen Tag eher auf spanisch radebrechend verbracht, heute abend auch noch mit zwei Argentinierinnen am Tisch gesessen, wenn das so weitergeht, sehe ich gute Chancen fuer mein Spanisch. Auch, wenn ich immer noch furchtbar viele HebraeischBrocken im Kopf habe. Aaaalso, wir haben uns getroffen und sind erst mal zur UNAM gefahren, der grossen beruehmten Uni hier in dder Stadt, die zwei Besonderheiten aufweist: 1. Ist sie die beste Uni Lateinamerikas laut meiner Stadtfuehrer, und 2. ist das UniGelaende so gross wie der Vatikan. Erst hab ich gedacht, die beiden Jungs spinnen, oder mit der Verstaenigung laeuft etwas ganz schief, aber als ich das Gelaende erst mal mit eigenen Augen gesehen habe, hab ich es doch gegalubt. Hier ist irgendwie alles Superlativ. Anschliessend sind wir in ein Viertel namens Copayacan (oder so) gefahren, in dem ganz viele alte, bunte Gebaeude im Kolonialstil stehen und das echt schoen ist. Dort befindet sich auch das Museum von Frida Kahlo, der beruehmtesten Malerin Mexicos, das wir besucht haben und das sehr interessant war. Das Museum wurde im frueheren Wohnhaus der Malerin und ihres Mannes, ebenfalls ein beruehmter Kuenstler, eingerichtet und ist entsprechend klein, aber auch sehr besonders, vor allem mit dem tollen Garten im Innenhof. Weiter gings zum Essen, Tacos natuerlich, sehr lecker ;) Dann noch in ein Museum, das in einem alten Konvent eingerichtet war, der spaeter in eine kleine Festung umfunktioniert wurde. Thema war der mexikanische Unabhaenigkeitskrieg gegen die USA, ab einem bestimmten Punkt hat aber meine Konzentration ausgesetzt, weil alle Schilder nur auf Spanisch waren und das einfach ein bisschen viel war fuer einen Tag.
Insgesamt ein sehr sehr netter erster Tag, wenn auch anders als geplant. Morgen werde ich die erste Pyramide mit unaussprechlichem Namen besichtigen und werde vermutlich erst am Freitag ueberhaupt etwas vom Zentrum der Stadt sehen... Es geht morgen schon um 9 los, deswegen ist fuer mich jetzt erst mal Bettruhe angesagt. Fotos werden dann spaeter mal hochgeladen, falls das hier funktioniert. Gute Nacht!

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